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Der LIGAstheniker: Bayern München ist die Mogelpackung des Jahres - die Bundesliga-Awards der Saison 2021/22
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Publiziert 16/05/2022 um 13:12 GMT+2 Uhr
Die Bundesliga-Saison 2021/22 ist vorbei und was bleibt, ist ein fader Beigeschmack. Der Ligabetrieb selbst steht letztlich als großer Verlierer dar, während sich der Abo-Meister aus München als die wohl größte Mogelpackung im deutschen Oberhaus erwies. Der LIGAstheniker vergibt nach einer eigenartigen Spielzeit die Bundesliga-Awards - und verrät, warum die Trainer der Lichtblick der Saison waren.
Der FC Bayern bei der Meisterfeier am Marienplatz
Fotocredit: Getty Images
Liebe FußballfreundInnen,
ich war mal wieder so frei und habe die LIGAstheniker-Awards verteilt am Ende einer Saison, die lange Zeit von sich selbst gelangweilt war. Hier also Gewinner und Verlierer 2021/22:
Verlierer des Jahres: Die Liga an sich
Um mit dem Wichtigsten zu beginnen: Der größte Verlierer der Saison ist diesmal die Bundesliga selbst. Eine Liga, die erst in den letzten fünf Minuten der regulären Spielzeit plus Nachspielzeit am allerletzten Spieltag, also dem 34., so etwas wie Spannung erzeugt, hat seinen Auftrag nicht verstanden. Die Spannung bestand darin, dass innerhalb weniger Augenblicke nicht mehr Stuttgart in die Relegation muss, sondern Hertha BSC. Wahnsinn, oder?
Wäre ein Wachkomapatient nach einem Jahr rechtzeitig aufgewacht und hätte am Samstag den Fernseher eingeschaltet und die Stadionsturm- und Jubelbilder aus Stuttgart gesehen, hätte er den VfB (am Ende 15.) für den neuen Deutschen Meister gehalten. Herrlich wie die freuden- und biertrunkenen Fans versuchten ihre Spieler zu knuddeln und diese nur die Flucht ergreifen wollten.
Und dass die beiden größten Stars, Erling Haaland (zu ManCity) und Robert Lewandowski (Barça?) ab sofort/ab Sommer/ab nächste Saison (Nichtzutreffendes bitte streichen) nicht mehr in der Bundesliga kicken, passt irgendwie ins Bild. Diese Liga muss sich dringend neu erfinden!
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Quelle: Perform
Mogelpackung des Jahres: FC Bayern
Den Preis für die erfolgreichste Mogelpackung der Saison geht an den FC Bayern.
Wer die lustlose Meisterfeier des FC Bayern am Sonntag am Marienplatz gesehen hat, der wünscht sich wieder einen Abstiegskampf wie in Stuttgart. Vielleicht sollte die DFL in Zukunft "Die Meisterschaft von unten" als wichtigste sportliche Entscheidung herausstellen.
Um überhaupt so etwas wie Stimmung zu konstruieren, musste Thomas Müller den Fans vom Balkon aus zu rufen: "Jetzt singen wir gemeinsam ein Lied. Welches Lied wollt Ihr denn?" Und dann also "Ein Schuss, ein Tor, die Bayern…"
Nach zwei Jahren Pandemie ohne Balkonfeier sollte man sie einfach weglassen, spätestens bei der 20. Meisterschaft in Folge stehen die Spieler ganz alleine oben und keiner mehr davor. Und übrigens: In woken Zeitgeistzeiten wirkt es ziemlich herrenrassig, wenn junge Damen im Dirndl den Promis das Weißbier hinterhertragen, dass sie dann gar nicht trinken wollen. In Summe: Für die Bayern war es eine verlorene Saison: DFB-Pokal, Champions League und Robert Lewandowski - immer frühzeitig ausgeschieden.
Gewinner des Jahres: Gerardo Seoane
Der größte Gewinner der Saison ist zugleich derjenige, den niemand kennt: Leverkusens unscheinbarer, geheimnisvoller, smarter Erfolgstrainer Gerardo Seoane. Als er im Juli 2021 als Erfinder des Schweizer Serienmeister Young Boys Bern nach Leverkusen kam, wollte er sich auf keine Tabellenplätze und Resultate festlegen lassen, sondern sprach davon, der Mannschaft "Profil" zu verleihen. Ob so viel Kicker-Esoterik rieben sich viele verwundert die Augen, jetzt reibt sich keiner mehr.
Platz drei mit 64 Punkten - und hätte die Spielzeit nur zwei Spieltage länger gedauert, hätte der BVB dumm aus der Wäsche geguckt. Wie Seoane Bayer zu einer attraktiven, modernen, offensiven Umschaltmannschaft geformt hat, das ist beeindruckend. Und es geht noch viel besser, meint der Schweizer, der offenbar anders als Dortmunds Marco Rose wirklich die Faxen dicke hat ob des Bayern-Titelabos. Denn das muss auch noch gesagt werden: Dieser BVB unter diesem Trainer wird zu meinen Lebzeiten kein Deutscher Meister mehr.
Die Trainer sind die Stars: Von Baumgart bis Weinzierl
Der größte Show-Act der Liga waren in diesem Jahr ohne Zweifel die Trainer. Wie sich Markus Weinzierl nach dem letzten Spiel vor die Kamera stellt und erklärt, dass er keinen Bock mehr hat auf seinen Manager Stefan Reuter und deswegen Augsburg verlassen wird - das sieht man sonst nur im Western-Algorithmus auf Netflix. Ob Reuter denn schon Bescheid wisse, wurde Weinzierl vor laufender Kamera gefragt. Nein, antwortete dieser, aber der werde es sicher jetzt auch hier mitkriegen. Haha!
Adi Hütter machte es in der schon lange bekannten Form des "respektvollen beiderseitigen Einvernehmens". Kein Mensch weiß, was das heißen soll, denn wenn alles so wundervoll einvernehmlich ist, warum trennt man sich dann? Was Hütter eigentlich sagen wollte: Die haben mir einen anderen Kader versprochen, ich ihnen die Champions League, am Ende ist man gerade mal nicht abgestiegen. Kurz gefasst: Den Quatsch, den Hütter da erzählt hat, muss man nicht glauben.
Und natürlich könnte man jetzt noch lange über den großen Humanisten Christian Streich (SC Freiburg), den Schlägermützentrager des Jahres Steffen Baumgart (Köln) oder den Schweizer Schlaufuchs Urs Fischer (Union Berlin) lobhudeln - die Trainer waren DIE Stars dieser Saison.
Spruch des Jahres: Hoeneß und das liebe Geld
Der wahrste Spruch dieser Spielzeit, unter allen wahren Sprüchen des Fußballjahres, kommt wieder mal von Alt-Orakel Uli Hoeneß. Gesprochen am gestrigen Meistertrauertag des FC Bayern. Und er lautet wie folgt: "Es geht doch nur um Kohle - und sonst gar nichts!" Der Satz ist in seiner Struktur wie ein Gedicht. In seiner Stilistik ausgewogen, in seiner Emphase eindeutig und in seiner lyrischen Komplexität zutiefst wahrhaftig.
In dem Spruch geht es um das Zusammenspiel aus Liebe und Geld am besonderen Beispiel des Robert Lewandowski und seinen aufgekündigten Verbleib in München. Ein bisschen sprach der hobbykapitalistische Dichterfürst Hoeneß wohl auch über sich selbst. Endlich, möchte man ausrufen, redet mal einer über ein Thema, von dem er selber wirklich Ahnung hat.
Auf eine neue, sportlich interessantere Saison 2022/23. Bundesliga, besser Dich!
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