Emre Can: Warum der BVB-Profi plötzlich zum Schlüsselfaktor im Titelkampf gegen den FC Bayern wird

Emre Can ist bei Borussia Dortmund zum Erfolgsgaranten avanciert, je länger die Saison dauert, desto größer wird sein Einfluss auf Wohl und Wehe des BVB. Eine Entwicklung, die nicht abzusehen war. Der Nationalspieler stand vergangene Spielzeit und zu Beginn der laufenden in der Kritik. Schnee von gestern. Woher die Wandlung kommt? Can hat eine Blockade gelöst - und endlich seine Traumrolle.

Terzic selbstbewusst: "Wollen beweisen, dass wir anders sind"

Quelle: Perform

Es ist ein wilder Ritt, den Emre Can da hinter sich hat.
Vom Verschiebespieler in der BVB-Defensive zum Stabilisator auf der Sechs, vom Geschmähten zum Gefeierten, vom "Ex-Nationalspieler" zum DFB-Hoffnungsträger für die Heim-EM 2024.
Can ist sich bewusst, dass die Leistungen bis vor ein paar Monaten noch dürftig waren. "Das Entscheidende in meiner schlechten Phase war: Ich war vom Kopf her blockiert. Das habt ihr alle gesehen, wenn ich auf dem Platz stand. Es hat einfach nicht gereicht, da bin ich selbstkritisch genug", gab der 29-Jährige im Gespräch mit "Sport1" offen zu.
Nichtsdestotrotz werde er in Deutschland "kritischer" gesehen als im Ausland. "Vielleicht respektiert man meine Leistungen da anders oder mag mich als Fußballer-Typ lieber. Ich habe im Ausland ein ganz anderes Standing, in England zum Beispiel", führte Can im "Kicker" aus.

Can startet durch: Bessere Ernährung, perfekte Position

Can hat die Krise genutzt, um sich zu hinterfragen und zu reagieren. Er habe "ein paar Dinge verändert", so der Abwehrspieler. Angefangen bei der Ernährung. "Ich habe früher immer sehr viel Fleisch gegessen. Heute verzichte ich auch mal ein paar Tage darauf, esse stattdessen mehr Fisch", berichtete Can. Darüber hinaus kontrolliere er gewissenhaft seinen Puls und seine Schlafphasen.
Mindestens genauso wichtig: BVB-Trainer Edin Terzic hat dem gebürtigen Frankfurter seine Paraderolle auf der Sechs zurückgegeben.
Nicht ohne Grund. "Wenn ich das TV-Bild statt dem Scoutingfeed sehe, muss ein Sechser immer im Bild, immer da sein. Das macht Emre gerade herausragend gut. Er hat unserer Mannschaft in der Defensive eine enorme Stabilität gegeben, aber auch in der Offensive den Gegner immer wieder destabilisiert. Das ist das, war wir uns von einem Sechser vorstellen", lobte der Coach einen Tag vor dem Showdown gegen die Bayern.

Kohler exklusiv: "Can füllt Rolle zu 100 Prozent aus"

"Can spielt vor einer starken Innenverteidigung mit Nico Schlotterbeck und Niklas Süle und füllt diese Rolle zu 100 Prozent aus. Die Verantwortung ist wesentlich klarer verteilt im Vergleich zu der Zeit, als das Team noch mit einer Doppelsechs agierte", stieß 1990-Weltmeister Jürgen Kohler im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de ins selbe Horn.
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Vor dem Klassiker: Terzic schwärmt von Tuchel

Quelle: Perform

In der Saison 2021/2022 war das noch anders. Der Routinier musste bei der Borussia als Innenverteidiger, Linksverteidiger, Rechtsverteidiger und Sechser ran.
Die Rotation war ein Problem. "Es gab Zeiten, in denen ich fast alle drei, vier Tage auf einer anderen Position gespielt habe", erinnert sich Can. Umgekehrt sei es in den vergangenen Monaten sehr hilfreich gewesen, dass Terzic ihn "rund zehn Spiele am Stück auf der Sechs" aufgeboten habe. "Da kann ich meine Stärken am besten abrufen. Ich habe einen guten Rhythmus gefunden."

Bundestrainer schwärmt von "aggressive Leader" Can

So gut, dass Bundestrainer Hansi Flick dem Defensivspezialisten das Comeback in der Nationalmannschaft ermöglichte. Beim 2:0 gegen Peru und beim 2:3 gegen Belgien lief Can erstmals seit Juni 2021 wieder im DFB-Trikot auf. Vor allem bei der Niederlage gegen die Belgier gelang es dem 29-Jährigen, nach der Einwechslung eine bis dato labile Mannschaft zu stabilisieren.
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Emre Can überzeugte gegen Belgien nach seiner Einwechslung

Fotocredit: Getty Images

Can sei sofort der "aggressive Leader gewesen, den wir gebraucht haben", lobte Flick. Mit seiner Zweikampfstärke habe er die Teamkollegen "wachgerüttelt". Und plötzlich ist der Borusse wieder mit in der Verlosung für die Kaderplätze bei der Heim-EM im kommenden Jahr.

Heißes Pflaster München: 33 Gegentore in acht Spielen

Der Fokus aber liegt auf der Bundesliga und dem Ligagipfel am kommenden Samstag beim FC Bayern München (18:30 Uhr im Ticker). Von einem Matchball für den BVB zu sprechen, wäre vermessen, mit einem Sieg könnte der BVB dem Rekordmeister allerdings auf vier Punkte enteilen.
Can wird eine Schlüsselfunktion innehaben und weiß natürlich genau, dass es zuletzt nichts zu ernten gab für die Seinen in der Allianz Arena. "Es ist klar, dass wir es eindeutig besser machen müssen als in den vergangenen Jahren in München".
Das gilt vor allem für die Abwehr. In den vergangenen acht Ligaspielen in München, die der BVB allesamt verlor, kassierten die Gäste satte 33 Tore, im Schnitt also mehr als vier (!) pro Partie.
Dieses Mal reist die Borussia allerdings als Tabellenführer und mit einer Serie von neun Siegen und einem Remis zum Rekordmeister. Es fühle sich "gut an, ganz oben zu stehen", gab Can zu, verwies aber umgehend auf den Fakt, dass man im Dezember noch neun Punkte hinter Bayern lag.

Can bestätigt: Bayern wollte mich holen

Man ist fast geneigt, den Dortmundern ein wenig mehr Selbstvertrauen à la Bayern nahezulegen. Das dürfte vor allem Can nicht schwerfallen, der in Juniorenzeiten und als angehender Profi beim FCB spielte. Mehr noch: Es hätte nicht viel gefehlt und der Sechser wäre am Samstag in Rot aufgelaufen.
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Terzic verrät: "Haben Tuchel-Spiele bei Chelsea analysiert"

Quelle: Perform

Vor drei Jahren habe der damalige Bayern-Coach Flick angefragt, ob er nicht von Juventus Turin an die Säbener Straße kommen wolle. "Wir hatten damals telefoniert. Am Ende ist das aber nicht zustande gekommen und ich bin nach Dortmund gewechselt", so Can.
Nach Lage der Dinge eine gute Entscheidung - und so hat der Nationalspieler nun die Chance, zehn Jahre nach seiner ersten Meisterschaft in der Bundesliga mit den Bayern den zweiten Titel einzufahren. Dieses Mal in Schwarz-Gelb. Es wird ein wilder Ritt ...
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