Anfang August: Borussia Dortmund hatte eine verhältnismäßig mühsame Vorbereitung auf die neue Saison abgeschlossen, mit Wehen Wiesbaden wartete im DFB-Pokal der erste Pflichtspielgegner. Viele verletzungsbedingte Fragezeichen in der Defensive, eine noch nicht vollumfänglich geklärte Sancho-Nachfolge beschäftigten Neu-Trainer Marco Rose seinerzeit. Eine Position, auf der vermeintlich Klarheit herrschte, war ebenjene zwischen den Pfosten.
Rund 15 Millionen Euro hatte der BVB für Gregor Kobel an den VfB Stuttgart überwiesen und damit binnen weniger Jahre bereits den dritten Schweizer Torhüter nach Dortmund gelotst. Fürwahr ein Kuriosum, jedoch sollte in Roman Bürki schon bald ein Landsmann das Weite suchen. So zumindest der Plan.
Allerdings zeichnete sich recht früh ab, dass sich das Vorhaben nicht allzu leicht gestalten würde. Immer wieder rankten sich Gerüchte um etwaige Abnehmer für Bürki, quasi monatelang blieb ein Abgang zwar bildsprachlich in Ton geritzt, aber wurde nie in Stein gemeißelt. Apropos: Rose überraschte im Vorfeld des Duells mit Wiesbaden mit besagter Metapher.
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"Wenn wir Gregor Kobel holen, dann als Nummer eins", erklärte der ehemalige Gladbach-Coach. Er schob allerdings nach: "Aber das ist nicht in Stein gemeißelt. Er muss zeigen, dass das Trikot nicht zu schwer ist. Die anderen Jungs machen von hinten Druck."

"Monster" Kobel setzt sich als Nummer eins durch

Gemeint waren Marwin Hitz, der sich eigentlich mit seiner Rolle als Ersatzmann abgefunden zu haben schien, sowie Bürki, der Abwanderungswillige. Das Duo mache Rose die Entscheidung "nicht leicht". Also doch keine Klarheit im Dortmunder Kasten, obwohl man sich mit dem Kobel-Deal genau das erhofft hatte? Der 23-Jährige Neuzugang, der von seinem ehemaligen Trainer Pellegrino Matarazzo als "Monster" geadelt wurde, durfte – wie erwartet – in der hessischen Landeshauptstadt starten, wahrte die Weiße Weste und räumte seinen Posten seither nicht mehr.
Bereits drei Wochen später, Dortmund gewann dank eines Last-Minute-Treffers von Erling Haaland gegen Hoffenheim, untermauerte Kobel eindrucksvoll, warum die Verantwortlichen in ihm eine langfristige Lösung sehen. Er entschärfte gleich mehrere brenzlige Situationen, behielt in Eins-gegen-Eins-Situationen die Oberhand und wusste sowohl im Stellungs- als auch im Aufbauspiel zu überzeugen. Also in den Bereichen, in denen seine beiden Nebenbuhler in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mit extremen Schwankungen zu kämpfen hatten.

Gregor Kobel glänzte gegen die TSG 1899 Hoffenheim

Fotocredit: Getty Images

Kobel gilt als Sprachrohr, er leitet seine Vorderleute an, weist sie bisweilen lautstark zurecht. Schon in jungen Jahren wartete der gebürtige Züricher mit enormem, teils übertriebenem Ehrgeiz auf, wie seine Weggefährten und Kobel selbst unlängst verrieten: "Vor allem sein Selbstbewusstsein und der unbedingte Wille, das Tor zu verteidigen", habe Kobel von Kindesbeinen an ausgezeichnet, erklärte Patrick Foletti, Torwart-Trainer der Schweizer Nationalmannschaft und Kobels Jugendcoach, im Gespräch mit "Goal" und "SPOX". Er ergänzte: "Er war damals schon extrem fokussiert – für einen Zwölfjährigen vielleicht sogar zu ehrgeizig." Kobel bestätigte den Eindruck im "Blick": "Mein Ehrgeiz verleitet mich manchmal dazu, zu viel zu wollen. Dadurch kann ich nicht immer unbeschwert mein ganzes Potenzial abrufen."

Kobel will "Level von Neuer" erreichen

Dass er nichts von seinen Ambitionen eingebüßt hat und weiterhin nach Perfektion strebt, stellte er zuletzt im Interview mit der "Sport Bild" unter Beweis. Obwohl er sich "noch nicht mit Manuel Neuer vergleichen" wolle, erklärte Kobel: "Natürlich ist es mein Ziel, das Level von Neuer in Zukunft zu erreichen. Aber bis dahin muss ich noch einiges leisten." Ein Karriereplan, den man gegebenenfalls als utopisch, aber immerhin auch als intentional bewerten darf. Kobel macht derzeit jedenfalls keine Anstalten, seinen Konkurrenten Angriffsfläche zu bieten.
Das Stichwort, um den Fokus auf Bürki zu richten. Seit Dienstagabend ist klar: Der vormalige Stammtorhüter, der mittlerweile hinter Kobel und Hitz nur noch dritte Wahl ist, zuletzt nicht einmal die Bank, sondern die Tribüne drückte, wird bleiben. Kurz vor Ende der Transferfrist soll Bürki noch ein Leih-Angebot des FC Basel abgelehnt haben, ein Engagement bei der AS Monaco, das einige Zeit im Raum stand, war schon vorher geplatzt, auch ein Wechsel zu Atlético Madrid kam nicht zustande.

Gregor Kobel (l.) und Roman Bürki

Fotocredit: Imago

"Mit der Kobel-Verpflichtung hat Roman entschieden, dass er eine neue Herausforderung sucht", sagte BVB-Boss Michael Zorc mit Blick auf einen Verbleib Bürkis bei "Sky": "Roman hat hier keine goldenen Löffel geklaut. Er war jahrelang unsere Nummer eins und wenn sich kein Transfer darstellen lässt, dann bleibt er Mitglied unseres Kaders." Ein deutliches Statement, das vermittelt: Bürki hat sich während seiner Zeit, selbst nachdem er von Edin Terzic degradiert wurde, stets tadellos verhalten, nie den Stinkstiefel gemimt.

Hohes Gehalt und Perspektivlosigkeit: BVB und Bürki in der Zwickmühle

Ein löbliches, ein nicht selbstverständliches Gebaren. Dennoch befinden sich Verein und Bürki in einem Dilemma. Dortmund hatte den ehemaligen Freiburger erst im Juni vergangenen Jahres mit einem frischen Vertrag bis 2023 ausgestattet, der ihm ein jährliches Salär von rund fünf Millionen Euro einbringen soll. Weder Kobel noch Hitz liegen in derartigen Gehaltssphären, kurioserweise verdient also der Letztplatzierte in der aktuellen Torwart-Hierarchie das meiste Geld. Geld, das die Schwarz-Gelben gerne eingespart hätten.
Darüber hinaus befindet sich Bürki mit gerade einmal 30 Jahren im besten Torhüter-Alter. Er mag sich in der Vergangenheit den einen oder anderen Patzer erlaubt haben, allerdings stand zu keinem Zeitpunkt außer Frage, dass er nicht über gehobene Bundesliga-Qualität verfügt. Vielleicht nicht die Klasse, die den großen Ansprüchen der Westfalen langfristig gerecht wurde, aber immerhin so viel Potenzial, um mindestens bei einem Klub aus dem oberen Mittelfeld anzuheuern.
Die Gründe, warum es nicht zu einem Wechsel kam, sind nicht offiziell überliefert. Bürki Ambitionslosigkeit vorzuwerfen oder gar eine Nassauer-Attitüde zu unterstellen, wäre also vermessen. Er hat sich während seiner Zeit in Dortmund immer in den Dienst der Mannschaft gestellt und wird dies voraussichtlich auch weiterhin tun, ohne Zwietracht innerhalb des Teams zu sähen.
Es wäre dennoch allen Seiten zu wünschen, dass sich im Winter ein adäquater Ausweg aus der Zwickmühle ergibt – am Ehrgeiz-"Monster" Kobel ist in naher Zukunft kein Vorbeikommen.
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