Drei Dinge, die beim F1-Rennen in Australien auffielen: Ferrari und Leclerc dominieren wie einst Schumacher

Ferrari-Pilot Charles Leclerc hat die Konkurrenz bei der Rückkehr in den Albert Park deklassiert und seinen Vorsprung in der Formel-1-Fahrerwertung weiter ausgebaut. Derweil erlebte Sebastian Vettel in seinem Aston Martin ein desolates Wochenende bei seinem Comeback, nachdem er die ersten beiden Rennen wegen einer Coronainfektion verpasst hatte. Drei Dinge, die beim Rennen in Australien auffielen.

Charles Leclerc

Fotocredit: Imago

Bei der Rückkehr nach Melbourne spielte Charles Leclerc mit der Konkurrenz und gewann souverän vor Red-Bull-Pilot Sergio Pérez und George Russell im Mercedes. Leclerc feierte nach zweijähriger Coronapause im Albert Park den bereits vierten Rennsieg seiner Karriere - und den zweiten in der noch jungen Saison
Aston-Martin-Pilot Sebastian Vettel schied bei seinem Comeback nach einem Fahrfehler dagegen in Runde 24 aus und erlebte ein katastrophales Wochenende bei seiner Rückkehr in die Königsklasse.
Die Mercedes mit Rekordweltmeister Lewis Hamilton und Youngster George Russell überraschten auf den Rängen drei und vier, profitierten dabei aber von den Ausfällen von Max Verstappen und Carlos Sainz.
Drei Dinge, die beim Rennen in Melbourne auffielen:

1. Leclerc deklassiert die Konkurrenz

Es war das perfekte Wochenende für Charles Leclerc. Der Monegasse feierte bei der Rückkehr in den Albert Park den F1-Grand-Slam: Neben der Pole Position, dem Sieg und der schnellsten Runde führte er das Rennen vom Start bis ins Ziel an. Leclerc ist der erste Ferrari-Pilot seit Fernando Alonso in Singapur 2010, dem dieses Kunststück gelang.
Nach zwei hart umkämpften Duellen mit Weltmeister Max Verstappen hatte der 24-Jährige in Melbourne alles im Griff.
"Wahnsinn. Das Auto war heute unglaublich. Was für ein Rennen und was für eine Pace", feierte Leclerc nach der Zieldurchfahrt im Boxenfunk. Von Beginn des Rennens an deklassierte der Ferrari-Pilot die Konkurrenz und fuhr bereits nach wenigen Runden einen Vorsprung von knapp zehn Sekunden auf den Niederländer heraus.
"Wir hatten keine Chance", konstatierte Verstappen nach dem Rennen ernüchtert und Red-Bull-Motorsportkonsultent Helmut Marko erkannte an: "Da kann man nur gratulieren." Schon am Samstag im Qualifying hatte der WM-Führende seine Stärke im Albert Park aufblitzen lassen und seinen Rivalen mit einer Traumrunde um knappe drei Zehntel distanziert.
Gerade in den langsamen Sektoren dominierte der Ferrari nach Belieben, hatte zudem deutlich weniger Schwierigkeiten mit der Reifenabnutzung als die Konkurrenz. Als Verstappen nach zwölf Runden über "Blasenbildung am linken Vorderreifen" klagte, fuhr der Monegasse weiter konstante Zeiten.
"Wir hatten bei beiden Autos nach wenigen Runden massives Graining", sagte Marko bei "Sky" und zeigte sich "negativ überrascht" über die Stärke der Scuderia. "Wir haben die Reifen gut im Griff gehabt", so Leclerc.
Das Team aus Maranello präsentierte sich in Melbourne mit einer Dominanz, die an den Beginn des Jahrtausends erinnerte, als Michael Schumacher Sonntag für Sonntag mit dem Rest des Feldes spielte. Trotz zweier Safety-Car-Phasen kam Leclerc am Ende mit 20 Sekunden Vorsprung ins Ziel.
Einzig beim zweiten Restart mussten die Tifosi zittern, als sich Verstappen auf der Start- und Zielgerade neben - aber eben nicht an Leclerc vorbeischieben konnte.
"Das war das erste Mal, dass wir den Abstand kontrollieren konnten", analysierte Leclerc, der zudem davon profitierte, dass WM-Rivale Verstappen im dritten Rennen der Saison zum zweiten Mal mit einem Defekt ausschied. "Das ist natürlich unglaublich. Wir haben wieder viele Punkte verloren. Das ist eine Katastrophe", polterte der Niederländer nach dem Grand Prix.
picture

Schumacher tauscht F1-Boliden in Melbourne gegen Surfbrett

Quelle: Perform

46 Punkte liegt Verstappen nun bereits hinter Leclerc. "Ich versuche, da gar nicht daran zu denken", wiegelte der Monegasse Fragen nach der Weltmeisterschaft ab. Doch die Tendenz ist deutlich. Zumal der 24-Jährige bereits nach drei Rennen den Status als klare Nummer eins bei den Roten erobert haben sollte.
Denn auch Carlos Sainz erlebte im Albert Park ein Rennen zum Vergessen. In der vergangenen Saison hatte der Spanier noch das teaminterne Duell mit Leclerc für sich entschieden. Doch bereits in Sakhir und Dschidda sah der 27-Jährige kein Land gegen seinen Teamkollegen. In Australien schied er bereits nach zwei Runden mit einem Fahrfehler aus, liegt ebenfalls schon 38 Punkte hinter Leclerc.
Der Monegasse dagegen ließ in der Schlussphase des Rennens abermals die Muskeln spielen und protzte mit der Stärke seines Ferrari. Im letzten Umlauf überbot er seine schnellste Runde noch einmal und sicherte damit den Bonuspunkt ab.
2018 scheiterte Sebastian Vettel im Titelkampf auch daran, dass Ferrari es verpasste, ihn gegenüber Kimi Räikkönen als unangefochtene Nummer eins zu behandeln. Nun ist die Rangordnung im Team schon früh geklärt. Für die Scuderia und Leclerc kann eine klare Hierarchie nur gut sein.
picture

Charles Leclerc

Fotocredit: Getty Images

2. Debakel-Rückkehr für Vettel

Sebastian Vettel reiste mit guten Erinnerungen nach Australien: Zwei der drei vergangenen Rennen in Melbourne hatte er gewonnen. 2017 und 2018 triumphierte der Heppenheimer zum Saisonauftakt im Albert Park für Ferrari. 2011 hatte er bereits im Red Bull auf dem mittleren Treppchen gestanden. Nur Michael Schumacher (4) siegte in der Geschichte der Formel 1 häufiger in Australien als der 34-Jährige.
Doch beim Comeback nach seiner Coronainfektion erlebte Vettel Down Under ein echtes Debakel. Nachdem er die ersten beiden Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien verpasst hatte, lief auch in Melbourne von Beginn des Wochenendes an alles schief. Im 1. Freien Training erlitt sein Aston Martin einen Motorschaden, Vettel konnte deswegen auch im 2. Training nicht starten und verpasste nötige Runden, um das Auto kennenzulernen.
Im 3. Freien Training verlor er dann die Kontrolle über das Auto und donnerte zum ersten Mal an diesem Wochenende in die Mauer. Und auch der Sonntag endete für Vettel nach 24 Runden in der Leitplanke.
picture

Sebastian Vettel

Fotocredit: Getty Images

"Vielleicht habe ich etwas zu hart gepusht", gestand Vettel nach dem Rennen und nahm die Schuld für den Crash auf sich. Doch das Kernproblem ist auch in dieser Saison das Fahrzeug des viermaligen Weltmeisters.
"Es ist so schwierig, das Auto auf der Bremse einzuschätzen", klagte Vettel nach einem Ausritt ins Kiesbett kurz nach dem Start über das Teamradio.
Schon in seiner Abwesenheit in Sakhir und Dschidda wurde deutlich, dass Aston Martin auch in der neuen Ära der Formel 1 nicht wie erhofft um Siege mitfahren kann. Im Gegenteil: Nach drei Rennen hat der britische Rennstall als einziges Team noch keinen Zähler eingefahren. Durch den zehnten Platz von Alexander Albon im Albert Park verdrängte Williams den Vettel-Rennstall auf den alleinigen letzten Platz.
Viel zu wenig für die Ambitionen von Vettel, der zur vergangenen Saison von Ferrari gekommen war, um bei der Traditionsmarke um seinen fünften WM-Titel zu kämpfen. "Es war natürlich hart", resümierte der viermalige Weltmeister nach dem Rennen und flüchtete sich im Hinblick auf die kommenden Rennen in Galgenhumor.
"Ich bin mir sicher, dass es besser wird", sagte Vettel und unkte: "Schlimmer kann es nicht werden."
picture

George Russell neben Charles Leclerc

Fotocredit: Getty Images

3. Sorgenkind Mercedes meldet sich zurück

Wie in Bahrain war Mercedes auch in Melbourne zur Stelle, als die Konkurrenz Federn ließ. Die Silberpfeile profitierten von den Ausfällen von Max Verstappen und Carlos Sainz und sicherten sich die Ränge drei und vier. Kein Team verließ den Albert Park mit mehr Punkten im Gepäck als der amtierende Konstrukteursweltmeister.
Zurecht bezeichnete der ehemalige Formel-1-Pilot Ralf Schumacher Mercedes nach dem Rennen als den heimlichen Sieger Down Under. Wie zuletzt waren George Russell und Lewis Hamilton im Rennen stärker als im Qualifying, hatten mit den Reifen weniger Probleme als beispielsweise Red Bull.
Nach Rang fünf und zehn in Dschidda war nicht damit zu rechnen, dass Mercedes die Pace haben würde, um mit den Bullen zu konkurrieren. Doch Russell kam nur fünf Sekunden hinter Sergio Pérez ins Ziel, Hamilton und Russell konnten sich heiße Duelle mit dem Mexikaner liefern. "Mercedes war teilweise schneller", gab Marko nach dem Großen Preis von Australien bei "Sky" zu.
"Es ist ein großartiges Ergebnis für uns als Team", lobte Hamilton bei "Sky UK". "Wir sind mit so vielen Problemen gestartet und hatten dieses Ergebnis nicht erwartet", freute sich der Rekordweltmeister, der sich zu Beginn des Wochenendes noch ernüchtert und ratlos gegeben hatte.
Während der Safety-Car-Phase wegen des Vettel-Unfalls verlor der Brite seine Position an Landsmann Russell, der wie in Dschidda vor Hamilton ins Ziel kam und sich in der Fahrerwertung nun auf Rang zwei nach vorne schob. "Es ist ein großartiges Podium", sagte ein euphorischer Russell.
Um von einer Wachablösung zu sprechen, ist es aber deutlich zu früh. "So viel Pech mit dem Safety Car", klagte der siebenmalige Champion über das Teamradio, freute sich nach der Zieldurchfahrt aber mit dem 24-Jährigen: "Wir sind ein großartiges Team!"
Trotz der Probleme der Anfangsphase reist Mercedes nun als Zweiter in der Teamwertung nach Imola. "Es ist so viel Arbeit gemacht worden", lobte Russell und gab sich optimistisch für die Zukunft. "Wir werden noch ein bisschen Zeit brauchen, bis wir vorne mitkämpfen können. Aber wenn es einer kann, dann Mercedes."
Der stark verbesserte Auftritt der Silberpfeile im Albert Park gibt ausreichend Gründe zur Hoffnung.
picture

Schumacher tauscht F1-Boliden in Melbourne gegen Surfbrett

Quelle: Perform

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung