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Der LIGAstheniker - Die Meisterfrage zwischen Bayern und dem BVB: Ist Edin Terzic der bessere Thomas Tuchel?
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Publiziert 24/04/2023 um 11:42 GMT+2 Uhr
Das Blatt hat sich gewendet: Nach einem 1:3 der Bayern in Mainz und dem 4:0 der Borussia gegen Frankfurt hat der BVB auf einmal alle Trümpfe in der Hand. Die schlechte Krisenkommunikation von Thomas Tuchel irritiert, meint der LIGAstheniker. Edin Terzic hat den Dortmundern die Meister-Maulsperre derweil dagegen (endlich) gelöst. Ist er der bessere Tuchel? Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Thomas Tuchel (FC Bayern/hinten) und Edin Terzic (Borussia Dortmund/vorne)
Fotocredit: Imago
Liebe FußballfreundInnen,
die bekannte amerikanische Denkerin Nancy Fraeser hat kürzlich ein vielbeachtetes Buch zum Status der Postmoderne vorgelegt, dass nicht zufällig "Der Allesfresser" heißt. Gemeint ist der Hyperkapitalismus, der, vor dem Hintergrund des Klimawandels, nicht nur den Planeten Erde, sondern am Ende uns alle buchstäblich verschlingen wird.
Ein erstes Anzeichen dieses Aufgefressenwerdens hat die Sozialpsychologie in der Müdigkeit und Antriebslosigkeit unserer Gesellschaft entdeckt, die keine Ruhe mehr kennt, sondern nur noch permanente Selbstoptimierung.
Sorry für soviel philosophischen Exkurs, aber jetzt sind wir, versprochen, endlich beim FC Bayern und seinem neuen Trainer Thomas Tuchel.
Warum ist Tuchel nochmal Bayern-Trainer?
Selten hat man einen neuinstallierten Fußballtrainer so müde und machtlos erlebt wie Tuchel nach fünf Wochen beim FC Bayern. Immer weniger erschließt sich, warum er aktuell überhaupt der Bayern-Trainer ist. Zur offensichtlichen Paralyse der Mannschaft kommt dann noch der Subtext, den Tuchel in die Mikrophone diktiert.
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Bundesliga-Stats: Bayern schwächelt wie selten - BVB wie im Meisterjahr
Quelle: SID
Die Mannschaft sei unerklärlich "ausgelaugt", er bemüht die Allegorie vom "Sand durch die Hände" rinnen, dank Tuchel weiß man jetzt, dass die Bayern-Saison im Treibsand der eigenen Vereinspolitik unterzugehen droht.
Was kann Tuchel den Bayern noch geben?
Bis zum 22. März 2023 war die Spielzeit 22/23 eine ganze normale Bundesliga-Saison, dann beschlossen die Bayern-Muftis Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic eine Trainer-Entlassung, die dem Verein 50 Millionen Euro und mehr kosten kann, wenn man das Geld für Julian Nagelsmann und die jüngsten Misserfolge in den Pokalwettbewerben mit einpreist.
Und jetzt steht also noch die Meisterschaft zur Debatte. Was soll der rat- und machtlose Thomas Tuchel, der selbst immer schon so ausgezerrt wirkt wie die Mannschaft gerade spielt, den Bayern in den ausstehenden Spielen noch geben können?
Tuchels Krisenmoderation ist schlecht
Er wirke "konfus", bemerkte "Sky"-Mann Didi Hamann und wer möchte widersprechen?
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Joshua Kimmich vom FC Bayern
Fotocredit: Getty Images
Nach seinem ersten Spiel, dem deutlichen Sieg gegen Dortmund, als viele schon einen Tuchel-Effekt auszumachen glaubten, moserte der Neue herum, da sei noch Luft nach oben. Nach dem 0:3 in Manchester war er "schockverliebt", nach Spiel sechs ist er "ratlos".
Den Kader, der bei seiner Vorstellungs-PK noch einer der besten der Welt war, stellt er jetzt als Alt-Herren-Mannschaft da, "die 70, 80 Spiele in den Knochen hat". Tuchels Moderation der Lage ist für einen Welttrainer irritierend schlecht.
Ist Terzic der bessere Tuchel?
Im Gegenschnitt dazu mit Edin Terzic ein Trainer, der quasi im Alleingang eine Mannschaft auf Meisterschaft triggert, die sich das per se eigentlich gar nicht zutraut.
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Tuchel nach Bayern-Pleite ratlos: "Habe keine Erklärung dafür"
Quelle: Perform
Die Art und Weise wie Terzic in der Öffentlichkeit kommuniziert ist Weltklasse. Da gibt einer nicht den Besserwisser nach guten und den irrational-verliebten nach verlorenen Spielen, sondern den exzellenten Handwerker, der sich dennoch nicht zu schade ist die dicken Bretter zu bohren.
Es sei ein Job, so Terzic, seine Jungs, die nicht "doof", aber "manchmal ein bisschen vergesslich" sind, täglich daran zu erinnern, worum es eigentlich geht: die Meisterschaft. Um nichts anderes!
Das ist kein Kompliment für Reus & Co., aber eines für den Trainer, dem man abnimmt, was er sagt, dem man glaubt, was er tut. Der nicht aufhört unangenehm zu sein.
Terzic löst die Maulsperre beim M-Wort
Als Terzic nach dem dämlichen Stuttgart-Spiel vor einer Woche seiner Fassungslosigkeit Ausdruck verlieh ("Das toppt das Dümmste"), da war der Antrieb seiner öffentlichen Suada nicht Ratlosigkeit, sondern Wut und Zorn.
Da war einer nachvollziehbar und völlig zu Recht stinkesauer und machte deutlich, dass für ihn nur Platz 1 zählt. Terzic will Meister werden, er sagt es laut und plötzlich sprechen sie alle in Dortmund das einst verpönte M-Wort aus als hätte ihnen jemand die Maulsperre gelöst.
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Mit Kantersieg an die Tabellenspitze: BVB nutzt Bayerns Steilvorlage
Fotocredit: Getty Images
Egal wie sie enden wird, das wird weit über die Saison hinaus Wirkung zeigen. Anders als Tuchel bei Bayern hat Terzic die Schubumkehr beim BVB offenbar gerade noch rechtzeitig zum Höhepunkt hinbekommen.
Terzic verdient die Meisterschaft!
Natürlich ist die Meisterschaft noch nicht entschieden. Zu anfällig ist der BVB wieder rückfällig zu werden in alte Angsthasenmuster.
Aber wenn einer diese Deutsche Fußball-Meisterschaft verdient hätte, dann ganz sicher nicht Thomas Tuchel, sondern ein Trainer, der im Vergleich zu ihm vermeintlich ein Leichtgewicht ist, ein Schnäppchen und No-Name, der seine Aufgabe im Moment offenbar deutlich besser adressiert bekommt: Edin Terzic.
Zur Person: Thilo Komma-Pöllath:
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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