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Darum fand der BVB den Weg aus der Ergebniskrise

Darum fand der BVB den Weg aus der Ergebniskrise

11/12/2019 um 14:11Aktualisiert 11/12/2019 um 16:33

Bei Borussia Dortmund herrscht nach dem Erreichen des Champions-League-Achtelfinals vor allem eins: Erleichterung! Lucien Favre hat nach dem Zwischentief einen wichtigen Kniff gefunden und die Offensive belebt. "Er hat uns auf einen guten Weg gebracht", sagte Mats Hummels über den BVB-Coach. Roman Bürki ist in Topform und Julian Brandt hat für die K.o.-Runde einen ganz speziellen Wunsch.

Julian Brandt kam in seinem typischen, etwas eigenwilligen Berufs-Outfit daher geschlendert: Von oben bis unten in bequeme BVB-Kluft gehüllt, trug der 23-Jährige wie immer ein schwarzes Käppi über den blonden Haaren – und darüber hatte er noch seinen gelben Kapuzenpulli gestülpt.

Derart eingepackt beantwortete der frühere Leverkusener geduldig alle Fragen – und gab auch Auskunft über seine Wünsche für die Achtelfinalauslosung.

Am nächsten Montag werden die Lose für die erste K.o.-Runde in der Champions League gezogen – und Brandt verkündete:

"Tatsächlich würde ich gerne mal nach England, da war ich in meiner Karriere noch nie."

Lebensgefühl eins: Erleichterung

Lebensgefühl zwei: Zusammen sind wir stark

"Er hat fünf, sechs, sieben absolute Weltklasseparaden gezeigt. Mehr kann er nicht machen."

Vor allem aber waren die Schwarz-Gelben bemüht, den hart erkämpften Erfolg in ein neues Wir-Gefühl zu hüllen.

Monsieur Favre verwies dabei mit Nachdruck immer wieder auf die hohe Qualität der Konkurrenz, gegen die sich sein Team gerade als Zweiter hinter Barcelona durchgesetzt hatte. "Das war eine der schwersten Gruppen, alle haben das gesagt, von Anfang an", betonte der 62-jährige Schweizer. "Es ist fantastisch, sich in dieser Gruppe zu qualifizieren. Das ist gut – für alle."

Erhielt einen Sonderapplaus von Mannschaft und Fans: BVB-Keeper Roman Bürki

Erhielt einen Sonderapplaus von Mannschaft und Fans: BVB-Keeper Roman BürkiGetty Images

Lebensgefühl drei: Mehrwert durch Mut

Vor zweieinhalb Wochen, bei der Mitgliederversammlung des BVB, nahm Klub-Boss Hans-Joachim Watzke Trainer und Team in die Pflicht. Es war der emotionale Tiefpunkt im stürmischen Dortmunder Herbst, und seitdem befindet sich der Vizemeister erkennbar im Aufschwung. Entscheidender Kniff, den Favre und sein Rasenpersonal miteinander ausheckten: Die Umstellung von einer defensiven Viererkette auf ein mutigeres 3-4-3-System, in dem vor allem die jungen Offensivkräfte Brandt und Jadon Sancho (19) deutlich aufleben.

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Beim frühen Führungstor riss Brandt, der in der veränderten Dortmunder Statik nun munter zwischen defensivem und offensivem Mittelfeld hin und her saust, die Prager Abwehr mit einem scharfen Steilpass auf Marco Reus auf. Den Querpass des Kapitäns veredelte Sancho. Und beim entscheidenden Treffer nach einer Stunde – Slavia hatte kurz vor der Pause ausgeglichen – ging’s dann umgekehrt: Sancho chippte den Ball mit einer überraschenden Aktion in den Lauf von Brandt, der seinerseits ins kurze Eck traf.

"Julian hat einen unglaublichen Mehrwert für uns auf der Acht. Er hat viele Laufwege mit dem Ball, unfassbar viel Bewegung im Spiel – und er bietet uns viele Möglichkeiten“, betonte Hummels, der auch zur jüngsten Wandlung von Lucien Favre klare Worte fand.

Traf hier nach Sancho-Vorlage zum 2:1 gegen Prag: Julian Brandt

Traf hier nach Sancho-Vorlage zum 2:1 gegen Prag: Julian BrandtGetty Images

Lebensgefühl vier: Energieschub von der Bank

"Er ist in den letzten Wochen generell emotionaler, energischer geworden. Das überträgt sich auf die Mannschaft. Er hat überall ein bisschen was draufgelegt und uns auf einen guten Weg gebracht“, urteilte der 30-jährige Innenverteidiger.

Drei Spiele hat Favres Ensemble, das von Slavias schnellem Umschaltspiel oft allzu leicht aus den Angeln gehoben wurde, bis Weihnachten noch zu absolvieren. Und was der aktuelle Aufwind im Hochdruckgebiet Westfalen tatsächlich wert ist, wird sich vor allem am kommenden Dienstag beim Heimspiel gegen die ähnlich fixen Leipziger zeigen.

Am Tag zuvor erfährt Julian Brandt dann auch, ob er im Achtelfinale der Königsklasse auf die britische Insel reisen darf. Eine Premiere wird es für den gebürtigen Bremer, der sich beruflich noch nie in England wähnte, allerdings nicht: Mit Leverkusen, erfuhr der Nationalkicker nach dem Prag-Spiel um kurz nach Mitternacht, war er schon mal im Wembley-Stadion. Beim 1:0-Erfolg über Tottenham, im November 2016.

Video - Favre begeistert nach Achtelfinaleinzug: "War ein verrücktes Spiel"

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