FC Barcelona: Das Ende einer Ära - was wird aus Lionel Messi?

Beim FC Barcelona steht nach der Demütigung im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Bayern München vor ungewissen Wochen. Spieler sowie Verantwortliche entschuldigten sich unmittelbar nach dem Spiel für den leblosen Auftritt bei den Fans und kündigten Veränderungen an. Diese könnten gewaltig sein. Die große Ära der Katalanen um Superstar Lionel Messi steht vor dem Ende.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Lionel Messi schlich sichtlich angeschlagen vom Platz.
Der argentinische Zauberfuß konnte offensichtlich noch nicht ganz begreifen, was sich in den 90 Spielminuten zuvor zugetragen hatte. Mit dem 2:8 im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Bayern München erlebte Messi mit dem FC Barcelona die größte Demütigung seiner grandiosen Karriere.
Messi war gegen den FC Bayern nur ein Schatten seiner selbst. Der 33-Jährige konnte dem Offensivspiel seiner Mannschaft kaum den Stempel aufdrücken und war von Alphonso Davies sowie dem Bayern-Kollektiv über 90 Minuten nahezu abgemeldet.
"Ich habe Bayern als Favoriten eingeschätzt, aber natürlich nicht in dieser Höhe. Es hätte wohl keiner gedacht, dass die heute acht Tore schießen. Aber sie waren verdient und diese sechs Tore waren auch der verdiente Klassenunterschied", analysierte "Sky"-Experte Lothar Matthäus den katalanischen Offenbarungseid in Lissabon.

Gerard Piqué mit Rundumschlag nach Barcelona-Blamage

Immer noch stehen große Namen in der Reihe des spanischen Vizemeisters, die schon bei den Champions-League-Triumphen 2009 und 2011 unter Pep Guardiola das Barça-Spiel maßgeblich geprägt haben. Neben Messi sind das Sergio Busquets und Gerard Piqué.
Der 33-jährige Abwehrchef lies seinem Frust nach der Blamage in Lissabon freien Lauf. "Das war ein fürchterliches Spiel, ein desaströses Ergebnis. Eine Demütigung. Wir sind am Tiefpunkt angekommen", stellte der Spanier klar.
29 Jahre und 329 Tage alt war die Startformation Barças gegen die Bayern, so alt wie noch nie in einem Champions-League-Spiel. Piqué sprach sich folgerichtig nach der Partie für eine dringend benötigte Frischzellenkur aus und nahm sich dabei selbst auch nicht aus der Schusslinie.
"Wir sind auf Grund gelaufen, es ist schrecklich, eine Schande. Dieser Klub benötigt Veränderungen. Ich spreche nicht nur vom Trainer und von den Spielern. Ich wäre der Erste, der gehen würde, wenn es den Klub weiterbringen würde", machte der Weltmeister von 2010 deutlich.
picture

Fotocredit: Getty Images

FC Barcelona: Setién und Bartomeu vor dem Aus

Damit befeuerte er direkt die Abschiedsgerüchte um Trainer Quique Setién, der nach nur einem halben Jahr schon wieder vor dem Aus steht. Der 61-Jährige hatte erst im Januar von Ernesto Valverde übernommen, anschließend aber im La-Liga-Endspurt die Meisterschaft gegen Erzrivale Real Madrid verspielt.
"Wir sind von einer sehr guten Mannschaft überrollt worden. Der FC Barcelona muss sich verändern", stellte auch Setién fest, der die Chancen für eine Weiterbeschäftigung bei Barça nur noch als "minimal" ansah. Als Nachfolger wird bereits Ex-Tottenham-Coach Mauricio Pochettino gehandelt.
Die Generalkritik von Piqué schloss aber auch indirekt den Präsidenten der Katalanen ein. Josep Maria Bartomeu, seit 2014 im Amt, wird immer wieder vorgeworfen, mit seiner fragwürdigen Transferpolitik den Schuldenberg von Barça wachsen zu lassen. Zudem hat er offensichtlich auch in der Trainerauswahl kein glückliches Händchen.
"Es gibt einige Entscheidungen, die wir bereits getroffen haben und andere, die wir die nächsten Tage treffen werden. Es wird in der kommenden Woche Mitteilungen geben, wir müssen Entscheidungen treffen, nachdem sich die Dinge beruhig haben", kündigte Bartomeu an. Der 57-Jährige gab der Kritik von Piqué recht, zog allerdings noch keine unmittelbaren Konsequenzen. Sein Mandat läuft 2021 aus, Kritiker fordern bereits vorgezogene Neuwahlen.

Barcelona mit schwacher Champions-League-Bilanz in den vergangenen Jahren

Doch nicht nur Präsident, Trainer und Altstars stehen beim FC Barcelona auf der Kippe. Es stimmt etwas nicht im Team. "Ich denke, dass Spiel hat gezeigt, dass wir innerhalb der Mannschaft viele Probleme haben. Wir wissen, dass wir eine Menge Veränderungen vornehmen müssen", meinte Frenkie de Jong, der erst vor der Spielzeit für 75 Millionen Euro aus Amsterdam gekommen ist und sicherlich ein Gesicht der Zukunft Barças sein wird.
Bereits in den vergangenen Jahren in der Königsklasse hat Barcelona gezeigt, dass die erfolgsverwöhnte Mannschaft auf einem absteigenden Ast ist. Immer wieder leisteten sich die Katalanen in großen Spielen unerklärlicherweise schwache - fast schon lustlose - Auftritte außerhalb des Camp Nous.
2017 schieden sie mit 0:3 in Turin aus, ein Jahr später setzte es eine 0:3-Niederlage in Rom. Im vergangenen Jahr verspiele man eine 3:0-Hinspielführung noch an der Anfield Road und musste nach einem 0:4 im Rückspiel in Liverpool die Segel streichen. 2020 nun der neue negative Tiefpunkt. Es war die höchste Niederlage der Blaugrana seit 1951.
"Die Geschwindigkeit, die du heute brauchst, die hat die Mannschaft von Barcelona nicht mehr. Sie haben sehr erfolgreiche Spieler, aber das liegt in der Vergangenheit. Barcelona hat zu lange mit dieser Mannschaft in der Vergangenheit gelebt und deswegen sind die nicht mehr konkurrenzfähig auf höchstem Niveau", brachte es Lothar Matthäus bei "Sky" auf den Punkt.

Barcelona vor Umbruch: Fragezeichen hinter Lionel Messi

Die Zeit für einen Umbruch im Nordosten von Spanien ist gekommen. Selbst die Position von Barça-Legende Lionel Messi scheint nach dieser denkwürdigen Nacht von Lissabon längst nicht mehr gesichert. Die Abschiedsgerüchte nach Italien werden lauter. Inter Mailand wird großes Interesse am 33-Jährigen nachgesagt.
Um Messi weiterhin in Blau und Rot zu halten, müssen personelle Verstärkungen her. Die dreistelligen Millioneneinkäufe der letzten Jahre, Antoine Griezmann, Philippe Coutinho und Ousmane Dembélé, erwiesen sich an der Seite des Argentiniers als Flops. Auch mit einkalkulierbaren finanziellen Verlusten muss sich Barcelona von einigen Spielern trennen.
Ein radikaler Kahlschlag ist vonnöten, um Platz zu schaffen, für eine neue Ära im Fußball-Mekka Barcelona.
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung