BVB - FC Bayern: Haaland und Lewandowski im großen Vergleich
Am Samstag kommt es zum Bundesliga-Topspiel zwischen dem BVB und dem FC Bayern München. Dabei treffen nicht nur der Tabellenerste und der Tabellenzweite aufeinander, sondern mit Robert Lewandowski und Erling Haaland auch die beiden vielleicht formstärksten Mittelstürmer der Welt. In einigen Kategorien macht der BVB-Youngster Europas Fußballer des Jahres bereits Konkurrenz. Der große Vergleich.
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Erling Haaland war sichtlich irritiert.
"Du nimmst keine Freundin mit nach Hause, oder?", wollte ein Reporter des US-amerikanischen Sender "CBS Sports" nach dem 3:0-Sieg des BVB beim FC Brügge wissen.
Damit spielte der Journalist keineswegs auf Haalands Liebesbeziehungen an, sondern auf ein Interview aus dem November 2019, in dem der Norweger erzählt hatte, dass er die Bälle nach einem erzielten Hattrick immer mit nach Hause und sogar mit ins Bett nehme. "Sie sind meine Freundinnen", sagte er damals.
Knapp ein Jahr später erinnerte sich Haaland daran offenbar nicht mehr und verließ nach der Frage verwundert die Mixed Zone, gut geschlafen haben dürfte der 20-Jährige in dieser Nacht aber trotzdem. Zwar ohne "Freundin", aber zumindest mit zwei Treffern und einer Menge Selbstvertrauen im Gepäck für das anstehende Topspiel gegen den FC Bayern München (Samstag, 18:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de).
Haaland vs. Lewandowski: Das Duell der Super-Neuner
Der Bundesliga-Gipfel ist nicht nur das Aufeinandertreffen des aktuellen Tabellenführers und des Tabellenzweiten, sondern auch der beiden besten Torjäger Deutschlands, wenn nicht gar Europas.
Robert Lewandowski, Europas Fußballer des Jahres, der unter der Woche ebenfalls einen Doppelpack in der Königsklasse gegen Salzburg verbuchen konnte (6:2), trifft auf Haaland, den aufstrebenden und unglaublich abgebrühten Jungstar, der trotz zwölf Jahren Altersunterschied bereits immer wieder mit Bayerns Tormaschine verglichen wird.
Eurosport.de wirft vor BVB vs. Bayern einen Blick auf die beiden Stürmer und erklärt, in welchen Kategorien Haaland noch von Lewandowskis Level entfernt ist und wo er dem Polen bereits Konkurrenz macht.
Quote und Beständigkeit
Wer dachte, Lewandowski könne nach seiner absoluten Monster-Saison 2019/20 (wettbewerbsübergreifend 55 Tore) nicht mehr besser werden, den belehrt der 32-Jährige aktuell eines Besseren. Bereits nach fünf Spieltagen stand der Bayern-Stürmer bei zehn Treffern. Kein Spieler in der langen Historie des deutschen Oberhauses erzielte bis zu diesem Zeitpunkt mehr Tore.
Wettbewerbsübergreifend schoss Lewandowski in der noch jungen Spielzeit sogar zwölf Tore (69,4 Minuten/Tor). Da kann selbst Haaland mit zehn Treffern (77,5 Minuten/Tor) nicht mithalten.
Auch im direkten Aufeinandertreffen der beiden Teams hat Lewandowski dem Norweger einiges voraus. Unglaubliche 16 Tore gelangen dem Bayern-Stürmer in zwölf Bundesliga-Duellen mit seinem Ex-Klub, allein in den vergangenen sieben Aufeinandertreffen traf er zwölf Mal. Haaland netzte in seinen beiden Auftritten gegen den FC Bayern (DFL-Supercup einberechnet) einmal.
Es ist die unglaubliche Beständigkeit, die sich Lewandowski über die Jahre erarbeitet hat, die ihn (aktuell noch) auf ein anderes Level als den Norweger hebt. Während Haaland beispielsweise nach seinem furiosen Start in Dortmund (kam im Januar 2020) zum Saisonendspurt ein bisschen die Puste ausging ("nur" vier Tore in den letzten elf Saisonspielen), machte der Pole unaufhaltsam weiter (neun Tore in dieser Zeitspanne).
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Bollwerk gegen Bayerns Offensiv-Power: Topfakten zum Kracher
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Potenzial
Vergleicht man den 20-jährigen Haaland dagegen mit dem "jungen" Lewandowski, sieht die Sache etwas anders aus.
"Lewy kam damals als großes Talent zu uns. Haaland ist dagegen bereits auf einem sehr hohen Niveau in Dortmund angekommen - und mit einem ganz anderen Renommee als Lewandowski damals", sagte Sebastian Kehl, Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung, jüngst dem "Kicker".
Im Gegensatz zum damals 19-jährigen Haaland wagte Lewandowski erst mit 22 Jahren den Schritt in die Bundesliga, tat sich in seiner Debütsaison 2010/11 neben Sturmpartner Lucas Barrios sehr schwer. Nach seinen ersten 20 Liga-Spielen konnte der Pole "nur" fünf Tore verbuchen, spielte jedoch häufig auch als hängende Spitze bzw. Zehner. Haaland liegt nach der gleichen Anzahl bei unglaublichen 18.
Das Potenzial des Norwegers ist enorm, womöglich sogar größer als das von Lewandowski. Ob er es im Laufe seiner Karriere jedoch komplett ausschöpfen wird, bleibt abzuwarten.
Wer ist der komplettere Stürmer?
Während Haaland besonders mit seiner Dynamik, seinem Tempo (Bundesliga-Topspeed 35,2 km/h) und seinen Läufen in die Tiefe begeistert, bringt Lewandowski das komplettere Paket mit.
Der Pole (32 km/h) ist zwar langsamer, trifft aber dafür mit links, rechts und dem Kopf (fast 16% seiner BL-Treffer). Das Spiel des jungen BVB-Knipsers dagegen weist deutlichere Schwächen auf. Trotz seiner 1,94 Meter Körpergröße (Lewandowski 1,84 Meter) erzielte er bislang nur einen Kopfballtreffer in der Bundesliga für Dortmund, ist außerdem noch zu abhängig von seinem gefährlichen linken Fuß.
Routinier Lewandowski spielt zudem mannschaftsdienlicher. Das zeigte sich besonders in den K.o.-Spielen der Champions League 2019/20, als der 32-Jährige mit sechs Vorlagen ab dem Achtelfinale als Assistgeber sogar noch wichtiger war denn als Vollstrecker (fünf Tore).
In Sachen Ehrgeiz und Professionalität steht Haaland dem Bayern-Stürmer dagegen in Nichts nach. Sein in jeder Situation erkennbarer Wille ist für einen 20-Jährigen beeindruckend, selbst wenn BVB-Boss Hans-Joachim Watzke auch in dieser Kategorie Lewandowski vorne sieht ("Er ist der Profi schlechthin"/"Sport BILD").
Was sagen die Experten?
Dass Lewandowski aktuell der bessere Stürmer ist, bezweifelt niemand. Bei der Frage, ob Dortmunds Shooting-Star einmal so gut wie der Pole werden kann, gehen die Meinungen aber auseinander.
"Für mich ist Lewandowski aktuell das Maß aller Dinge auf der Mittelstürmer-Position. Ich denke nicht, dass Haaland irgendwann besser sein wird als der Bayern-Knipser. Das ist kaum möglich", erklärte beispielsweise HSV-Legende Uwe Seeler gegenüber der "BILD".
Weltmeister Pierre Littbarski hingegen, der selbst 116 Tore in der Bundesliga erzielte, glaubt, dass Haaland "sogar besser werden kann. Er ist in jungen Jahren schon stärker, als es Lewandowski in diesem Alter war".
Bayerns Tormaschine selbst zählte Haaland jüngst in einem Ranking noch nicht zu den in seinen Augen besten fünf Neunern weltweit (sich selbst ausgeschlossen).
Am Samstag kann ihn der 20-Jährige persönlich vom Gegenteil überzeugen - und bei einem besonders guten Tag sogar am Abend eine "neue Freundin" mit ins Bett nehmen.
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