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Wimbledon - Novak Djokovic und die Folgen der Niederlage gegen Carlos Alcaraz: Wie lange halten die Superkräfte noch?
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Update 16/07/2024 um 11:45 GMT+2 Uhr
Novak Djokovic muss seinen Traum vom achten Wimbledon-Titel vorerst begraben. Der Serbe spielte im All England Club einmal mehr seine Klasse aus, fand aber in Carlos Alcaraz seinen Meister. Der überschüttete den 37-Jährigen anschließend mit Lob. Ganz sicher war das ernst gemeint, aber man darf schon die Frage stellen, wie lange Djokovic noch seinen eigenen hohen Ansprüchen gerecht werden kann?
Alcaraz lässt Djokovic keine Chance - der Final-Tag aus Wimbledon
Quelle: SNTV
Kryptonit ist ein fieses Mineral, zumindest wenn man Superman ist. Der Stoff wirkt wie Gift für den Comic-Superhelden, schwächt ihn bei seinen Abenteuern.
Für Tennis-Superheld Novak Djokovic ist es, scherzhaft gesagt, großes Glück, dass Kryptonit nur ein fiktives Material ist. Er glaube ja "immer noch, dass Novak Superman ist", erzählte der frischgebackene Wimbledonsieger Carlos Alcaraz im lustigen Plauderton.
Es sei "nicht von dieser Welt", wie der 37-Jährige nach einer Meniskusoperation im All England Club aufgetreten und ins Finale gekommen sei. Djokovic hatte die French Open abgebrochen, nachdem er sich einen Riss des Innenmeniskus im rechten Knie zugezogen hatte. Rund vier Wochen vor Wimbledon ließ er den Eingriff vornehmen.
Man könnte fast an Superkräfte glauben vor dem Hintergrund, dass der Serbe in London nicht nur mitspielte, sondern lediglich einen Sieg vom 25. Grand-Slam-Titel entfernt war. "Ich habe ihn geschlagen, aber für mich ist Novak immer noch wie ein Superman", staunte Finalgegner Alcaraz nach seinem glatten 6:2, 6:2, 7:6 (7:4) gegen den Djoker.
Djokovic: Aufgabe und merkwürdige Niederlagen
Bei aller berechtigter Faszination und allem Respekt vor der unglaublichen Leistung wird die Frage immer drängender, wie lange Djokovic noch "Superman" sein kann?
Zieht man den bisherigen Saisonverlauf zurate, muss man fürchten, dass er das Niveau nicht mehr allzu lange halten wird - was, nebenbei bemerkt, bei einem 37-Jährigen das Normalste der Welt wäre.
Dennoch verwundern die Ergebnisse des Rekord-Grand-Slam-Champions. Bei den Australian Open war er im Halbfinale chancenlos gegen Jannik Sinner, die French Open musste er vor dem Viertelfinale abbrechen, in Wimbledon stand er im Endspiel gegen Alcaraz auf verlorenem Posten.
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Djokovic und Alcaraz machen Finale klar - der Tag aus Wimbledon
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Dazu setzte es überraschende Niederlagen gegen Luca Nardi (Indian Wells), Alejandro Tabilo (Rom) und Tomas Machac (Genf) - allesamt Spieler von außerhalb der Top 30 des ATP-Rankings. Enttäuschungen, die sich erklären lassen. Für Djokovic geht es um Grand-Slam-Titel und Rekorde, nicht mehr darum, jedes Turnier zu gewinnen.
Djokovic heiß auf Edelmetall in Paris
"Ich glaube, das ist seine einzige Motivation, also eine der zwei Motivationen, warum er überhaupt noch auf dem Platz geht", befand der ehemalige Wimbledonsieger Michael Stich, der den Rasenklassiker als Experte für "Prime Video" begleitete. Djokovic wolle zwingend "als der Erfolgreichste, Größte in die Geschichte eingehen".
Für die meisten Experten und Fans ist er das längst, ans Aufhören denkt er trotzdem noch nicht. "Ich möchte weitermachen, solange ich das Gefühl habe, auf diesem hohen Niveau spielen zu können", versicherte der Routinier und spekulierte bereits über den nächsten Coup. In Paris will er die letzte echte Lücke seiner Titelsammlung schließen und Olympiasieger werden. Er hoffe auf die "Chance, für mein Land um eine Medaille zu kämpfen".
Der weitere Fahrplan ist klar: Djokovic nimmt bei den US Open - natürlich - den Titel ins Visier. Auch die ATP Finals am Saisonende dürften hoch im Kurs stehen, im Januar folgen die Australian Open, das erfolgreichste Grand-Slam-Event des aktuell ältesten Profis in den Top 100 der Weltrangliste.
Petkovic über Djokovic: "Befürchte, dieser Tag ist gekommen"
Doch selbst wenn Djokovic fit und gesund bleibt, die Ziele sind ob des Alters und der Klasse eine Carlos Alcaraz oder Jannik Sinner immer schwerer zu erreichen. Aktuell sehe er sich "nicht auf diesem Niveau", gab er zu.
Damit ist er nicht der Einzige. "Das Alter kommt progressiv. Man kann viel mit Erfahrung ausgleichen. Eines Tages wachst du auf, und du bist alt. Ich glaube, weil Novak außerirdisch ist, hat er es bis 37 geschafft. Aber ich befürchte, dieser Tag ist für ihn gekommen. Es ist bei Rafael Nadal geschehen und ich befürchte, es ist bei Novak geschehen", erklärte die ehemalige Top-Ten-Spielerin Andrea Petkovic bei "Prime Video".
Stich wiederum hat im Endspiel beobachtet, dass "Alcaraz 50 Prozent der aggressiven Schläge zurückbringt und Novak unter 20 Prozent. Das ist ein Zeichen für mich, dass er sich nicht so bewegt wie normal." Damit war Djokovic einer seiner größten Stärken - der laufintensiven Verteidigung - beraubt. Die Frage lautet: Lag es an der suboptimalen Wimbledon-Vorbereitung samt Operation, oder nagt einfach nur der Zahn der Zeit am Serben?
Djokovic: Erste titellose Saison seit 18 Jahren?
"Den meisten Leuten", betonte "Prime-Video"-Expertin Barbara Schett, sei "eigentlich gar nicht bewusst, was Novak leistet". Ein sportlicher "Superman" eben, dem allerdings die erste titellose Saison seit 18 (!) Jahren droht. Noch ist freilich genug Zeit, das Szenario zu verhindern.
Wie auch immer die Reise weitergeht, Djokovic wird weiterhin alles Menschenmögliche unternehmen, um konkurrenzfähig zu bleiben. "Immer, wenn er auf den Platz geht, ist er der Gejagte. Ich glaube, er wird wahrscheinlich erst spüren, wenn er mal aufhört, was das für ein Druck eigentlich war", so Schett.
Noch macht Djokovic den Eindruck, dass er den Druck als Ansporn nimmt und sich zutraut, Lösungen gegen seine härtesten Rivalen zu finden. Und so lange das der Fall ist, hat Alcaraz völlig recht, wenn er sagt, dass "Novak immer noch Superman ist".
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Quelle: SNTV
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