Am Ende der 90 Minuten wurde im Bauch des Signal-Iduna-Parks hitzig diskutiert.
Über einen gegebenen Elfmeter, zwei Verletzungen und das noch offene Gruppenfinale der Staffel F in der Champions-League-Vorrunde. Dieses 1:1 zwischen Borussia Dortmund und Lazio Rom bot jede Menge Gesprächsstoff.
"Leider haben wir uns nicht mit einem Sieg belohnt", meinte Dortmunds Kapitän Marco Reus und kratzte damit nur an der Oberfläche. Wir haben genauer hingeschaut.
Champions League
Riesenärger um Elfmeter gegen BVB: "Irgendwann ist es zu viel!"
UPDATE 02/12/2020 UM 23:15 UHR
Drei Dinge, die uns beim Spiel von Borussia Dortmund gegen Lazio Rom auffielen.

1. Wie soll man bloß Haaland ersetzen?

Wenn man im großen Nachschlagewerk Wikipedia nachsieht, bekommt man Folgendes zu lesen: "Unter einer Hiobsbotschaft versteht man eine Nachricht mit einem den Empfänger niederschmetternden katastrophalen Inhalt."
Nun gibt es - gerade in diesen Zeiten - sicherlich schlimmere Dinge, als der temporäre Ausfall eines Fußballspielers. Für die Art von Meldung, die der BVB kurz vor Spielbeginn gegen Lazio aber verbreitete, wird der Begriff im Sportjournalismus gerne herangezogen.
Erling Haaland, die Dortmunder Torgarantie, hatte sich einen Muskelfaserriss zugezogen und würde weder gegen Lazio noch zu irgendeinem späteren Zeitpunkt im Jahr 2020 mitspielen können. Ein heftiger Schlag für die großen Ambitionen der Borussia. Oder eben eine Hiobsbotschaft.
Denn das Spiel der Mannschaft von Lucien Favre ist dermaßen auf den jungen Norweger zugeschnitten, dass es schwerfällt sich vorzustellen, wie der 20-Jährige adäquat ersetzt werden soll. Immerhin bringt er es allein in der laufenden Saison auf 17 Tore in 14 Pflichtspielen.
"Jetzt müssen eben andere Spieler die Verantwortung übernehmen. Wir haben auch Tore erzielt, bevor wir Haaland verpflichtet haben. Den Ausfall können wir im Kollektiv auffangen, unser Kader ist breit genug”, erhöhte Manager Michael Zorc sogleich den Druck auf das übrige Personal.
Und Favre, der vermutete, sein Stürmer habe in jüngster Vergangenheit womöglich "zu viel gespielt", startete beim 1:1-Remis gegen Lazio sogleich einen ersten Testlauf - sozusagen eine Operation am offenen Herzen.
Der Schweizer ließ Marco Reus, Giovanni Reyna und Thorgan Hazard ganz vorne auflaufen und wild rotieren. Ein echter "Neuner" war über die gesamte Spielzeit nicht zu sehen. Auch nicht als eine Viertelstunde vor Schluss Jadon Sancho und Julian Brandt kamen.
Noch sechs Spiele stehen für den BVB bis Weihnachten auf dem Programm. Gegen Frankfurt, St. Petersburg, Stuttgart, Bremen, Union und Braunschweig.
Es scheint, als solle die Last bis zur Haaland-Rückkehr auf mehrere Schultern verteilt werden. Vielleicht aber springt in den kommenden Wochen der gerade 16-jährige "Wunderstürmer" Youssoufa Moukoko in die Bresche. Der saß gegen Lazio tatenlos auf der Bank.

Lucien Favre mit Jadon Sancho

Fotocredit: Getty Images

2. Ist der BVB nun Fisch oder Fleisch?

Favre war nicht nur wegen des strittigen Elfmeters für Lazio, den er als "Theater" bezeichnete, angefressen. Ganz allgemein wollte der BVB-Trainer nach dem Spiel etwas loswerden.
"Es ist unmöglich immer hoch zu gewinnen", polterte der Schweizer im Interview mit "Sky". Kurz zuvor war er auf die dann doch dürftige Leistung seiner Mannschaft am vergangenen Bundesliga-Spieltag gegen den 1. FC Köln angesprochen worden. Allein das Stichwort reichte ihm.
"Wir müssen uns nicht unterschätzen, aber müssen auch aufhören, uns zu überschätzen", monierte Favre, der gegen Rom ein gutes Spiel seiner Mannschaft gesehen hatte. Leider eben mit einem falschen Ergebnis.
Dem Borussen-Coach setzen die Erwartungsmaßstäbe, die von außen an seine Mannschaft angelegt werden, offenbar mehr und mehr zu.
In der Champions League nach fünf Spieltagen bereits für das Achtelfinale qualifiziert, in der Bundesliga mit vier Punkten Rückstand auf den FC Bayern in Schlagdistanz. Das sind die Dinge, die Favre interessieren. Nüchtern betrachtet, kann man damit natürlich zufrieden sein.

Raphael Guerreiro von Borussia Dortmund jubelt über ein Tor gegen Lazio

Fotocredit: Getty Images

Fakt ist aber auch, dass die sich häufenden uninspirierten Leistungen zu Diskussionen einladen. Auch gegen die Italiener stand die Borussia in der zweiten Halbzeit viel zu tief, sorgte zu selten für Entlastung.
Der Ausgleich war - auch wenn in seiner Entstehung strittig - nicht unverdient.
Sollte sein Team bis zum Jahresende besonders in der Bundesliga erneut straucheln, muss sich auch Favre damit auseinandersetzen. So hoch sollte nämlich auch er sein Team einschätzen.

3. Der "Überall-Mann" ist unverzichtbar

62 Minuten dauerte die Rückkehr von Raphael Guerreiro in die Mannschaft von Borussia Dortmund. Gegen Köln war er ausgefallen, prompt setzte es eine Niederlage.
Nach überstandener Oberschenkelzerrung kehrte er gegen die Italiener nun zurück. Als linker Außenspieler in der Fünferkette hatte Trainer Favre ihn aufgeboten. Faktisch aber trieb sich der Portugiese überall herum.
Mal links, mal rechts, dann im Zentrum. Ab und zu tauchte er sogar in der Sturmmitte auf. So wie kurz vor der Pause, als er einen energischen Lauf in die Tiefe per überlegtem Flachschuss zur Führung veredelte.
Bis zu seiner Auswechslung war Guerreiro absoluter Aktivposten der Schwarz-Gelben. Er bot einen weiteren Auftritt, der unterstrich, wie wichtig er mittlerweile für die Statik des Borussen-Spiels geworden ist.
Als er vom Platz ging, führte der BVB. Das Endergebnis ist bekannt.
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