FC Bayern gegen FC Augsburg - Drei Dinge, die auffielen: Wo war die Reaktion auf die Villarreal-Pleite?
Der FC Bayern hat mit Ach und Krach die Generalprobe für den Champions-League-Showdown gegen Villarreal gemeistert. Dank einer Steigerung in Hälfte zwei, angeführt von Kingsley Coman, mühte sich der FCB zu einem 1:0 gegen den FC Augsburg. Von einer Reaktion auf die Hinspielpleite gegen Villarreal kann aber nicht die Rede sein. Bei den Gästen bestach ausgerechnet ein Ex-Münchner. Was uns auffiel.
Niklas Dorsch (FC Augsburg) im Gespräch mit Joshua Kimmich (l.) und Thomas Müller (beide FC Bayern)
Fotocredit: Imago
Julian Nagelsmann ballte beide Fäuste und schrie seine Freude heraus.
Trotz einer insgesamt mauen Vorstellung setzte sich der FC Bayern am Samstag zu Hause mit 1:0 (0:0) gegen den FC Augsburg durch und eilt mit großen Schritten in Richtung zehnte Meisterschaft in Serie.
Robert Lewandowski sorgte mit seinem verwandelten Handelfmeter in der 82. Minute dafür, dass der Rekordmeister eine gelungene Generalprobe für das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Villarreal (Dienstag, 21:00 Uhr im Liveticker) hinlegte.
Drei Dinge, die uns bei Bayern gegen Augsburg auffielen.
1. Wo war die Reaktion?
Die Mienen der bayerischen Prominenz um Vorstandschef Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer auf der Tribüne sprachen Bände.
Lange Zeit ließ der FC Bayern im Heimspiel gegen den FC Augsburg jeglichen Spielwitz und Esprit, sprich eine Reaktion auf die überraschende 0:1-Hinspielniederlage in der Champions League beim FC Villarreal, vermissen.
Die Münchner präsentierten sich in der Anfangsphase im Aufbauspiel äußerst unsauber, unkonzentriert und darüber hinaus in der Defensive fehleranfällig. Einzig die Inkonsequenz der Augsburger Offensivabteilung im letzten Drittel sorgte dafür, dass sich der Rekordmeister nicht mit einem frühen Rückstand konfrontiert sah.
"Die erste Halbzeit war nicht gut, da hatten wir zu wenig Anlaufgeschwindigkeit, sind oft vor dem Gegenspieler stehengeblieben und hatten Glück, dass wir kein Tor kriegen. Wir waren mit Ball ein bisschen zu langsam", kritisierte Nagelsmann nach der Partie bei "Sky". In der Tat war die Verunsicherung der Bayern förmlich mit Händen zu greifen. Die Pleite am Mittwoch in Villarreal hatte offensichtlich ihre Spuren hinterlassen.
Genau wie bei der Niederlage in der Königsklasse brachte die Nagelsmann-Elf in Halbzeit eins nicht einen einzigen Torschuss zustande. Dies war den Bayern in zwei aufeinanderfolgenden Spielen letztmals vor 13 Jahren (im April 2009 gegen den FC Barcelona und Arminia Bielefeld) passiert. "Die Intensität hat in der ersten Halbzeit einfach gefehlt", legte Leon Goretzka den Finger in die Wunde.
Erst nach dem Seitenwechsel wirkten die Hausherren lockerer und spielfreudiger, was eng mit den Einwechslungen von Jamal Musiala, Alphonso Davies und Kingsley Coman verbunden war. Letztlich wurde der Druck für Augsburg in der Schlussphase zu groß, was den Siegtreffer von Robert Lewandowski per Handelfmeter zur Folge hatte (82.).
Dennoch resümierte Nagelsmann, dass sich seine Mannschaft um "60 bis 70 Prozent" im Hinblick auf den Showdown gegen das Gelbe U-Boot am Dienstag (21:00 Uhr im Liveticker) steigern müsse.
2. Ex-Bayer in München der Beste
Markus Weinzierl sprang von der Trainerbank auf, gestikulierte wild und redete auf seine Spieler ein. Doch es half alles nichts: Trotz einer couragierten Leistung stand für den FC Augsburg am Ende eine knappe Niederlage zu Buche.
"Wir haben über 90 Minuten eine gute Partie abgeliefert - leider ohne Ertrag. Wir haben versäumt, unsere Situationen zu nutzen, die du in München nicht so einfach bekommst", konstatierte der 47-Jährige.
Tatsächlich waren die Fuggerstädter alles andere als chancenlos. Die Gäste konnten ihre durchaus vorhandenen Kontergelegenheiten gegen die teilweise erneut wackelige Bayern-Defensive nicht in etwas Zählbares ummünzen.
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Joshua Kimmich (l./FC Bayern) und Niklas Dorsch (FC Augsburg)
Fotocredit: Getty Images
"Sieht man den Spielverlauf, waren wir in der ersten Halbzeit griffig und haben Riesenchancen vergeben, die wir nutzen müssen", ärgerte sich Niklas Dorsch. Eben jener Dorsch, der einst sechs Jahre lang (2012-2018) das Trikot des FC Bayern trug, stand am Samstag sinnbildlich für den kämpferischen Auftritt der Schwaben.
Der U21-Europameister warf sich in jeden Zweikampf (insgesamt 18 direkte Duell - Höchstwert mit Daniel Caligiuri) und pushte sich nach gelungenen Aktionen immer wieder selbst. Auch im Spiel nach vorne sorgte der mit klugen Pässen im Aufbau für Akzente.
"Wir wollten fußballerische Lösungen finden und dann haben die Bayern uns das auch zugestanden. Generell war es ein super Auswärtsspiel von uns - wir hätten etwas verdient gehabt hier", haderte der 24-Jährige. Letztlich bleibt den Gästen die Erkenntnis, dass gegen den designierten Meister deutlich mehr drin gewesen wäre.
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FCA-Coach Weinzierl hadert nach Pleite: "Wenn du nicht schießt ..."
Quelle: Perform
3. Nur auf Coman ist Verlass
Der Frust über seine frühe Auswechslung (64. für Coman) war Leroy Sané beim obligatorischen Abklatschen mit Nagelsmann deutlich anzumerken.
Auch dem Bayern-Trainer sei "aufgefallen, dass der Handshake schon mal anders ausgefallen ist, weniger frustriert", sagte er. Sané sei jedoch "sehr selbstkritisch und hinterfragt sich extrem", so Nagelsmann weiter. Wenn es mal nicht so laufe, sei Sane "meistens stocksauer." Dies dürfte wohl auch nach seinem Auftritt am Samstag der Fall gewesen sein.
Genau wie sein Pendant auf der linken Seite, Serge Gnabry, der bereits zur Halbzeit für Musiala weichen musste, blieb Sané völlig ideenlos und konnte lediglich einen einzigen Torschuss verbuchen. Alles in allem war es ein kleiner Rückfall in alte Zeiten, als der Nationalspieler teilweise von den eigenen Anhängern Pfiffe erntete.
"Nicht jeder Spieler war heute auf dem maximalen Peak", betonte Nagelsmann, der jedoch von der Bank aus die entscheidenden Impulse setzte. "Wir hatten gute Wechsel, Sabitzer und Coman haben uns das Spiel gewonnen", stellte er fest.
Damit traf der 34-Jährige den Nagel auf den Kopf. Speziell Coman wirbelte nach seiner Einwechslung unermüdlich auf der rechten Außenbahn und sorgte ein ums andere Mal mit seinen Tempodribblings für Gefahr.
Um ein Haar hätte sich der Franzose zum krönenden Abschluss dann selbst noch in die Torschützenliste eingetragen, doch er scheiterte im Eins-gegen-Eins am starken Gäste-Keeper Rafal Gikiewicz (90.).
Obwohl es nichts mit einem Torerfolg für den 25-Jährigen wurde, hielt Nagelsmann dennoch fest, dass der Druck in den letzten 20 Minuten nochmal sehr gut gewesen sei. Dies war nicht zuletzt auch der Verdienst von Coman.
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