Bielefeld - BVB: Was beim Dortmunder Auswärtssieg bei Arminia auffiel
Der BVB schlägt Arminia Bielefeld mit 2:0 (0:0) und gewinnt damit das fünfte seiner sechs Bundesligaspiele in dieser Saison zu Null. Einmal mehr stach Abwehrchef Mats Hummels bei Borussia Dortmund heraus, avancierte dank eines Doppelpacks zum Matchwinner. Außerdem: Eine chronische Schwäche erweist sich langsam aber sicher als neue Stärke. Was uns auffiel.
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Vizemeister Borussia Dortmund hat im zähen Geduldsspiel auf der Bielefelder Alm seine Pflicht erfüllt. Mit 2:0 gewannen die Schwarz-Gelben in Ostwestfalen - der erste Sieg bei der Arminia seit 21 Jahren. In der Spitzengruppe der Bundesliga bleibt der BVB nach dem sechsten Spieltag (15) somit auf Kurs.
"Wir haben das super gemacht", freute sich Thomas Delaney nach dem Abpfiff am "Sky"-Mikrofon: "Es war ein bisschen wie das Schalke-Spiel. In der ersten Halbzeit viel Kontrolle, aber kein Tor. In der zweiten Halbzeit haben wir dann wieder getroffen."
Auch Julian Brandt hatte an der Leistung seiner Mannschaft nichts auszusetzen: "Ich bin zufrieden, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben. Gegen tiefstehende Gegner war es von uns zuletzt ab und zu rohe Kost. Mit der nötigen Geduld haben wir es bisher aber immer ganz gut hinbekommen.”
Nach dem 2:0 gegen Zenit St. Petersburg, einem eher trostlosen Auftritt, stellte BVB-Coach Favre auf fünf Positionen um. So fehlte unter anderem Erling Haaland aufgrund leichter Knieprobleme, für ihn startete Brandt in der Sturmspitze.
Was uns beim Auswärtssieg von Borussia Dortmund bei Arminia Bielefeld auffiel.
1.) Chronische Schwäche wird zur Stärke
Auf den heimischen Sofas rieben sich die BVB-Fans mit Sicherheit ungläubig die Augen, als Mats Hummels den Ball in der 53. Minute zum 1:0 über die Linie drückte. Nicht, weil er es mit dem Oberschenkel tat, sondern weil dem Tor ein Eckball vorausgegangen war.
Es war bereits das vierte Tor der Dortmunder nach einer Ecke in der erst sechs Spieltage alten Bundesligasaison - und das, obwohl die Harmlosigkeit nach Eckbällen in den vergangenen Jahren eigentlich zum Markenzeichen der Borussen geworden ist. Gegen Freiburg (4:0) hatte Emre Can per Kopf aus sieben Metern getroffen, das Innenverteidiger-Duo Manuel Akanji (nach kurz ausgeführter Variante) und Hummels (per Kopf) waren beim 3:0 im Derby gegen Schalke 04 erfolgreich.
Vor allem Hummels ist für seine Gefährlichkeit bei Standardsituationen bekannt und verleiht dem BVB in der aktuellen Spielzeit eine Qualität, die der Klub schon in der ersten Amtszeit des Vizekapitäns innehatte. Damals trafen mit Neven Subotic und dem gebürtigen Münchner regelmäßig Verteidiger nach Eckbällen.
Die Verantwortlichen um Trainer Lucien Favre werden jedenfalls mit Freude zur Kenntnis nehmen, dass die Mannschaft gegen tief stehende Gegner, denen sie sich in dieser Saison häufig gegenübersieht, ein weiteres Mittel zur Verfügung hat.
2.) Alleskönner Hummels - Prunkstück des BVB
Es war nicht nur das 1:0, das Hummels dem Auswärtssieg in Bielefeld beisteuerte. Auch der zweite Treffer des Nachmittags ging auf das Konto des früheren Nationalspielers. Das dritte Tor in den vergangenen beiden Bundesligaspielen - schon im Revierderby hatte Hummels per Kopf den Endstand markiert.
Hummels befindet sich seit Wochen in Topform, was sich nicht nur in Toren widerspiegelt. Als Abwehrchef beim BVB ist er hauptverantwortlich dafür, dass die Borussia fünf seiner sechs Ligaspiele zu Null gewann. Mit nur zwei Gegentreffern in der laufenden Spielzeit haben die Dortmunder die beste Defensive der Liga.
Doch es ist eben nicht nur der Defensivzweikampf, der Hummels so stark macht, es ist auch sein Spielaufbau. Mit feinem Fuß überspielt er mit dem ersten Pass nicht selten die erste Pressinglinie des Gegners. Er spielt keineswegs nur den einfachen Querpass zum Innenverteidiger-Kollegen oder den Ball über fünf Meter zum entgegenkommenden Sechser - Hummels spielt häufig auch den schwierigen Ball. Trotzdem weist er eine Passquote von 92,8 Prozent aus - ligaweit sind nur Nico Elvedi (96 Prozent) und die Teamkollegen Axel Witsel (96 Prozent) und Manuel Akanji (95,5 Prozent) besser.
Umso bitterer, dass Hummels ausgerechnet vor den so wichtigen Spielen bei Club Brügge (Mittwoch ab 21 Uhr im Liveticker bei Eurosport) und zuhause gegen den FC Bayern (Samstag ab 18:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport) auszufallen droht. Nach seinem Doppelpack in Bielefeld verletzte sich der 31-Jährige am rechten Oberschenkel, humpelte anschließend vom Feld. "Ich hoffe, dass ich das Wettrennen gegen die Zeit gewinne bis Mittwoch", sagte Hummels nach der Partie. "Es hat zugezogen im Oberschenkel. Aber ich habe zum Glück keinen Stich verspürt, was schon mal ein gutes Zeichen ist. Da wird man ein paar Tage dran müssen." Trainer Favre traute sich nur Minuten nach Spielende ebenfalls keine Prognose zu: "Ich kann nichts darüber sagen. Auch der Doc weiß es nicht genau, es ist zu früh, eine Diagnose abzugeben."
Bleibt aus Dortmunder Sicht also zu hoffen, dass Julian Brandt mit seiner Einschätzung recht behält. Auf die Verletzung seines Kollegen angesprochen sagte der Offensivmann gegenüber "Sky": "Dem geht’s gut, der hat zwei Tore geschossen. Er kriegt das schon hin, er hat ein gutes Heilfleisch."
3.) Bellingham empfiehlt sich
Verwunderlich war es angesichts des vollen Terminkalenders der international spielenden Teams nicht, dass auch Vielspieler wie Witsel hier und da aus der Startelf rotieren. Mit Thomas Delaney und Jude Bellingham hat Favre hochkarätige Alternativen im Kader.
Vor allem der junge Engländer empfahl sich gegen Bielefeld für die kommenden Wochen. Zuletzt hatte er nach vier Startelfeinsätzen zu Saisonbeginn (inkl. Pokal) vermehrt von außen zusehen müssen. Bei der bitteren Champions-League-Niederlage im Stadio Olimpico bei Lazio Rom (1:3) nahm ihn Favre nach schwacher Leistung zur Pause runter, im darauffolgenden Derby gegen Schalke blieb der 17-Jährige komplett auf der Bank.
Die Pause scheint dem Youngster gut getan zu haben, denn auf der Alm war er absoluter Aktivposten im Mittelfeld. Ging dem BVB in den vergangenen Partien noch das Tempo in der Zentrale ab, zeigte Bellingham eindrucksvoll, wie gedankenschnelles, effektives Umschaltspiel gegen einen tiefstehenden Gegner funktioniert.
Dortmunds 25-Millionen-Mann hatte die meisten Ballaktionen auf dem Feld (125), gewann zudem fast 54 Prozent seiner Zweikämpfe und leitete viele vielversprechende Angriffe seiner Mannschaft ein.
Beinahe hätte er sich sogar noch mit einem Tor belohnt, doch das Supertalent stand bei seinem Treffer in der 62. Minute im Abseits.
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Favre schwärmt von Doppelpacker Hummels
Quelle: Perform
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