Marco Reus: BVB-Kapitän brilliert im Schatten von Erling Haaland als echter Anführer
Borussia Dortmund startete am Samstagabend fulminant in die neue Bundesliga-Saison. Mit 5:2 (3:1) fegten die Schwarz-Gelben über Eintracht Frankfurt hinweg. Im Anschluss an den deutlichen Erfolg waren alle Augen auf Doppel-Torschütze und -Vorlagengeber Erling Haaland gerichtet. Wer den Norweger nun berechtigterweise hervorhebt, sollte allerdings auch Reus‘ Verdienste nicht aussparen.
Marco Reus ist derzeit in absoluter Top-Form
Fotocredit: Getty Images
Marco Reus hatte ein spitzbübisches Grinsen aufgesetzt, als er sich kurz nach Abpfiff am "Sky"-Tresen bei Sebastian Hellmann und Lothar Matthäus einfand. Merklich geschmeichelt sog er die Lobeshymnen des Rekordnationalspielers auf, wirkte beinahe etwas verlegen.
Man solle bei all der Bewunderung für Haaland nicht vergessen, dass auch Reus in überragender Form sei, so der Tenor der Matthäus-Huldigung. Tatsächlich lief man Gefahr, nur Augen für den alles überstrahlenden Norweger zu haben, obwohl Reus beim jüngsten Schützenfest und zum Ende der vergangenen Spielzeit eine ähnlich wichtige Rolle eingenommen hatte.
Der 32-Jährige, der in den vergangenen Jahren in trauriger Regelmäßigkeit von diversen Verletzungen zurückgeworfen wurde, ist mittlerweile seit rund einem Jahr fit - und deutet seit geraumer Zeit an, in welche Richtung seine ohnehin schon bemerkenswerte Karriere hätte gehen können, wäre er weitestgehend von den zahlreichen Zwangspausen verschont geblieben.
Haaland, der gegen die SGE einmal mehr mit zwei Toren und zwei Vorlagen zum Mann des Spiels avanciert war, profitiert jedenfalls von seinem Schattenmann - und Schattenmann Reus profitiert von dem Ausnahmestürmer.
Tor-Jubiläum und zwei Vorlagen: Reus briliert
Auch Reus wartete nach der Begegnung mit den Hessen mit beeindruckenden Zahlen auf, hatte er doch nicht nur ein Tor (übrigens sein 100. für Dortmund in Deutschlands Beletage), sondern darüber hinaus zwei Assists und die meisten Torschussvorlagen (drei) beigesteuert. Reus war nahezu an allen gefährlichen Angriffen beteiligt und begeisterte mit sehenswerten Pässen.
Zwei Vorlagen standen für den ehemaligen Gladbacher übrigens auch im DFB-Pokal-Finale zu Buche, das die Schwarz-Gelben gegen RB Leipzig mit 4:1 erfolgreich gestalteten, in den letzten drei Bundesliga-Partien der Vorsaison traf Reus jeweils einmal.
Reus' Fähigkeiten als Führungsspieler wurden infrage gestellt
Reus war seit jeher, was seine reinen fußballerischen Qualitäten betrifft, über jeden Zweifel erhaben. Allerdings wurden seine Fähigkeiten als Führungsspieler in der Vergangenheit nicht selten infrage gestellt. Doch auch diesbezüglich hat der gebürtige Dortmunder eine positive Entwicklung genommen - nicht nur auf dem Platz, sondern auch mit Blick auf seine jüngsten Äußerungen und Ansagen neben dem Rasen. "Man hat heute gesehen, dass wir noch nicht da sind, wo wir sein wollen und wo uns der Trainer sieht", sagte er nach der Partie gegen Frankfurt.
Ein klares Zeichen in Richtung Mitspieler, Fans und Medien, dass nach einem Sieg noch längst nicht alles eitel Sonnenschein herrscht. Doch Reus ließ mit weiteren deutlichen Aussagen aufhorchen, rief ein Ziel entgegen des traditonellen BVB-Understatements aus. "Wenn man bei Borussia Dortmund spielt - mit dem Stadion, mit den Fans - dann brauchen wir nicht über zweite oder dritte Plätze reden", erklärte er und ergänzte: "Dann muss immer das Ziel sein, Titel zu holen. Das haben wir letztes Jahr mit dem Pokal geschafft. Ich habe schon oft gesagt, dass es nur über Bayern geht. Wenn wir aber in der Saison stabil bleiben, ist einiges drin."
Reus: Selbstbewusste, klare Ansprüche
Ansprüche, die sie in Dortmund selbstredend immer haben, normalerweise allerdings nicht unverblümt in der Öffentlichkeit kommunizieren. Auch derlei Forderungen, die weder von zu viel Selbstgefälligkeit noch von utopischer Träumerei zeugen, zeichnen einen Anführer, einen echten Kapitän aus. Natürlich ist Dortmund, sollte die von Reus eingeforderte Konstanz umgesetzt werden, ein Kandidat dafür, die bayrische Dauer-Dominanz zu brechen.
Doch nicht nur mit seinem Team hat Reus große Ambitionen, auch eine Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft ist ein Thema, nachdem der Offensivspezialist auf eigenen Wunsch nicht an der EM teilgenommen hatte. "Natürlich habe ich Lust", antwortete er auf eine entsprechende Nachfrage. Er schob nach: "Die nächsten Länderspiele stehen bald an, dann wird man sehen. Ich mache mir da keinen Stress. Es aber es ist und bleibt immer eine Ehre, für Deutschland zu spielen." Reus prophezeite: "Ich werde mit Hansi Flick sicherlich Kontakt haben."
Davon ist auszugehen, ebenjener Hansi Flick outete sich kürzlich als riesiger Reus-Fan: "Marco Reus ist für mich einer der besten Spieler im letzten Drittel, der eine enorme Technik hat, den letzten Pass geben kann, der es versteht, sich freizulaufen, in die Tiefe startet und die gegnerische Abwehr aufreißen kann durch seine Art und Weise, wie er Fußball spielt", schwärmte der Ex-Bayern-Coach. "Deswegen ist er für mich einer der besten auf dieser Position."
Dem ist aktuell nichts hinzuzufügen, Reus scheint in Haalands Schatten vollends aufzublühen.
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