Champions League | 3 Dinge, die bei Bayern gegen PSG auffielen

Kingsley Coman schießt den FC Bayern München mit seinem Tor zum 1:0 (0:0) gegen Paris Saint-Germain im Finale von Lissabon zum Champions-League-Sieger 2019/20. Trainer Hans-Dieter Flick bleibt sich dabei erneut treu und beweist Händchen. Manuel Neuer darf sich wie Coman Matchwinner nennen. Und über allen steht ein überragender Teamgeist. Was uns im Endspiel auffiel.

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1. Flick bleibt sich treu

Was wurde vorher noch über die Bayern-Aufstellung debattiert - sollte man Benjamin Pavard nach überstandener Verletzung ins Finale werfen, um mit Joshua Kimmich im Zentrum die Defensive besser absichern zu können? Oder kann das auch Thiago? Immerhin hat PSG mit Neymar, Kylian Mbappé und Ángel Di María die personifizierte Geschwindigkeit im Angriff.
Und was machte Trainer Hans-Dieter Flick? Ließ hinten alles so, wie es war, und ließ auch weiter so spielen - volle Attacke. "Er hat einen ganz großen Anteil an diesem Titel", meinte Manuel Neuer hinterher zum Einfluss des Trainers auf die Bayern, die nach Niko Kovac förmlich danach dürsteten, sich wieder auf den Gegner zu stürzen, hoch zu stehen und vorne Bälle zu erobern.
Wenn man es so will, ist Bayerns Titel 2020 auch einer im Geiste von Pep Guardiola, der diese Art Vorwärtsverteidigung, die Flick so mag, stets propagierte.
Gegen Paris hatte Bayerns "Front Four" in den ersten fünf Minuten bereits drei hohe Balleroberungen und gab damit die Richtung vor. Zwar spielten die Münchner nicht so glanzvoll wie gegen Barcelona (8:2) und auch nicht so effizient wie gegen Chelsea (4:1) oder Lyon (3:0) - doch sie blieben sich über 90 Minuten treu.
"Ich bin stolz auf die Mannschaft. Als wir im November angefangen haben, habe ich Schlagzeilen gelesen: 'Wir haben keinen Respekt mehr vor Bayern, keine Angst mehr vor Bayern'", sagte Flick: "Die Entwicklung der Mannschaft in den letzten zehn Monaten war einfach sensationell."
Eine Änderung hatte Flick dann aber doch im Vergleich zu den drei vorangegangenen Champions-League-Spielen vorgenommen - und damit auch goldrichtig gelegen. Mit der Hereinnahme von Kingsley Coman für Ivan Perisic wollte er die vermeintliche Pariser Schwachstelle - Thilo Kehrer - durch schnelle Dribblings in Verlegenheit bringen. Am Ende kam Kehrer bei einem Kopfball Comans zu spät (59.) - sei's drum.
Unter Flick gewann Bayern 33 von 36 Spielen, ist seit 30 Spielen ungeschlagen (29 Siege) und fuhr auch in der Champions League nur Erfolge ein. "Wir kamen vom Gefühl im Herbst von relativ weit unten", sagte Müller, offenbar mit dem 1:5 von Frankfurt im Gedächtnis: "Aber dann haben wir einen Lauf hingelegt, der sensationell ist."
Und Kimmich meinte: "Er hat uns Vertrauen und viel Ruhe gegeben, uns immer mal wieder einen Tag frei gegeben. Selbstvertrauen war gar nicht so notwendig, weil wir das letzte Spiel glaube ich im November gegen Leverkusen oder Gladbach verloren haben. Auch heute haben wir die Fehler der anderen ausgebügelt. Wir haben diesen Wettbewerb hochverdient gewonnen."

2. Der Kronprinz wird zum King

Coman visierte den Ball an - doch weil Kehrer vor ihm heranrauschte, machte er im letzten Moment die Augen zu. Ohne hinzusehen köpfte der Franzose die Bayern in der 59. Minute ins Glück. Mit einem Kopfballtor machte sich der Flügelflitzer also etwas atypisch zum Bayern-Helden, verankerte sich als entscheidender Final-Torschütze der Bayern wie zuvor nur Franz "Bulle" Roth (1976) und Arjen Robben (2013) in den Geschichtsbüchern.
Dabei war die Saison nicht wirklich nach dem Geschmack des mittlerweile 24-Jährigen gelaufen. In Sachen Titel ist King, wie sie ihn nennen, schon King - in jedem seiner Profi-Jahre für PSG, Juventus und Bayern ist er Meister geworden. Weil er 2015/16 ein Ligaspiel für Juventus machte, bevor er zu Bayern wechselte, sogar neunmal in acht Jahren.
Doch bei Bayern lief es für den King zuletzt nicht wie gewünscht; eigentlich ja als Kronprinz für Franck Ribéry auserkoren, blieb er bis Sonntag mit nur 14 Torbeteiligungen (sieben Tore, sieben Vorlagen) erneut unter seinen Möglichkeiten, dazu verpflichtete Bayern für nächste Saison mit Leroy Sané namhafte Konkurrenz in Comans Habitat auf der linken Offensivseite.
Der Franzose blieb auch wieder nicht von Verletzungspech verschont. Gegen Tottenham und im Hinspiel gegen Chelsea humpelte er vom Feld, Coman hatte auch vor dem Champions-League-Restart muskuläre Probleme und wurde so für drei Spiele von Perisic verdrängt - bis ihm Flick im Finale das Vertrauen schenkte. Vertrauen, dass ihm Coman mit seinem Augen-zu-und-durch-Treffer zurückzahlte.
"Ich bin sehr, sehr, sehr glücklich", sagte der Franzose "Das ist ein unglaublicher Abend für den Klub. Ich wollte natürlich ein gutes Spiel machen. Aber das ist nichts gegen PSG. Ich bin jetzt 100 Prozent Bayern. Da kann ich nicht aus alter Verbundenheit zurückziehen."

3. They call it a Mannschaft

In einem Spiel, in dem Alphonso Davies seine Menschlichkeit unter Beweis stellte (Eurosport-Note: 4) und sich auch David Alaba einige Fehler leistete, in dem Jérôme Boateng wieder einmal vorzeitig vom Feld musste und Leon Goretzka nicht richtig ins Spiel fand, in dem Robert Lewandowski ohne Tor und Serge Gnabry sogar ohne Torschussbeteiligung bleib, hielten die Bayern dennoch stand - weil wieder mal einer für den anderen lief.
"Das war vom Staff, den Spielern und der medizinischen Abteilung eine einzige Mannschaftsleistung", lobte Neuer im Triple-Taumel gleich alles, was das Bayern-Emblem auf der Brust trägt. Er, der Triple-Sieger von 2013 und Weltmeister von 2014, sagte sogar: "Es hat noch nie so viel Spaß gemacht, in einer Mannschaft zu spielen, wie in dieser. Und ich bin ja auch schon sehr lange dabei. Es ist unglaublich."
Auch Thomas Müller, nicht minder dekoriert wie Neuer, meinte: "Wie diese Mannschaft angelaufen ist, wie sie geackert hat - der Wahnsinn. Es war nicht unser bestes Spiel, aber wir waren da und jetzt sind wir oben." Joshua Kimmich, noch am Anfang einer mutmaßlich glanzvollen Karriere, schwärmte ebenso von seinen Mitspielern: "Wenn du so einen Titel gewinnst, mit Typen, die wie Brüder auf dem Feld sind, das ist das Größte, wonach du streben kannst."
Augenscheinlich war das vor allem in der Kompaktheit der Bayern, die auch gegen Paris wieder wie eine lebendige Masse klug gegen den Ball - und vor allem: nach vorne - verschoben, und Ballgewinne so nur die logische Konsequenz waren. Lewandowski war sich nicht zu schade, den Ball auch mal am eigenen Strafraum zu erobern. Thiago spielte in seiner mutmaßlich letzten Partie für Bayern noch einmal groß auf und Manuel Neuer hielt alles, was auf sein Tor kam - sogar gegen den meterweit im Abseits stehenden Mbappé (90.).
Damit verdiente sich Neuer sogar ein Extralob von einem weiteren bayrischen Champions-League-Sieger, von Oliver Kahn. "Er hatte nicht viel Arbeit, aber genau in diesen Momenten muss er da sein", sagte der Bayern-Vorstand: "Das macht einen Torhüter von Bayern München aus. Er ist einer der ganz, ganz Großen."
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