"Es ist der strategisch sinnvollste und logische Zeitpunkt. Wir schreiben das Ende des Geschäftsjahres, zugleich beginnt ein neuer Abschnitt mit einem neuen Trainergespann", erklärte Karl-Heinz Rummenigge am Dienstag seinen vorzeitigen Abschied.
Für den Noch-Vorstandsboss der Münchener sei dies eine Entscheidung "im Sinne der Zukunft des FC Bayern". Ab 1. Juli 2021 übernimmt Oliver Kahn den Posten.
Man habe "einen umsichtigen Übergang" geplant und dieser sei nun "endgültig vollzogen" worden, betonte Rummenigge.
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Mit dem Abschied des 65-Jährigen, der seit 30 Jahren als Verantwortlicher im Verein tätig ist, steht im Sommer beim FC Bayern ein Umbruch auf allen Ebenen an.

Großer Umbruch beim FC Bayern

Denn nach dem Weggang von Chefcoach Hanis Flick sowie den Co-Trainern Hermann Gerland und Miroslav Klose gibt es alleine im Trainerstab große Veränderungen. Julian Nagelsmann kommt von RB Leipzig und soll die Erfolge der Münchener weiterführen. Auch im Kader verabschieden sich einige prägende Figuren, allen voran David Alaba, der ab Sommer bei Real Madrid spielt.
Und nun also auch auf der operativen Ebene, womit der Generationenwechsel an der Spitze der Münchener bald abgeschlossen sein wird. Präsident Uli Hoeneß hatte sich bereits 2019 zurückgezogen, als Mitglied des Aufsichtsrats ist er zumindest noch im Hintergrund tätig.
Rummenigge leitete 30 Jahre lang die Geschicke des FC Bayern, zunächst von 1991 bis 2002 als Vizepräsident und seither als Vorstandsvorsitzender. Zudem hört der 65-Jährige in einer Phase auf, welche zu den sportlich erfolgreichsten Abschnitten des Rekordmeisters zählt. "Neuer Trainer, neue Saison, neuer Vorstandschef - das ist ein sauberer Schnitt. Mir war ganz wichtig zu gehen, solange es schön ist", erklärte Rummenigge im "Bild"-Interview.
In den vergangenen zwölf Monaten gewannen die Münchener sieben Titel, darunter zwei Mal die Meisterschaft sowie die Champions League. Einem möglichen Stotterstart nach dem Umbruch entgeht Rummenigge damit in jedem Fall.
Dieser Umbruch mache ihm allerdings keine Sorgen: "Ich meine das nicht negativ, aber wir alle sind am Ende ersetzbar, das gilt für Spieler und Trainer genau wie für mich. Es wird etwas Neues entstehen, und der FC Bayern wird weiter Erfolg haben."

Präsident Herbert Hainer als Mentor?

Oliver Kahn übernimmt somit schon in wenigen Wochen und nicht wie ursprünglich geplant im Januar 2022. Seit eineinhalb Jahren wird der ehemalige Profi auf seine neue Rolle vorbereitet. Bei den Verhandlungen mit Nagelsmann hielt Kahn bereits die Fäden in der Hand. Während sich Rummenigge in den vergangenen Monaten schon merklich zurückhielt, übernahm Präsident Herbert Hainer die öffentlichen Statements, etwa in den Vertragspokern um Alaba und Jérôme Boateng.
Auch in nächster Zeit könnte Hainer, der als langjähriger Vorstandsvorsitzender von Adidas viel Erfahrung in der Geschäftswelt besitzt, Kahn noch unter seine Fittiche nehmen und in einer Art Mentorenrolle an die neue Aufgabe heranführen.
Für Salihamidzic wiederum dürfte es in nächster Zeit etwas ruhiger werden, denn Rummenigge galt als letzter großer Kritiker des 44-Jährigen im Verein. Ein Streitpunkt soll zuletzt etwa die Trennung von Jérôme Boateng gewesen sein, bei der Rummenigge andere Vorstellungen hatte als Salihamidzic. Vor allem Hoeneß zählte von Beginn an zu den Befürwortern des Ex-Profis. Salihamidzic wurde 2017 zunächst als Sportdirektor eingestellt, seit Juli 2020 ist er Sportvorstand.
In der "Bild" äußerte sich Rummenigge zur öffentlichen Kritik am 44-Jährigen: "Was die Transfers betrifft, hat er sich selbst die Messlatte manchmal vielleicht etwas zu hochgelegt. Ich muss ihn da auch in Schutz nehmen, denn Uli Hoeneß und ich hatten auch nie eine 100-Prozent-Quote bei den Transfers. Außerdem kommt mit Nagelsmann jetzt 'sein' Trainer. Das wird seine Position stärken."

Sollen den FC Bayern München an der Spitze in der Zukunft führen: Oliver Kahn (rechts) und Hasan Salihamidzic

Fotocredit: Getty Images

Oliver Kahn interpretiert Job neu

Kahn, der neue große Mann beim FC Bayern, muss also endgültig die Geschicke der Münchener leiten. Im vergangenen halben Jahr gab es von ihm bisher wenige öffentliche Äußerungen. Der 51-Jährige hielt sich an die Rangordnung, solange Rummenigge noch im Amt war.
Bald muss sich Kahn aber schon ein eigenes Profil zulegen. Unter anderem mit dem Zukunftsprojekt "FC Bayern AHEAD", das in seiner Verantwortung liegt, will er dies schaffen. Der ehemalige Torhüter meinte bei der Vorstellung im vergangenen Herbst, mit dem Strategieprojekt "sollen die Stärken des FC Bayern ausgebaut und ganz gezielt Verbesserungspotenziale ausgeschöpft werden. Wir brauchen eine ganzheitliche Klubstrategie, die Komplexität reduziert und Orientierung gibt."
Kahn fühlt sich bereit, die Verantwortung zu übernehmen. "Ich habe in den vergangenen 18 Monaten alle Facetten des Vereins kennengelernt und weiß sehr genau, wie der FC Bayern funktioniert und welche Herausforderungen auf uns zukommen. Ich bin mir der Aufgabe und der damit verbundenen Verantwortung bewusst und freue mich sehr darauf", erklärte der 51-Jährige am Dienstag im Statement des FC Bayern.
Die Zeit wird zeigen, wie Kahn seine neue Rolle als Vorstandsvorsitzender interpretiert. Die Ära Hoeneß/Rummenigge geht in jedem Fall in knapp vier Wochen zu Ende.
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