Nico Schulz und der BVB: Bisher nur ein teures Missverständnis

Obwohl Borussia Dortmund den ersten Meistertitel seit 2012 wohl verpassen wird, steht das Grundgerüst für eine erfolgreiche Zukunft. Mit den Transfers von Erling Haaland, Julian Brandt und Co. konnte sich der BVB gleich auf mehreren Positionen qualitativ verstärken. Einzig ein prominenter Neuzugang scheint sich im Nachhinein als großen Missverständnis herauszustellen: Nico Schulz.

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Fast genau ein Jahr ist es her, dass Sportdirektor Michael Zorc stolz den frisch verpflichteten Hoffnungsträger für die Defensive mitsamt neuer schwarz-gelber Arbeitskleidung präsentierte.
Die Rede ist von Nico Schulz, der mit seiner Unterschrift gleichzeitig den Auftakt für eine Dortmunder Sommer-Transferoffensive bildete, in der noch Mats Hummels, Thorgan Hazard und Julian Brandt folgen sollten.
Der Neuzugang sei "ein Abwehrspieler, der in den vergangenen Jahren noch einmal einen deutlichen Leistungssprung gemacht hat", lobte Zorc und betonte: "Wir werden von seiner Physis, seinem Tempo und seiner extremen Dynamik sehr profitieren."
Auch Schulz selbst schien für das Abenteuer in Dortmund gut gewappnet zu sein. "Ich weiß, was ich kann. Ich bin gekommen, um zu spielen und um zu helfen", erklärte der Nationalspieler zu Beginn der neuen Spielzeit.

Hohe Erwartungen an Hoffnungsträger Schulz

In der Tat kam das Selbstvertrauen des Linksverteidigers nicht von ungefähr: Mit der Empfehlung von elf Torbeteiligungen in der Vorsaison und einem Stammplatz in der Nationalmannschaft unter Bundestrainer Joachim Löw wechselte Schulz für stolze 25,5 Millionen Euro von der TSG Hoffenheim ins Ruhrgebiet.
Jene Rekordsumme brachte ihm gemeinsam mit dem aus Mönchengladbach gekommenen Hazard nicht weniger als den zweiten Platz im Ranking der teuersten Vereinstransfers (hinter Hummels, 30,5 Mio. Euro) ein.
Doch während der Belgier in der Offensive zu einer Art Allzweckwaffe avancierte, spielt der 27-Jährige in den Planungen von Trainer Lucien Favre kaum eine Rolle.
Schulz kam in der laufenden Saison - nicht zuletzt aufgrund von Verletzungen - lediglich in 15 Partien zum Einsatz, in denen er nur bedingt überzeugen konnte (ein Tor, keine Vorlage).

Schulz unter Favre nur außen vor

Selbst die von Favre im Laufe der Hinrunde vollzogene Umstellung auf ein 3-4-3-System, das Schulz von seiner Spielanlage her wie auf den Leib geschneidert ist, verhalf ihm nicht zum erhofften Durchbruch, weshalb sich beim Neuzugang bereits zum Ende des vergangenen Jahres Frust breitmachte.
"Meine Leistung hat generell nichts mit dem System zu tun. Ich habe vorher auch in diesem System schlechte Spiele gemacht. Ich weiß nicht, woran es gelegen hat. Ich weiß nur, dass ich in den ersten Monaten beim BVB nicht den besten Fußball gespielt habe, den ich spielen kann", resümierte er da.
Besser wurde es nicht.
Im gesamten Kalenderjahr 2020 stand Schulz bislang nur einmal auf dem Platz und das ausgerechnet bei der bitteren 2:3-Niederlage im Achtelfinale des DFB Pokals gegen Werder Bremen, wo er auf der linken Außenbahn teilweise überfordert wirkte.
Auch in der Coronapause fand er keinen Anschluss an die erste Elf.
Unmittelbar vor dem Bundesliga-Restart gegen den FC Schalke (4:0) musste sich der Nationalspieler erneut aufgrund muskulärer Probleme abmelden. "Er war am Anfang verletzt und jetzt wieder. Er darf zwei bis drei Wochen nichts machen", erklärte Favre vor dem Revierderby.
Dass Schulz gegen den ungeliebten Nachbarn überhaupt zum Einsatz gekommen wäre, darf bezweifelt werden. Auf der von ihm bevorzugten Position auf der linken Außenbahn ist längst Raphaël Guerreiro gesetzt, der eine bärenstarke Rückserie spielt (sechs Treffer, drei Vorlagen) und nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken ist.
Ist die Zeit von Schulz beim BVB somit abgelaufen, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat?

BVB: Schulz angeblich auf dem Abstellgleis

Die "Sport Bild" berichtete kürzlich, dass sich der 27-Jährige bereits wieder auf der Abschussliste des BVB befinden soll. Gerüchten zufolge soll Hoffenheim an einer Rückholaktion interessiert sein. Ein Wechsel zurück in den Kraichgau könnte jedoch an der hohen Ablösesumme scheitern. Ein mögliches Modell wäre jedoch ein Leihgeschäft.
Dabei würde ein vorzeitiger Abschied nach nur einem Jahr so gar nicht in die zuletzt so erfolgreiche Einkaufspolitik der Borussia passen. Zumal mit Emre Can und Erling Haaland zwei weitere Neuzugänge im Winter kamen, die sich sofort zu Leistungsträgern entwickelten.
Auf lange Sicht könnte ein weiterer Tapetenwechsel für Schulz jedoch die einzige Option sein. Fakt ist, dass er im Hinblick auf die paneuropäische Europameisterschaft im kommenden Sommer Spielpraxis benötigt, um seinen Platz im DFB-Team verteidigen zu können.
"Ich tue alles, um bald wieder auf dem Platz zu stehen", war vor Kurzem auf dem Instagram-Kanal von Schulz zu lesen. Es wäre in der Tat höchste Zeit für ein baldiges Comeback, um mit einem Jahr Verspätung die Vorschusslorbeeren der BVB-Verantwortlichen doch noch zu bestätigen.
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