Mats Hummels hatte schon so eine dunkle Vorahnung.
Ob es jetzt unruhig in Dortmund werde, wollte "Sky"-Reporter Martin Groß nach der 1:2-Niederlage am Samstag in Freiburg wissen. "Das wird's, aber das ist nicht schlimm", meinte Hummels nüchtern und klang dabei so, als wäre diese Situation mittlerweile Usus beim BVB.
Und irgendwie ist sie das ja auch. Die Westfalen haben es wieder nicht geschafft, nach zwei Siegen gegen Augsburg und im Pokal in Paderborn eine kleine Serie zu starten. Sie waren auf dem Papier einmal mehr das bessere Team (68% Ballbesitz, 16:6 Schüsse), ohne dabei besonders dominant aufzutreten und den unbedingten Siegeswillen auszustrahlen. Willkommen zurück im Hamsterrad.
Bundesliga
Nach Pleite in Freiburg: BVB-Coach Terzic bekommt Rückendeckung
07/02/2021 AM 18:48
Die hoch veranlagte Offensive blieb 60 Minuten lang dermaßen blass, dass sich Trainer Edin Terzic bis zu diesem Zeitpunkt genötigt sah, gleich drei Spieler auszutauschen.
"Es kann nicht sein, dass ein gerade 16-jähriger in etwas mehr als einer halben Stunde Spielzeit mehr Torschüsse zustande bringt als die etablierten Kräfte", kritisierte Michael Zorc im Gespräch mit den "Ruhrnachrichten".

In Dortmund herrscht Ratlosigkeit

Der eingewechselte Youssoufa Moukoko war tatsächlich der einzige Lichtblick im grauen Breisgau, was nicht gerade für die Dortmunder Führungsspieler spricht.
"Es ist irgendwie ähnlich. Wir verlieren die Spiele immer ähnlich", seufzte Emre Can, der der Mannschaft genau wie Hummels aber keinen Vorwurf machen wollte und stattdessen mit dem Spielglück haderte: "Ich hoffe eines Tages wird sich das ändern."
Aussagen, die angesichts der dritten Auswärtsniederlage in Folge und der bereits achten in der laufenden Bundesliga-Saison tief blicken lassen und den Eindruck bestätigen, der sich bei Fans und Beobachtern schon seit Monaten verfestigt: So wirklich weiß keiner, warum die Mannschaft ihr großes Potenzial nicht dauerhaft abrufen kann. In Dortmund herrscht Ratlosigkeit.
Der gewünschte Effekt durch die Entlassung des stoischen Lucien Favre und die Implementierung des jüngeren und deutlich emotionaleren Edin Terzic, so viel kann man nach acht Wochen sagen, ist nicht eingetreten. Zumindest ist er auf dem Papier nicht erkennbar.

Marwin Hitz (r.) und ein enttäuschte Jude Bellingham

Fotocredit: Getty Images

BVB: Der Terzic-Effekt bleibt aus

Unter dem 38-Jährigen holte die Borussia in neun Spielen nur 13 von 27 möglichen Punkten in der Bundesliga. Vier Siege stehen vier Niederlagen gegenüber. Der schlechteste Wert eines BVB-Trainers seit Bernd Krauss in der Saison 1999/00.
Favre, der 2020/21 mit 1,7 Punkten im Schnitt übrigens besser abschnitt als Terzic (1,4), musste Mitte Dezember gehen, als der BVB auf Platz fünf stand. Fünf Punkte hinter dem FC Bayern. Mittlerweile ist dieser Rückstand auf 16 Zähler angewachsen. Die Saisonziele haben die Schwarz-Gelben längst korrigiert, doch selbst die Qualifikation für die Champions League ist mittlerweile in großer Gefahr.
Der Rückstand auf den Tabellenvierten aus Frankfurt: Vier Punkte. Auf Wolfsburg sind es gar satte sechs Punkte.
Steht nun auch der Interimstrainer und eigentliche "Retter" zur Diskussion? Nein. Zumindest noch nicht.

BVB-Boss halten an Terzic fest

"Es gibt überhaupt keinen Vorwurf an Edin Terzic. Die Leistung muss die Mannschaft bringen", sagte Zorc. Und weiter: "Edin hat heute sehr deutliche Worte gefunden, die Spieler direkt angesprochen und sie in die Pflicht genommen. Ich hoffe, dass allen die Augen aufgehen." "Wir sind davon überzeugt, dass wir es mit Edin packen", sagte Zorc am Montag der "Bild". Ein erneuter Trainerwechsel sei "kein Thema".
Auch Hummels hatte den Trainer am Samstag aus der Schusslinie genommen: "Seitdem Edin da ist, machen wir viele Sachen besser." Was das im Detail sein soll, verriet er nicht.
Auf dem Spielberichtsbogen spiegelt es sich jedenfalls noch nicht wider. Und für den BVB steht zu viel auf dem Spiel, um bedingungslos mit dem sympathischen und eloquenten Terzic die Saison durchzuziehen.

BVB: Die Champions-League-Teilnahme ist alternativlos

Nicht nur finanziell ist man in der komplizierten Corona-Lage auf die Millionen aus der Champions League angewiesen, auch was die Zukunftsplanung angeht.
Erling Haaland soll mindestens noch eine Saison gehalten werden, Marco Rose im Sommer als neuer Cheftrainer verpflichtet werden. Beide lassen sich sicher nicht mit der "Trumpfkarte" Europa League überzeugen.
Den Profis ist das durchaus bewusst. Die Königsklasse sei "das Mindeste, was wir erreichen müssen. Das wissen wir", so Hummels.
Ob eine Alternativlösung zu Terzic, also quasi der Feuerwehrmann für den Feuerwehrmann, die Probleme in den Griff bekommen würde, ist derweil völlig ungewiss. Matthias Sammer, der aktuell als Berater des BVB-Managements tätig ist, hat das im Jahr 2000 mal geschafft. Unter anderen Umständen zwar, aber das nur nebenbei.
Für Dortmund bleibt zu hoffen, dass die Bosse bei Terzic nicht irren und im Sommer vor einem großen Scherbenhaufen stehen.
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