RB Leipzig: So verspielen Timo Werner & Co. nicht nur den Titel

RB Leipzig hat mit dem 1:1 im Heimspiel gegen den SC Freiburg den Negativtrend fortgesetzt, der sich beim Team von Julian Nagelsmann bereits vor der Corona-Pause abgezeichnet hatte. Hadert Leipzig weiter so sehr mit der Chancenverwertung und sich selbst, drohen die Sachsen nicht nur die Meisterschaft, sondern sogar die Champions League zu verspielen. Das hätte weitreichende Folgen.

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Als Robin Koch am vergangenen Samstag in der Red Bull Arena jubelte und mit seinen Freiburger Teamkollegen ganz Corona-konform mit den Ellenbogen abklatschte, dürfte den wenigen Verantwortlichen auf der Tribüne von RB Leipzig das Herz in die Hose gerutscht sein.
Eine Heimniederlage zum Neustart der Bundesliga, das hatte den Sachsen gerade noch gefehlt. Ganz so schlimm sollte es zwar am Ende nicht kommen, da Videoassistent Daniel Schlager in Köln eine Abseitsposition des Torschützen ausgemacht hatte, doch auch das 1:1 gegen die Breisgauer passte RB so gar nicht in den Kram.

Leipzig im Abwärtsstrudel

Den Traum von der Meisterschaft, die zur Winterpause mit vier Punkten Vorsprung auf den FC Bayern und sieben auf Borussia Dortmund noch zum Greifen nah schien, müssen die Leipziger langsam aber sicher begraben.
Komplett abhaken wollte Coach Julian Nagelsmann den Titel nach der Partie bei Sky" zwar noch nicht, musste aber eingestehen: "Wenn wir 1:1 spielen und in Freiburg verlieren, dann sind es zu wenig Punkte, um Meister zu werden."
Bereits vor der knapp neunwöchigen Corona-Pause hatten die Sachsen in der Liga gestrauchelt. In der Rückrunde stehen in neun Spielen gerade einmal 14 Punkte zu Buche. In der Jahrestabelle belegt RB nur Rang sieben.
Deutlich zu wenig für einen Titelanwärter. Bayern und der BVB sind nach Siegen am Wochenende mittlerweile auf sieben bzw. vier Punkte davongezogen. Gerade in der aktuell neuen Situation ohne Fans, in der Heimspiele nur noch einen geringen oder gar keinen Vorteil mehr ausmachen, dürfte es zur Herkules-Aufgabe werden, die beiden individuell und technisch stärksten Teams der Liga noch abzufangen.

Keine Werner-Tore, keine Punkte

Spielerisch muss sich zwar auch Leipzig nicht verstecken, allerdings ließen die Herren Timo Werner, Yussuf Poulsen, Patrik Schick und Marcel Sabitzer zuletzt die so wichtige Kaltschnäuzigkeit und den Torhunger vermissen.
"Drei oder vier Tore für uns wären möglich gewesen“, monierte Nagelsmann nach dem Freiburg-Spiel: "Von sechs oder sieben Hundertprozentigen muss halt auch mal einer reingehen."
Das sah auch Kevin Kampl so: "Wir haben fünfmal vor dem leeren Tor gestanden, wir hatten Chancen für zwei Spiele."
Gerade an Werner lässt sich die Flaute der Leipziger statistisch gut festmachen. Zwischen Anfang November und Mitte Januar war der Nationalspieler mit 14 Toren (insgesamt 21 in dieser Saison) und sechs Vorlagen der Erfolgsgarant seines Teams, führte RB zu acht Siegen in neun Spielen.
In den vergangenen acht Partien, in denen Leipzig nur elf Punkte holte und bis runter auf Platz vier gespült wurde, waren es dagegen nur ein Treffer und ein Assist. Ist Werner in Top-Form, kann Leipzig um den Titel mitspielen. Falls nicht, droht das Mittelmaß.

Leipzig: Selbst die Champions League wackelt

Wie prekär die Lage in Leipzig wirklich ist, zeigen die Aussagen von Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. Denn während die Meisterschaft natürlich eine schöne Träumerei ist, bleibt das erneute Erreichen der Champions League mittlerweile essentiell, will der Klub weiter an seinen mittelfristigen Zielen festhalten.
"Das war für uns kein zufriedenstellender Restart der Bundesliga, denn wir müssen Punkte einfahren im Kampf um die Champions-League-Plätze", mahnte der 44-Jährige bereits am vergangenen Samstag. In der "Sport Bild" wurde Mintzlaff noch deutlicher:
"Wir müssen in den kommenden Spielen sofort da sein und von der ersten Minute an unser Spiel durchziehen. Jeder muss verstehen, dass wir unserem Ziel alles unterordnen, denn der Wiedereinzug in die Champions League ist ein sportliches Pfichtziel."
Borussia Mönchengladbach ist in der Tabelle bereits an den Sachsen vorbeigezogen, Bayer Leverkusen sitzt RB als Fünftplatzierter mit nur einem Punkt Rückstand im Nacken.

Finanzieller Engpass auf dem Transfermarkt droht

Auch finanzielle Großprojekte wie die Modernisierung und der Umbau der Red Bull Arena sowie eine neue Geschäftsstelle in Stadionnähe hängen an den Königsklassen-Einnahmen.
"Wir sprechen hier über Investitionen im hohen zweistelligen Millionenbereich", so Mintzlaff: "Diese Langfristprojekte können wir im geplanten Zeithorizont nur umsetzen, wenn wir wieder die Champions League erreichen - auch angesichts der Mindereinnahmen durch die Spiele ohne Zuschauer."
Selbst wenn Verkäufe von Werner oder Top-Talent Dayot Upamecano im Sommer Geld in die Kassen spülen, müsste dies im Worst-Case-Szenario dazu verwendet werden, Finanzlücken zu schließen, anstatt damit in neue Spieler investieren zu können.
Unter anderem der angestrebte Transfer von Bremens Milot Rashica oder die feste Verpflichtung von Rom-Leihgabe Patrik Schick würden wackeln.
Doch soweit muss es nicht kommen. Dass Nagelsmanns Team sich aus eigener Kraft aus einer Ergebniskrise herausarbeiten kann, hat RB bereits im vergangenen Herbst bewiesen.
In der aktuellen Champions-League-Saison wurde das Viertelfinale erreicht. Leipzig hat es auch für die kommende Saison selbst in der Hand.
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