Bilder sind mächtig. Nicht nur in Politik oder Wirtschaft, sondern auch im Sport.
Das konnte man beispielsweise vergangene Woche beobachten, als die norwegische Fußball-Nationalmannschaft vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar mit einer Trikotaktion auf die Ausbeutung der Gastarbeiter in Katar aufmerksam machte und damit ein mediales Echo samt Nachahmern (u.a. das DFB-Team) auslöste.
Und man konnte es auch in dieser Woche wieder beobachten. Denn am Donnerstagmorgen reichten zwei Männer, die sich vom Ausgang des Flughafens Barcelona-El Prat in eine schwarze Mercedes-Limousine begaben, um die Fußball-Welt in helle Aufregung zu versetzen.
Bundesliga
"Finale" gegen Frankfurt: BVB kämpft um 30 Millionen Euro - und Haaland
01/04/2021 AM 14:23
Die Rede ist von Alf-Inge Haaland und Mino Raiola, Vater und Berater von Borussia Dortmunds Superknipser Erling Haaland, die von einem "Vertrauten" von Joan Laporta, dem neuen alten Präsidenten des FC Barcelona, in Empfang genommen wurden. So zumindest berichtete es die "Sport", verschiedene spanische Medien und Journalisten bestätigten die Meldung später. Wohin die Reise ging, war nicht schwer zu erahnen.
Gleichbedeutend mit einem Wechsel des jungen Norwegers nach Katalonien ist dieses Treffen, das laut dem bestens vernetzten Transferinsider Fabrizio Romano "positiv" verlief, freilich nicht. Es bestätigt aber, was sich in den vergangenen Tagen angedeutet hat.
Das große Schachern um Haaland hat begonnen.

Raiola in Barcelona: Das bezweckt die Haaland-Seite

Schon Anfang der Woche hatte Haaland-Berater Raiola in einem Interview mit "The Athletic" für Aufsehen gesorgt, in dem er den Wechsel seines Klienten im Januar 2020 nach Dortmund hinterfragte.
"Bei Haaland hat sich jeder geirrt. Er hat alles so viel schneller bewältigt als jeder es gedacht hatte. Haaland ist in Sachen persönlicher Entwicklung seiner Zeit voraus", meinte der 53-Jährige und öffnete damit den Wechselspekulationen Tür und Tor.
Laut dem spanischen Fernsehsender "Cuarto" habe Haaland dem BVB sogar bereits mitgeteilt, dass er den Verein im Sommer verlassen möchte. Nun das Treffen in Barcelona.
Die Zeichen für einen Abgang aus Dortmund, so scheint es zumindest, verdichten sich.
Was Raiola und Haaland Senior derweil mit dem Treffen bezwecken wollten, liegt auf der Hand. Der norwegische Wunderknabe soll ins Schaufenster gestellt werden, alle Zukunftsoptionen öffentlichkeitswirksam ausgelotet werden. Dafür spricht, dass sich die beiden Protagonisten nicht wirklich Mühe gaben, am Flughafen unerkannt zu bleiben.
Glaubt man Medienberichten aus den vergangenen Monaten, ist Barça nämlich bei Weitem nicht der einzige Top-Klub, der um die Gunst des 20-Jährigen buhlt. Real Madrid und Manchester City galten bislang als Favoriten auf einen Transfer. Laut Insider Romano hat Raiola in dieser Woche noch weitere Treffen geplant. Noch am Abend sei der Haaland-Tross nach Madrid gereist.
Haalands Vertrag in Dortmund läuft noch bis 2024. Dem Vernehmen nach kann er aufgrund einer Ausstiegsklausel im Sommer 2022 für 75 Millionen Euro gehen. Wollen die europäischen Granden bis dahin nicht warten – und danach schaut es aktuell aus – dann müssen sie zahlen. Und wie jeder weiß: je größer die Nachfrage, desto höher der Preis. Beziehungsweise in diesem Fall das angestrebte Gehalt.

Barça und Haaland: Laporta in der Zwickmühle

Dass Barça als erster Klub bei der Haaland-Delegation vorfühlen durfte, überrascht derweil. Ende Januar waren noch erschreckende Zahlen rund um die Blaugrana in den Medien aufgetaucht. Die Verbindlichkeiten des stolzen Klubs sollen sich auf über eine Milliarde Euro belaufen. Auf den ersten Blick erscheinen Zugänge der Größenordnung Haaland völlig unrealistisch, zumal der BVB erst ab einer Summe von 180 Millionen Euro gesprächsbereit sein soll.
Doch Laporta sitzt in der Zwickmühle: Im Wahlkampf hat der 58-Jährige nämlich offensiv damit geworben, Lionel Messi um jeden Preis in Barcelona halten zu wollen. Ein schwieriges Unterfangen, wollte der sechsmalige Weltfußballer den Klub doch im vergangenen Sommer noch unbedingt verlassen. Und eines, das an Bedingungen geknüpft ist.
Laut Informationen von Insider Fermín de la Calle von Eurosport in Madrid verlangt Messi vier Dinge. Ein wettbewerbsfähiges Team, das um Titel mitspielen kann. Mehr Möglichkeiten für junge Spieler aus der Akademie La Masia. Eine bessere Kommunikation mit Trainer Ronald Koeman und Laporta selbst. Und: Top-Neuzugänge à la Haaland.
Dennoch müsste sich Barça für einen derartigen Transfer wohl von namhaften Spielern wie beispielsweise Antoine Griezmann oder Ousmane Dembélé trennen. Anders ist ein ernsthafter Vorstoß bei Haaland kaum vorstellbar.
Ein erstes Angebot beim Treffen mit Raiola und Haalands Vater soll es übrigens nicht gegeben haben.

BVB will Haaland halten – doch zu welchem Preis?

Ohnehin hat das letzte Wort bei all den Spekulationen um den jungen Torjäger, der in seinen insgesamt 49 Pflichtspielen für Dortmund 49 Treffer erzielt hat, immer noch der BVB. Und der will Haaland dem Vernehmen nach im Sommer unbedingt halten.
"Ich habe gestern noch mit Raiola gesprochen. Wir haben unsere Intention klar gemacht", wird Sportdirektor Michael Zorc von "Sky" zitiert.
Angesichts der Wichtigkeit des Norwegers für den Teamerfolg würde ein Abgang die Westfalen hart treffen. Nicht auszumalen, wo der Verein, der aktuell auf Platz fünf in der Bundesliga rangiert und um die erneute Qualifikation für die Champions League bangt, ohne die 33 Haaland-Treffer in der laufenden Saison stehen würde.
Bei einem Angebot jenseits der 150-Millionen-Euro-Marke dürfte aber selbst der BVB den Hörer abnehmen. Immerhin mussten auch die Schwarz-Gelben Millionen-Verluste aufgrund der Corona-Pandemie hinnehmen.
Die Bilder aus Barcelona werden an den Verantwortlichen aus Dortmund auf jeden Fall nicht spurlos vorbeigegangen sein.
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