Krieg in der Ukraine - Marta Kostyuk attackiert Russen und Belarussen: "Tun so, als wäre nichts"

Die Ukrainerin Marta Kostyuk hat Spielerinnen und Spieler aus Russland und Belarus aufgrund von deren Haltung zum Krieg in der Ukraine attackiert. Im exklusiven Interview mit Eurosport fand die 19-Jährige am Rande der Madrid Open deutliche Worte in Richtung der Kollegen: "Sie tun so, als wäre nichts. Sie tun so, als seien sie Opfer der Situation - und das kann ich ehrlich gesagt nicht verstehen."

Marta Kostyuk

Fotocredit: Getty Images

Die Nummer 60 der Weltrangliste zeigte kein Verständnis für ihre Kollegen. "Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergehen muss, bevor sie aufhören, Ausreden zu finden, um etwas zu tun", sagte Kostyuk gegenüber Eurosport.
Zuletzt hatte auch Landsfrau Elina Svitolina die russischen Tennisspieler für ihre "seichten Statements" gegen den Krieg in der Ukraine kritisiert und damit insbesondere auf Andrey Rublev Bezug genommen. Der 24-Jährige hatte im Februar in Dubai nach seinem Finaleinzug "No war, please" auf eine Kameralinse geschrieben.
Svitolina hatte die Botschaft Rublevs daraufhin in Frage gestellt. "Soll das bedeuten, unsere ukrainischen Soldaten sollten einfach aufgeben und unser Land abschreiben? Ist das, was 'kein Krieg' bedeutet?", fragte die Ukrainerin gegenüber der "BBC" und sagte: "Man kann darüber in verschiedenen Arten denken."
Svitolina und Kostyuk hatten Mitte April gemeinsam mit zahlreichen ukrainischen Athletinnen und Athleten eine Stellungnahme verbreitet, in der die Verfasser die Organisationen WTA, ATP und ITF dazu aufforderten, russischen und belarussischen Sportlern drei Fragen zu ihren Positionen zum Krieg zu stellen.
Kostyuk wiederholte nun ihre Forderung nach deutlicheren Signalen ihrer Kollegen und wollte nicht gelten lassen, dass Spieler aus Angst um ihre Familien in Russland und Belarus keine klare Stellung beziehen. "Lasst uns ehrlich sein: Spieler, die in den Top-50 sind, haben all das Geld, um ihren Familien einen Umzug zu ermöglichen", sagte sie am Rande des WTA-Turniers in der spanischen Hauptstadt.
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Rublev sendet klare Anti-Krieg-Botschaft nach Sieg

Quelle: Perform

Kostyuk deutlich: "Jeder hat eine Wahl"

"Also bitte. Es sind nun zwei Monate vergangen", führte die 19-Jährige aus. "Sie haben alle Möglichkeiten, um ihre Familien an einen anderen Ort zu bringen. Es ist nur ein Opfer, das die Leute nicht zu bringen bereit sind. Es ist nicht so, als hättest Du keine Wahl. Jeder hat eine Wahl im Leben", stellte Kostyuk klar und berichtete von Bekannten in Russland.
"Ich kenne Menschen, die aus Russland geflohen sind, weil sie nicht in so einem Land leben können. Weil sie nicht in einem Land leben können, in dem sie gewisse Dinge nicht sagen oder tun dürfen", erklärte Kostyuk. Der 19-Jährige selbst berichtete, dass sie ihre Familie aus der Ukraine holen musste und wies auf die Opfer hin, die sie und viele Landsleute bringen mussten.
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Marta Kostyuk in Indian Wells 2022

Fotocredit: Getty Images

"Ich musste meinen Job machen und mich um meine Familie kümmern. Warum tun sie das nicht?", fragte sie, drückte ihr Unverständnis aus und wurde deutlich. "Einfach die Ausrede zu finden 'Ich habe dort Familie und es ist gefährlich' - ganz ehrlich: Darüber bin ich hinweg. Lasst uns etwas anderes finden", sagte Kostyuk im exklusiven Interview mit Eurosport.
Zudem sei keine öffentliche Person in Russland bisher inhaftiert worden, weil sie sich dem Krieg entgegengestellt habe. Gerade deswegen ist es für Kostyuk umso unverständlicher, dass viele Russen sich entschieden hätten, das Land nicht zu verlassen. "Wenn es deine Entscheidung ist, weiter in einem Land zu leben, das dir keine Freiheiten gewährt, grundlegende menschliche Freiheiten - es gäbe so viele Möglichkeiten zu handeln. So viele Ausreden seit so vielen Wochen", klagte Kostyuk.
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Svitolina mit Tränen in den Augen: "Bin auf einer Mission"

Quelle: Perform

Kostyuk bricht Kontakt zu Russen und Belarussen ab

Auch Stimmen, man solle die Politik nicht mit dem Sport vermengen, wies sie zurück. "Der Sport war schon immer politisch", stellte Kostyuk klar und wies anderweitige Meinungen als "Ausreden" russischer Athleten zurück, um sich nicht gegen das eigene Land positionieren zu müssen.
Die Ukrainerin selbst habe derweil alle Kontakte zu russischen und belarussischen Spielerinnen und Spielern abgebrochen. "Wir waren Freunde und sie kamen nie auf die Idee, zu mir zu kommen und mit mir zu sprechen", klagte sie und erklärte: "Ich denke, das ist ein ziemlich guter Grund, vollkommen egal, was ihre Gefühle sind. Es ist mir wirklich egal", erklärte sie am Rande des Sandplatzturnieres in Madrid.
Die 19-Jährige erklärte gegenüber "CNN": "Wir wissen, dass die ganze Welt uns unterstützt. Jeder weiß, dass das, was geschieht, falsch ist. Und dennoch sind wir auf der Tour alleine."
Vor dem Zweitrundenmatch gegen Emma Raducanu am Sonntag gab Kostyuk auch einen Einblick in ihre Gefühlswelt, sprach von einer "Achterbahnfahrt" seit dem Einmarsch Russlands unter Führung des Staatspräsidenten Wladimir Putin in die Ukraine und erzählte von dunklen Tagen. Im Interview mit "CNN" sagte Kostyuk: "Die ersten zwei Wochen nach der Invasion hatte ich das Gefühl, Opfer zu sein. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, weil ich mich in meinem Leben selten so fühle."
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Marta Kostyuk in ihrem Erstrundenmatch bei den Madrid Open gegen die Dänin Clara Tauson.

Fotocredit: Getty Images

Ukrainerin benötigt psychologische Unterstützung

Doch dann habe sich ihre Denkweise verändert. "Ich sollte nicht still sein. Ich sollte sagen, was ich denke", sagte sie. Gegenüber Eurosport betonte sie nun, wie wichtig es für sie sei, für ihr Land Matches zu spielen und zu gewinnen. "Es hilft mir sehr, wenn ich siege, um meine Stimme zu erheben. Ich denke, das ist das, was ich tun sollte, was ich tun muss. Und das ist meine Position seit dem ersten Tag", erklärte Kostyuk.
Dabei bezieht sie Unterstützung eines Psychologen, der ihr dabei hilft, ihre Gefühle und Erlebnisse zu ordnen. "An einem Tag bist du in Ordnung, am anderen Tag geht es dir fürchterlich. Für mich als emotionale Person ist das nicht einfach", gestand die 19 Jahre alte Ukrainerin. Manche Wochen seien sogar so schwierig, dass sich Kostyuk bereits die Frage gestellt habe, welchen Sinn es habe "hier zu leben". Damit zurechtzukommen erfordere "viel mentale Kraft und Arbeit", erklärte sie und sagte: "Aber ich versuche mein Bestes."
Kostyuk sagte, sie hätte auch in die Ukraine gehen können, um dort zu helfen. Aber sie habe sich entschieden, "dass der Tennis-Court der Ort ist, wo ich meinen Kampf führen werde", und fügte an: "Ich weiß nicht, ob ich mich besser fühlen würde als auf dem Feld. Aber ich habe mich so entschieden und werde niemals wissen, wie es anders gewesen wäre."
Am Sonntag (ab 15:00 Uhr im Livescoring) trifft die Ukrainerin in der zweiten Runde der Madrid Open auf die Britin Emma Raducanu. Am Freitag hatte sie in der ersten Runde gegen die Dänin Clara Tauson 6:3 6:2 gewonnen.
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Russen und Russinnen ausgeschlossen - Siegemund zwiegespalten

Quelle: Eurosport

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