BVB - Edin Terzic nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund: Emotional schwierig, aber unausweichlich

Edin Terzic ist bei Borussia Dortmund Geschichte. Zehn Tage nach der Niederlage im Champions-League-Finale gegen Real Madrid (0:2) verkündete der 41-Jährige in einem emotionalen Video seinen sofortigen Abschied vom BVB. Terzics Worte klingen nach einem freiwilligen Abgang, nachhaltig überzeugen konnte er die Klub-Verantwortlichen mit seiner Arbeit aber nie. Es bleibt trotz allem ein Geschmäckle.

"Verspüre große Ehre": Terzic verabschiedet sich von Dortmund

Quelle: Perform

Drei Tage vor dem Champions-League-Finale von Borussia Dortmund gegen Real Madrid erschien ein aufsehenerregendes Interview in der "Sportbild". Darin sprach Innenverteidiger Mats Hummels Trainer Edin Terzic indirekt das taktische Know-how ab.
Über zwei peinliche Auftritte BVB in der Bundesliga und im DFB-Pokal bei VfB Stuttgart sagte Hummels etwa: "Ich habe mich in meiner Ehre gekränkt gefühlt, so in diesem Trikot auf dem Platz zu stehen. So unterwürfig, so fußballerisch unterlegen (…)"
Zwischen den Zeilen eine deutlich vernehmbare Abrechnung mit Terzic und so kurz vor dem größten Spiel des BVB seit dem CL-Finale 2013 gegen den FC Bayern (1:2) eine, die nachhallen sollte.
Das Verhältnis zwischen Terzic und dem meinungsstarken Hummels galt schon vor Veröffentlichung des Interviews als belastet und war danach nicht mehr zu kitten. Laut "Bild" soll es unmittelbar vor dem Endspiel gegen Real zu einer heftigen verbalen Auseinandersetzung gekommen sein und Hummels seinen Verbleib in Dortmund von Terzics Zukunft abhängig gemacht haben.

Hummels-Attacke lässt Terzic gekränkt zurück

Seit Donnerstagmittag steht fest: Den Machtkampf hat Hummels gewonnen, Terzic gibt seinen Job aus freien Stücken auf. So hat er es zumindest verkündet.
"Ich habe die Verantwortlichen nach unserem Endspiel in Wembley um ein Gespräch gebeten, weil ich nach nunmehr zehn Jahren beim BVB, davon fünf Jahre im Trainerteam und zweieinhalb Jahre als Cheftrainer, das Gefühl habe, dass der anstehende Neustart von einem neuen Mann an der Seitenlinie begleitet werden sollte", sagte Terzic.
Der 41-Jährige hat sich seinem Herzensverein in dieser Zeit mit Haut und Haaren verschrieben und in zahlreichen Aussagen nie einen Hehl aus seiner emotionalen Bindung zum BVB gemacht.
Die öffentliche Diskreditierung von Hummels kann Terzic nur als Affront aufgenommen haben, der ihn persönlich gekränkt und in seiner Trainerehre verletzt hat.
Apropos Hummels: Dessen Zukunft beim BVB ist auch nach dem Abgang Terzics alles andere als gesichert. Laut "Ruhr Nachrichten" und "SID" soll der 35-Jährige trotz seiner zuletzt starken Leistungen keinen neuen Vertrag bekommen.
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In einigen Dingen über Kreuz: Mats Hummels und Edin Terzic

Fotocredit: Getty Images

Mit Bender und Sahin begann Terzics Entmachtung

Terzic musste in den letzten beiden Jahren als Cheftrainer häufig gegen Widerstände ankämpfen. Nach der so dramatisch verpassten Meisterschaft 2023 spielte der BVB unter ihm - abgesehen von der Champions League - eine maßlos enttäuschende Hinrunde. Terzic stand im Dezember 2023 kurz vor dem Rauswurf.
Der Verein mit Hans-Joachim Watzke an der Spitze gab ihm eine letzte Chance, holte aber mit Nuri Sahin und Sven Bender zwei Fan-Lieblinge ins Trainerteam - ein erster Schritt von Terzics Entmachtung.
Doch auch in der Rückrunde schaffte nie einen vernünftigen Spagat zwischen Festtagen in der Königsklasse und dem Bundesliga-Alltag.
Letztlich darf der BVB als Tabellenfünfter in der nächsten Saison nur Champions League spielen, weil die UEFA das Reglement geändert hat.

BVB-Boss lassen sich nicht von der Champions League blenden

Auch wenn es niemand von BVB-Seite öffentlich aussprechen wird und Watzke (wie auch Sportdirektor Sebastian Kehl) die "hervorragende Arbeit" von Terzic betont - der "Rücktritt" des Trainers ist nur die halbe Wahrheit.
Die Bosse lassen sich nicht blenden vom Einzug ins Champions-League-Finale, sondern sehen das große Ganze. Es ist nicht dran zu rütteln, dass der BVB in der Bundesliga gnadenlos unterperformt hat.
Eine spielerische Weiterentwicklung war nur in Ansätzen erkennbar, zu oft brachten die Schwarz-Gelben ihre PS nicht auf die Straße.
Angenehmer Nebeneffekt ist, dass die Dortmunder auf der Suche nach einem Nachfolger - im Gegensatz zum ewigen Rivalen aus München - nicht nach der Nadel im Heuhaufen schauen müssen. Mit Nuri Sahin ist der designierte neue Chef an der Seitenlinie schon da.

Nah dran an Meisterschale und Henkelpott - aber eben nur nah dran

Edin Terzic hat allen, die es mit Borussia Dortmund halten, in seiner Zeit als Cheftrainer viele schöne Stunden beschert. Er hat 2021 als Interimslösung den DFB-Pokal geholt und war verdammt nah dran an der Meisterschale (2023) sowie dem Henkelpott (2024).
Derart emotionale Abende wie gegen Atlético Madrid im CL-Viertelfinale (4:2) haben die 25.000 auf der Südtribüne im Signal Iduna Park lange nicht erlebt. Terzic hat dem Verein viel gegeben und sich trotz fehlender klar formulierter Bekenntnisse seitens seiner Chefs nie aus der Ruhe bringen lassen.
Auf emotionaler Ebene ist sein abruptes Ende in Dortmund schwer nachzuvollziehen. Die Gesamtgemengelage (fehlende Titel, spielerische Defizite, eine abgeschenkte Bundesligasaison und Sahin als potenzieller Nachfolger) lassen die Trennung jedoch in einem anderen Licht erscheinen.
Letztlich zählen auch bei Borussia Dortmund nur Erfolge und diesbezüglich hat Terzic die Ziele nicht erreicht.
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Quelle: Perform


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