Laura Siegemund peilt im Wimbledon-Viertelfinale gegen Aryna Sabalenka die nächste Sensation an - 3 Gründe für den Sieg

Laura Siegemund wächst in Wimbledon über sich hinaus, steht mit 37 Jahren im Viertelfinale. Nur ein Sieg fehlt noch bis zum persönlichen Grand-Slam-Rekord im Einzel, doch die Aufgabe könnte nicht größer sein. Es geht gegen Aryna Sabalenka, die Nummer eins der Welt. Endstation für Siegemund? Wahrscheinlich. Und doch gibt es Faktoren, die für die Schwäbin sprechen. Frag nach bei Madison Keys.

Laura Siegemund in Wimbledon

Fotocredit: Getty Images

Sie sei jetzt wieder der "fröhliche Underdog", scherzte Laura Siegemund bestens gelaunt im Gespräch mit "Prime Video". Sie habe nichts zu verlieren im Duell mit Aryna Sabalenka (Dienstag ab 14:30 Uhr MESZ im Liveticker), freue sich einfach auf die Partie.
Nur: Die Rolle der chancenlosen Herausfordererin, die mit dem Erreichten zufrieden ist, wird ihr die Weltranglistenerste nicht (mehr) abkaufen.
Dafür hat Siegemund selbst gesorgt. Die Art und Weise, wie sie in Runde drei die amtierende Australian-Open-Siegerin Madison Keys aus dem Turnier warf (6:3, 6:3), sendete eine klare Botschaft: Die Zahl 104, die das WTA-Ranking für die 37-Jährige angibt, ist derzeit völlig belanglos.
Siegemund dominierte Keys. Sie servierte besser, schlug mehr Winner, leistete sich weniger unforced errors, war wesentlich effektiver am Netz. Die gebürtige Filderstädterin spielte die Nummer acht der Welt nach allen Regeln der Kunst aus. Gelingt Siegemund im Viertelfinale ähnliches?
  • 3 Gründe für die Sensation gegen Sabalenka:

1.) Der Slice ist heiß

Wie kaum eine andere Spielerin ist Siegemund in der Lage, keinen Rhythmus zuzulassen - oder wie es die einstige Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki bei "Prime Video" ausdrückte: "Das Brechen des Rhythmus' der Gegnerin ist die Stärke von Laura." Wie ihr das gelingt? Unter anderem mit ihrem Slice, mit dem sie das Spiel flach hält und Grundlinienduelle vermeidet. Die Ballwechsel werden kürzer, viele Gegnerinnen ihrer Stärken beraubt.
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Laura Siegemund in Wimbledon

Fotocredit: Getty Images

Eine Taktik, die gegen Sabalenka aufgehen kann, wie Andrea Petkovic beim Vorbereitungsturnier in Berlin beobachtet hat. Dort sei die Belarussin im Halbfinale an Marketa Vondrousova gescheitert, weil die Tschechin "Arnya mit kurzen Slices schier zum Wahnsinn getrieben" habe. Siegemund pflege einen ganz ähnlichen Spielstil. "Lauras Slice und die Rotationswechsel könnten Sabalenka ganz schön Probleme bereiten", glaubt die ehemalige Top-Ten-Spielerin.
Siegemund selbst stapelt tief. Die dreimalige Grand-Slam-Championesse aus Minsk sei "jemand, der sich durch drei Schnipsel-Slices nicht rausbringen lassen" werde. Sie wolle aber ein "klares Spiel" aufziehen - und es wäre verwunderlich, wenn der Slice dabei keine Rolle spielen würde.

2.) Kopfsache: Siegemund beherrscht das spielchen

Der Kopf entscheidet. Eine Binsenweisheit im Tennis - und ein Faktor, der auch im Duell zwischen der Nummer eins und der 104 zum Tragen kommen dürfte. Siegemund, mit einem Abschluss in Psychologie ausgestattet, weiß die mentale Klaviatur meisterhaft zu spielen. Und so changiert die Sensations-Viertelfinalistin vor dem Match gekonnt zwischen Coolness, demonstrativer Entspanntheit und kleinen Kampfansagen.
Zu verlieren habe sie nichts, "einen Job zu erledigen" allerdings schon. Sie sei nur "der fröhliche Underdog", lässt aber freiwillig die Titelchance im Doppel sausen, um alle Kräfte für den Sabalenka-Showdown zu bündeln. Sie gehe das Match "völlig locker" an, rechnet sich aber dennoch Chancen aus. Hinzu kommt: Der Druck liegt auf der Branchenführerin, die in Wimbledon noch nie im Endspiel stand und obendrein in diesem Jahr die Grand-Slam-Finals in Melbourne und Roland-Garros verlor.

3.) Wimbledon liebt Märchen - Vorteil von den Rängen

Riesenapplaus und Jubel auf dem No.2 Court. Das Publikum reagierte begeistert auf die Information, dass Siegemund, die gerade ihr Achtelfinale gegen Solana Sierra gewonnen hatte, mit 37 Jahren die älteste im Feld verbliebene Spielerin sei.
Angesprochen auf ihre Cinderella-Geschichte im All England Club, sagte die Dauerbrennerin: "Ich versuche, es einfach zu genießen." Das Märchen der Nummer 104 im Ranking, die eigentlich im Doppel brillieren wollte und plötzlich im Viertelfinale steht, gefiel den Fans sichtlich.
Ein Umstand, der noch wichtig werden könnte. Gelingt es Siegemund, auch gegen Sabalenka ihr unvergleichliches Spiel aufzuziehen und die haushohe Favoritin zu ärgern, dürfte ihr der Support von den Rängen sicher sein. Wenn es schon keine britische Erfolgsgeschichte bei den Frauen zu bewundern gibt, dürfte ein weiteres Märchen-Kapitel durch die krasse Außenseiterin ein willkommener Ersatz sein.
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Quelle: Perform


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