Sebastian Kehl meldet sich immer öfter zu Wort. Die Aussagen des Mannes mit der sperrigen Jobbezeichnung - Leiter der Lizenzspielerabteilung - werden immer präziser. Und fordernder.

Der ehemalige BVB-Kapitän ist seit gut zweieinhalb Jahren in der Chefetage des Vereins integriert. 2022 soll er, wenn alles nach Plan läuft, Michael Zorc als Sportdirektor beerben. Dafür bringt er sich nun auch wirksamer in der Öffentlichkeit in Stellung.

Champions League
Drei Dinge, die auffielen: Sancho schüttelt den Sommer ab
25/11/2020 AM 00:04

So wie nach dem überzeugenden Dortmunder Sieg gegen den FC Brügge am vierten Vorrundenspieltag der Champions League. Als sich alle in den Armen lagen und sich über den dritten Königsklassensieg in Folge freuten, ging Kehl voran. Er gab die Marschroute für die kommenden Wochen vor.

"Wir wollen jetzt einen richtigen Lauf aufnehmen. Wir haben uns noch einiges vorgenommen bis Weihnachten", sagte Kehl bei "DAZN". Das hatte er schon als Spielführer gern gemacht. Immer wenn er die Chance auf eine Serie sah, forderte er diese auch ein. Ruhig, ohne Aufregung, sauber formuliert, aber sehr bestimmt.

Dortmund will es in dieser Saison wissen

Derzeit ist genau das der Fall. Bis auf die knappe Niederlage gegen den FC Bayern hat der BVB in den vergangenen sieben Spielen ausschließlich Siege eingefahren. In der Bundesliga beträgt der Rückstand auf den Tabellenführer einen mickrigen Punkt. In Europa ist man einen Punkt vom Einzug in die K.o.-Runde entfernt.

Der BVB hat Blut geleckt und will's jetzt - also in dieser Saison - wissen.

Oder wie Kehl es ausdrückt: "Wir müssen gierig bleiben und dürfen unsere Ziele nicht aus den Augen verlieren. Wir müssen uns die Leichtigkeit bewahren, aber auch fokussiert und ernsthaft bleiben."

Jadon Sancho und Erling Haaland - BVB vs. Brügge

Fotocredit: Getty Images

In schweren Corona-Zeiten ist beim BVB von einer Herbstdepression überhaupt nichts zu spüren - ganz im Gegenteil.

Die irrwitzige Terminhatz in diesem Corona-Spätherbst, noch vor wenigen Wochen als drohendes Schreckensszenario am Horizont wahrgenommen, hat sich für Lucien Favres Mannschaft zum Ansporn entwickelt.

"Der Spaß und die Freude sind trotz der tristen Verhältnisse zu spüren", sagte Kehl nicht ohne Stolz. "Die Stimmung ist gut, weil wir gut spielen und gute Ergebnisse erzielen. Wir können einiges erreichen mit dieser Mannschaft."

"Das Lazio-Spiel liegt gefühlt schon Monate zurück"

Fast vergessen ist der unrühmliche Auftakt in die Champions League vor knapp einem Monat in Rom. Damals lief eine arg verunsicherte Mannschaft in Schwarz-Gelb den hellblauen Laziali stellenweise bedenklich uninspiriert hinterher.

Seitdem hat sich der Wind gedreht. Favre hat den taktischen Dreh gefunden, spielt mit Emre Can Dreierkette und ohne ihn eben mit vier Mann hinten, Jadon Sancho kommt langsam aber sicher in Form, fast alle Stars sind fit, die Rotation funktioniert und Erling Haaland ist Erling Haaland.

Endlich in Topform: Favre lobt Sancho

"Das Lazio-Spiel liegt gefühlt schon Monate zurück", unkte Kehl, mahnte aber im gleichen Atemzug, man müsse "konzentriert bleiben und an den Dingen arbeiten, die wir noch verbessern können".

Mentalitätsdebatte im Keim erstickt

In dieser Phase, in der es Schlag auf Schlag geht, bleibt dafür allerdings wenig Zeit. Profivereine zirkulieren aktuell zwischen Abschlusstraining, Spiel, Regeneration und Abschlusstraining. Wichtig ist also, dass die Spieler frisch und die Dynamik innerhalb des Kaders positiv bleibt.

"Wir spielen alle drei Tage, müssen viel rotieren - da muss jeder bereit sein", mahnt Keeper Roman Bürki, der gegen Brügge zum wiederholten Male ohne Gegentreffer blieb. "Es bleibt auch nicht viel Zeit, um nachzudenken. Es kommt immer direkt das nächste Spiel", so der Schweizer. Aber "das finde ich gar nicht mal schlecht".

Das aktuell ansehnliche Fußballspiel seiner Mannschaft hat für den Torwart einen angenehmen Nebeneffekt. "Wenn's läuft, dann läuft's. Dann diskutiert auch keiner mehr über Mentalität."

Bis zum Weihnachtsfest stehen nun noch acht SPiele auf dem Programm des BVB. Fünf in der Bundesliga, drei Mal Champions League und ein Pokalspiel. Die Gegner haben überschaubare Qualität. Der von Kehl geforderte Lauf ist also umsetzbar. Damit, würde man im Duell mit dem FC Bayern ein echtes Zeichen setzen.

"Wenn wir Woche für Woche so auftreten, spielen wir hoffentlich um Titel mit", meint Jadon Sancho. Der Impuls des Lizenzspieler-Chefs ist also bei der Mannschaft angekommen. Job erledigt.

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