Deutschland-Schweiz - Drei Dinge, die auffielen

Die deutsche Nationalmannschaft ist beim Nations-League-Spiel gegen die Schweiz nicht über ein 3:3-Unentschieden hinausgekommen und enttäuschte dabei über weite Teile der Partie. Als einer der wenigen Lichtblicke konnte sich Kai Havertz in den Vordergrund spielen und für einen Stammplatz empfehlen. Auf der anderen Seite lieferte Granit Xhaka ein bärenstarkes Spiel ab. Drei Dinge, die auffielen:

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1. Angriff ist die schlechteste Verteidigung

Was prasselte in den vergangenen Tagen nicht alles an Kritik auf Joachim Löw herein.
Zumindest mit dem Vorwurf, er sei nicht reflektiert, konnte der 60-Jährige am Dienstagabend in der Nations League gegen die Schweiz aufräumen. Der Bundestrainer nahm sich dabei den Rat seines ehemaligen Kapitäns und heutigen "ARD"-Experten Bastian Schweinsteiger zu herzen ("Wir hätten nicht immer fünf Verteidiger und drei Innenverteidiger gebraucht") und kehrte anders als beim 2:1-Erfolg in der Ukraine im Duell mit den Eidgenossen in Köln wieder zur Viererkette zurück.
Wer jedoch gehofft hatte, dass mit der Rückkehr zum einst so erfolgreichen System automatisch auch die positiven Ergebnisse zurückkommen würden, der irrte. Die deutsche Nationalmannschaft präsentierte sich von der ersten Minute an erneut äußerst fehleranfällig und lud die Eidgenossen förmlich zum Toreschießen ein.
Folgerichtig lag die Löw-Elf bereits nach einer knappen halben Stunde 0:2 in Rückstand - und das durch eigenes Verschulden. Beim Führungstreffer durch Mario Gavranovic stimmte die Gegenbewegung der Defensive beim Herausrücken aus dem Fünfmeterraum überhaupt nicht (5.). Und nur wenig später entblößten zwei einfach Pässe nach Ballverlust Kroos im Mittelfeld die aufgerückte Viererkette vollständig (21.).
"Beim ersten und dritten Tor haben wir schon sehr mitgeholfen. Wenn es drei Gegentore gibt, ist es defensiv nicht gut", zeigte sich Kroos nach dem 3:3-Remis selbstkritisch.
Experte Schweinsteiger begab sich daher bereits zur Halbzeit auf Ursachenforschung. "Die Restverteidigung stimmt nicht. Wenn wir angreifen, ist unsere Verteidigung nicht geordnet und zu weit weg von den Offensivspielern der Schweizer, die dann wiederum schnell umschalten können, wenn sie die Bälle gewinnen. Eigentlich sind die Schweizer am gefährlichsten, wenn wir angreifen und in deren Drittel spielen", konstatierte der 35-Jährige in der "ARD" und traf damit den Nagel auf den Kopf.
Die Folge des schlechten Positionsspiels waren etliche Kontergelegenheiten, bei denen sich Antonio Rüdiger, Matthias Ginter und Co. immer wieder in Eins-gegen-Eins-Situationen am oder sogar im eigenen Sechzehner begeben mussten. So auch beim dritten Gegentreffer durch Gavranovic (57.).
"Hinten haben wir natürlich den einen oder anderen Fehler gemacht. Wir haben bewusst viel riskiert und überall Mann gegen Mann gespielt. Das war natürlich auch Risiko", erklärte Löw.
Fakt ist: Der Bundestrainer wird in den verbleibenden sieben Länderspielen vor der EM-Endrunde weiter experimentieren müssen, um ein Erfolgsrezept für die Defensive zu finden.

2. Xhaka stielt Shaqiri die Show

Ganze vier Jahre lang hielt Granit Xhaka unweit des Kölner Rhein-Energie-Stadions, genauer bei der Borussia in Mönchengladbach, die Knochen hin. Am Dienstag kehrte er als Kapitän der Schweizer Nationalmannschaft zumindest für einen Abend nach Deutschland zurück und stellte eindrucksvoll unter Beweis, warum er mittlerweile auch in der Premier League beim FC Arsenal eine feste Größe ist.
Der 28-Jährige riss das Spiel des Weltranglisten-20. vom Anstoß weg an sich und dirigierte seine Mitspieler lautstark. Als Taktgeber im Mittelfeld brachte Xhaka nicht nur fast 95 Prozent seiner Pässe an, sondern konnte sowohl die meisten Ballaktionen als auch -gewinne verbuchen. Ganz nebenbei stahl er als Herzstück des Schweizer Spiels dem ehemaligen Bayern-Star Xherdan Shaqiri, der ebenfalls eine ansprechende Leistung zeigte, die Show.
Doch nicht nur Xhaka, sondern die komplette Schweizer Elf zeigte beim Remis in Köln eine mannschaftlich geschlossene Leistung.
"Die Schweiz verteidigt sehr gut, wartet auf die Momente, wo wir nicht gut zugeordnet sind in der Defensive und nutzt dann unsere Fehler aus. Sie hatten wirklich sehr gute Möglichkeiten. Das Umschaltspiel der Schweizer ist so schnell", lobte Schweinsteiger die Gäste.
Ganz zufrieden mit dem Punktgewinn beim großen Nachbarn waren die Mannen von Trainer Vladimir Petkovic aber dennoch nicht.
"Wenn Du dreimal führst, musst Du gewinnen. Wir haben Deutschland zu Fehlern gezwungen, haben uns aber durch eigene Fehler aus dem Gleichgewicht gebracht. Das war zu wenig", kritisierte Torhüter Yann Sommer.

3. Havertz drängt sich endlich auf

"Heute ist ein Tag, da kann die Mannschaft mit mehr Selbstbewusstsein spielen und den richtigen Schritt machen, auch wenn es gegen eine starke Mannschaft aus der Schweiz geht", prognostizierte Schweinsteiger.
Tatsächlich schien sich Kai Havertz die Worte des Ex-DFB-Kapitäns zu Herzen genommen zu haben.
Der Neuzugang des FC Chelsea bekam in seinem erst zehnten Länderspiel von Bundestrainer Löw die Chance von Beginn an und nutzte diese eindrucksvoll. Bereits nach 28 Minuten war der Youngster mit einem Ballgewinn im Mittelfeld Initiator des Anschlusstreffers zum 1:2 durch Timo Werner (28.).
In ähnlicher Manier (Ballgewinn im Zentrum) erzielte er wenig später sein zweites Länderspieltor und damit den zwischenzeitlichen Ausgleich (55.). Und auch beim Treffer zum 3:3-Endstand durch Serge Gnabry hatte er seine Beine im Spiel, als er Vorlagengeber Werner mit einem klugen Zuspiel in Szene setzte (60.).
Havertz überzeugte gegen die Schweiz jedoch nicht nur als Torschütze und Vorbereiter, sondern ging auch im Mittelfeld keinem Duell aus dem Weg und bestritt zur allgemeinen Überraschung die meisten Zweikämpfe auf dem Feld (13), von denen er starke 62 Prozent gewann.
Trotz der dritten Punkteteilung des DFB-Teams in der Nations League zeigte sich der 21-Jährige durchaus zufrieden mit dem Auftreten der Nationalelf. "Wir sind nach vielen Rückschlägen immer zurückgekommen, haben eine gute Moral bewiesen. Wir befinden uns noch immer in einem Prozess, haben eine junge Mannschaft. Wir lassen uns von unserem Weg nicht abbringen", betonte er.
Bis zu seiner Auswechslung in der 77. Minute (für Julian Draxler) war der Ex-Leverkusener zweifelsohne einer der auffälligsten Akteure auf dem Platz und konnte sich genau 240 Tage vor dem Auftakt der EM-Endrunde endlich auch im DFB-Trikot ins Rampenlicht spielen.
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Quelle: Perform

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