Getty Images

Der BVB nach dem Weigl-Abgang: Steckt ein Plan dahinter?

Der BVB nach dem Weigl-Abgang: Steckt ein Plan dahinter?

11/01/2020 um 10:09Aktualisiert 11/01/2020 um 10:22

Borussia Dortmund hat Julian Weigl für 20 Millionen Euro zu Benfica Lissabon ziehen lassen. Auf den ersten Blick ein nachvollziehbarer Schritt. Schaut man etwas genauer hin, gehen der BVB und Lucien Favre damit jedoch auch ein nicht zu unterschätzendes Risiko ein. Steckt womöglich sogar ein weiterführender Transfer-Plan hinter dem Abgang des Mittelfeldspielers?

    Von Weigl gab's sogar noch ein Trikot dafür - und prompt war der Deutsche zum Fan-Liebling aufgestiegen, ohne eine Minute für den Traditionsverein auf dem Platz gestanden zu haben. Bei Borussia Dortmund war der lange Mittelfeld-Schlaks dagegen verzichtbar geworden.

    Noch im Sommer hatten die Verantwortlichen einem Wechsel einen Riegel vorgeschoben. Nun durfte Weigl für 20 Millionen Euro gehen. Ein gutes Angebot, zumal der Mittelfeldspieler dem Vernehmen nach hinter den Kulissen auf einen Abgang gepocht hatte.

    Weigl: BVB gibt Sicherheit und Konstanz ab

    Dennoch birgt der Weigl-Abgang für den BVB auch Risiken. Immerhin war Weigl in der Hinrunde Lucien Favres Defensiv-Joker schlechthin gewesen.

    Julian Weigl

    Julian WeiglGetty Images

    Zwar mit sichtlichen Geschwindigkeitsdefiziten, aber dafür immer da, wenn er gebraucht wurde. Weigl stopfte sowohl in der Zentrale als auch in der Innenverteidigung regelmäßig die Lücken im Kader, wenn Axel Witsel, Thomas Delaney oder auch Mats Hummels ausfielen.

    Weigls Flexibilität war vor allem in englischen Wochen ein nicht zu unterschätzendes Plus für Favres Planungen. Dass der Trainer dem Abgang dennoch zustimmte, dürfte vor allem an der Umstellung von Vierer- auf Dreierkette, von 4-2-3-1 auf 3-4-3, gelegen haben.

    Favres Plan im Mittelfeld steht

    Da Witsel und Delaney beide den kompletten Dezember verletzt fehlten, musste Julian Brandt gezwungenermaßen auf die zweite zentrale Position im Mittelfeld rücken (übrigens neben Weigl). Was als Not-Experiment begann, entpuppte sich als Glücksgriff. Brandt blühte zum ersten Mal seit seinem Wechsel zu den Schwarz-Gelben im vergangenen Sommer so richtig auf.

    Auch im Trainigslager in Marbella ließ Favre dieses System weiter einstudieren. Selbstverständlich mit Brandt. In der Theorie stehen Favre demnach genügend Profis zur Verfügung. Für die beiden Achter-Positionen Brandt, Witsel und Delaney. Die Dreierkette mit Hummels, Manuel Akanji und Dan-Axel Zagadou hat sich ebenfalls eingespielt. Lukasz Piszczek soll den Backup geben, falls sich einer verletzt.

    Experimente? Nicht Favres Ding ...

    So weit, so gut. Allerdings vertraut Favre in diesem Szenario darauf, dass alle Genannten die komplette Rückrunde weitestgehend fit bleiben und Delaney und Witsel nach längerem Ausfall schnell wieder zur Topform finden.

    Zwar stehen mit Mahmoud Dahoud und Tobias Raschl für die Zentrale und mit Leonardo Balerdi in der Innenverteidigung drei weitere Alternativen bereit, doch Favre gilt nicht unbedingt als der experimentierfreudigste Coach.

    Axel Witsel (l.), Lucien Favre und Marco Reus von Borussia Dortmund

    Axel Witsel (l.), Lucien Favre und Marco Reus von Borussia DortmundImago

    Der Schweizer gönnte dem Trio in der Hinrunde insgesamt nur 295 Minuten. Dahoud wird zudem selbst immer wieder mit Wechselgerüchten in Verbindung gebracht. Top-Talent Raschl, der noch auf sein Profi-Debüt wartet, gilt laut "Bild" als Kandidat für eine Leihe.

    Hat der BVB einen Plan?

    Nicht auszuschließen, dass der BVB im Hintergrund bereits am nächsten Transfer bastelt. Zwar berichten der "kicker" und die "Ruhrnachrichten", dass die Dortmunder im Winter nicht händeringend nach Ersatz für Weigl suchen. Falls sich eine interessante Gelegenheit ergeben sollte, wird sich der Verein dieser aber sicher nicht verschließen.

    Emre Can wäre so jemand. Schnell, robust, international erfahren. Dazu wie Weigl sowohl im Mittelfeld als auch in der Defensive einsetzbar. Laut der italienischen "Gazzetta dello Sport" sollen die Westfalen schon länger in Verhandlungen mit Cans derzeitigem Arbeitgeber Juventus Turin stehen.

    Zwar verkündete Juve-Sportdirektor Fabio Paratici jüngst, dass Can "bleibe", weil er ein "sehr wichtiger Spieler von internationalem Format" sei. Diese Aussage deckt sich jedoch nicht mit den nur 279 Minuten, die der deutsche Nationalspieler in dieser Saison in Liga und Pokal auf dem Platz stand. Für die Gruppenphase der Champions League nominierte ihn Coach Maurizio Sarri erst gar nicht.

    Can hat bereits signalisiert, den Verein schnellstmöglich verlassen zu wollen. Vielleicht bedarf es nur einem schlagkräftigen Argument aus Dortmund, um Juventus doch noch von einem Verkauf im Winter zu überzeugen ...

    Video - Wie spricht man eigentlich Haaland aus? BVB-Neuzugang gibt Nachhilfe

    00:20