Borussia Dortmund - Vom Schlendrian zum Boss: Warum der BVB bei Manuel Akanji aufpassen muss
Manuel Akanji verfügte schon immer über enorme Qualitäten, in der Vergangenheit hatte der Schweizer aber stets mit Leistungsschwankungen zu kämpfen. Mittlerweile hat er seine größte Schwäche, nämlich fehlende Konstanz, in den Griff bekommen und sich zum Abwehrboss beim BVB gemausert. Dementsprechend könnten schon bald lukrative Angebote winken. Dortmund dürfte gewarnt sein.
Manuel Akanji von Borussia Dortmund
Fotocredit: Getty Images
Manuel Akanji dürfte den Abend des 17. August dieses Jahres in schmerzlicher Erinnerung behalten haben. Zehn Minuten nachdem Marco Reus im deutschen Supercup gegen den FC Bayern wieder für Hoffnung gesorgt hatte, unterlief dem Schweizer ein folgenschwerer Patzer: Akanji verlor den Ball gänzlich ohne Not an Corentin Tolisso, Robert Lewandowski nahm die Kugel auf und hatte in der Folge keinerlei Probleme, sie an BVB-Keeper Gregor Kobel vorbeizuschieben. 1:3 aus Dortmunder Sicht, der erste kleine Titel der neuen Saison futsch.
Es war eine dieser Aktionen, die Akanji in der Vergangenheit in leidvoller Regelmäßigkeit einbaute. Bei den Fans hatte er dementsprechend einen schweren Stand, gänzlich unumstritten war der 26-Jährige seit seinem Wechsel vom FC Basel im Jahr 2018 nie. Wie sehr sich die Zeiten ändern können, wie schnelllebig das Fußball-Geschäft ist, stellte Akanji seit besagtem Patzer gegen den Rekordmeister aber eindrucksvoll unter Beweis.
Binnen zweieinhalb Monaten mauserte sich der Nationalspieler zum Sinnbild der Konstanz – und somit zum Abwehrchef der Schwarz-Gelben. Eine Rolle, die für gewöhnlich Routinier Mats Hummels innehatte.
Akanji glänzt dieser Tage mit sämtlichen Qualitäten, die ein kompletter, moderner Innenverteidiger benötigt: Zweikampfstärke, Schnelligkeit, gutes Stellungs- und Aufbauspiel. Nach Ballmagnet Joshua Kimmich ist der Defensivmann der Bundesligaspieler mit den meisten Ballaktionen (durchschnittlich 93 pro Spiel), als einziger Dortmunder kam Akanji in allen Ligapartien über die volle Distanz zum Einsatz, auch in allen drei Champion-League-Begegnungen stand er jeweils 90 Minuten auf dem Platz. Ein Indiz dafür, wie unersetzlich er für Trainer Marco Rose ist.
Im Duell mit dem 1. FC Köln zuletzt war er einer der Garanten dafür, dass Dortmund erstmals in dieser Spielzeit eine weiße Weste wahrte. Sechs klärende Aktionen, die beste Passquote aufseiten der Gastgeber (knapp 90 Prozent) dienen beispielhaft für eine weitere tadellose Darbietung. Akanji tritt merklich souveräner auf, spielt mit einem beeindruckenden Selbstverständnis. Die Leistungsexplosion führte jüngst zu Lobeshymnen – und Mutmaßungen, zu welchen Klubs Akanji passen könnte.
Chiellini schwärmt - und lockt Akanji zu Juventus
"Ich war schon immer von Akanji fasziniert, da er immer noch mehr geben kann", sagte Juventus-Star und Europameister Giorgio Chiellini, selbst einer der besten Innenverteidiger der vergangenen Jahre, vor rund einem Monat auf einer Presserunde. Er ergänzte: "Meiner Meinung nach nähert er sich dem richtigen Alter, um wirklich seinen Höhepunkt zu erreichen." Zudem machte Chiellini noch eine augenzwinkernde Anmerkung: "Wenn ich den Ruhestand gehe, wird bald eine Stelle (bei Juventus, Anm. d. Red.) frei. Es wird also Platz geben." Akanji als Chiellini-Erbe? Durchaus vorstellbar.
Akanji reagierte geehrt auf die Schwärmerei: "Das schätzt man natürlich sehr von einem Mann, der so unglaubliche Leistungen gezeigt hat", sagte Akanji. "Es ist wohltuend und eine Bestätigung für das, was man gemacht hat in den letzten Monaten und Jahren. Es hält mich aber nicht davon ab, mich weiter täglich zu verbessern."
Wechsel zu Top-Klub? "Ich traue es ihm zu, er hat alle Qualitäten"
Akanjis Landsmann Stéphane Henchoz stimmte Chiellini zu. "Ich bin nicht überrascht, was Chiellini gesagt hat", erklärte der ehemalige Profi des FC Liverpool und schob nach: "Er hat einfach international noch nicht den Namen, weil er nur in Dortmund spielt. Er ist der vielleicht einzige Schweizer, der in den Top Ten spielen kann eines Tages. Liverpool, Bayern, Manchester City oder United, Barcelona oder Real. Ich traue es ihm zu, er hat alle Qualitäten."
Tatsächlich sollte Dortmund gewarnt sein, die europäischen Schwergewichte könnten sich in nicht allzu ferner Zukunft um Akanjis Dienste bemühen. Wie die "Bild-Zeitung" und die "Ruhr Nachrichten" im April übereinstimmend berichteten, soll schon 2019 im Geheimen eine Vertragsverlängerung stattgefunden haben. Akanjis ursprüngliches Arbeitspapier war bis 2022 gültig, mittlerweile besitzt er einen Kontrakt bis 2023. Ein Umstand, der den BVB in eine vermeintlich bequeme Situation bringt.
Mit Blick auf die aktuelle Form wäre es jedoch nicht überraschend, sollten die Verantwortlichen bereits an einer erneuten Ausdehnung des Vertrags arbeiten. Jahrelang galt die Innenverteidigung als größte Baustelle, zu Beginn des Jahres wurde Akanji medial sogar als Verkaufskandidat gehandelt, weil er die hohen Erwartungen nicht erfüllt habe. Nun ist auf der einstigen Problemposition Konstanz eingekehrt. Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und Co. dürften ein gesteigertes Interesse daran haben, dass dies weiterhin so bleibt.
Kann Dortmund Akanji halten oder zieht es ihn ins Ausland? Er selbst verriet jedenfalls vor einiger Zeit, bei welchem Verein er idealerweise anheuern wollen würde. "Seit meiner Kindheit ist mein Lieblingsklub Manchester United. Dort würde ich gerne einmal spielen", sagte er in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung".
Der BVB wird etwas dagegen haben.
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