55 Minuten lang schnupperte der BVB im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Manchester City an der Sensation - dann aber schlug das Pendel zugunsten der Gäste aus.
Ein zweifelhafter Elfmeter und ein Torwartfehler brachten Dortmund auf die Verliererstraße. Erhobenen Hauptes verließ der BVB die Arena, aber eben doch auch: geschlagen. "Man hatte das Gefühl, dass mehr drin war", haderte BVB-Kapitän Marco Reus ob der verpassten Chance.
"Wir können stolz auf uns sein, wir haben gegen die vielleicht beste Mannschaft der Welt gespielt und gezeigt, dass wir mithalten können", meinte Emre Can, der den folgenschweren, umstrittenen Elfmeter verursacht hatte. "Da können wir Positives mitnehmen. Trotzdem ist es schmerzhaft."
Champions League
"Skandalös!" Elfmeter gegen BVB spaltet die Fußball-Welt
14/04/2021 AM 22:46
Was uns beim Rückspiel im Signal-Iduna-Park auffiel.
Spielbericht: Umstrittener Elfmeter: BVB scheitert im Viertelfinale an ManCity

1. Cans Blackout versaut Dortmund den Abend

Im Hinspiel hatte Emre Can schon das 0:1 durch einen bösen Fehlpass eingeleitet und später Glück gehabt, dass ein Elfmeter durch VAR-Intervention zurückgenommen wurde.
Im Rückspiel war es wieder Can, der den Unglücksraben gab: Weil er sich unbedrängt selbst gegen den angewinkelten Arm köpfte und somit diesmal wirklich einen Elfmeter verursachte – Riyad Mahrez sagte Danke und verwandelte zum 1:1, was das Pendel wieder zugunsten der Engländer ausschlagen ließ (55.).
Nun ließe sich natürlich trefflich darüber streiten, ob der Schiedsrichter den Elfmeter hätte geben müssen, weil sich Can bei der Aktion selbst anköpfte – dass es überhaupt dazu kam, muss sich der Dortmunder jedoch ankreiden lassen. Die Szene hätte man deutlich eleganter lösen können.
Marco Reus sah es so: "Für mich war das Hand. Wenn es auf der anderen Seit gekommen wäre, hätten wir auch lautstark protestiert." Und Ilkay Gündogan meinte: "Er kommt zwar mit dem Kopf erst an den Ball, aber ich weiß nicht, ob der Arm so weit draußen was zu suchen hat. Anhand der Reaktion der Dortmunder war klar, dass die auch nicht viel einzuwenden haben gegen den Elfmeter."
Im zentralen Mittelfeld aufgeboten, sollte Can vor allem Stabilität und Robustheit an den Tag legen. Zwischen den flinken Kevin De Bruyne und Rodri geriet der 27-Jährige jedoch oft unter Druck; ManCity hatte ihn offenbar als anfälligsten Spieler im BVB-Aufbau auserkoren und attackierte ihn dort immer wieder.
So richtig glatt ging das mit Can am Ball eigentlich nur, wenn er sich weit fallen ließ und die Bälle extrem tief abholte. So wie vor dem 1:0, als der BVB-Profi mal ohne Gegnerdruck agieren und einen starken langen Ball auf Erling Haaland spielen konnte. In der Folge gelang Jude Bellingham das sehenswerte Führungstor (15.).
Nach Cans Blackout und dem Elfmeter jedoch schwanden Dortmunds Hoffnungen auf die Überraschung gegen die Guardiola-Elf. "Das Spiel hat sich total geändert nach dem 1:1", bekannte Can. Dass Marwin Hitz später bei Phil Fodens 1:2 (75.) dann noch danebengriff, machte den gebrauchten Abend für den BVB, der doch so gut angefangen hatte, komplett.
Dortmund hat nun übrigens in fünf Pflichtspielen in Folge zwei Gegentore kassiert (und in sieben der letzten acht) – so schlecht verteidigte der BVB zuletzt 2003.
BVB - MANCITY: WIE BEWERTET IHR DIE ELFMETER-ENTSCHEIDUNG?

2. Bellingham bringt Guardiola zum Fluchen

Das größte Lob gab's aus erlesenem Munde - mit expliziter Wortwahl. "Er ist 17 Jahre alt und er spielt in diesem Alter schon mit dieser fucking Persönlichkeit, er ist so gut, unglaublich!", lobte Pep Guardiola Dortmunds Youngster Jude Bellingham bei "Sky".
Nachdem ein Treffer des Engländers im Hinspiel noch umstrittenerweise zurückgepfiffen worden war, brachte er den BVB im Rückspiel mit einem sehenswerten Schuss aus 13 Metern in Führung. Wie behände sich der Teenie dabei drehte, den Ball auf den rechten Fuß legte und schließlich geschmeidig rechts oben einnetzte, war große Fußballkunst. Sein Jubel ebenso.
Mit 17 Jahren und 289 Tagen schwang sich Bellingham damit zum jüngsten Champions-League-Torschützen des BVB auf. Nur sieben Spieler waren überhaupt in der Geschichte der Königsklasse jünger, In der K.o.-Phase trafen nur Bojan Krkic einst für Barcelona und Jamal Musiala neulich für Bayern frühreifer als Bellingham.
Im Mittelfeld der Dortmunder war der ehemalige Birmingham-Spieler klar bester Mann. Beeindruckend auch, wie er in der 33. Minute für den schon geschlagenen Hitz abwehrte und danach die Faust zeigte. Mentalität und Einsatz stimmten an diesem Abend ebenso - mit elf Zweikämpfen (fünf gewonnen) führte er die meisten auf BVB-Seite, dazu verlor er lediglich achtmal den Ball.
Und auch, wenn ihm in der zweiten Halbzeit nach vier Startelfeinsätzen binnen elf Tagen die Kräfte schwanden und er nach 80 Minuten für Julian Brandt das Feld verließ, lässt sich festhalten: Da wird gerade das nächste BVB-Juwel geschliffen, das dem Klub in den nächsten Jahren viel Geld einbringen könnte. Das hat diese Champions-League-Saison bereits eindrucksvoll gezeigt.

3. Pep zieht die richtigen Schlüsse

Es wäre schon eine große Sensation gewesen, hätte Dortmund Manchester City aus dem Wettbewerb gekegelt – den unangefochtenen Spitzenreiter der Premier League und vielleicht größten Favoriten diese Saison auf den Pott mit den großen Ohren.
Eine Halbzeit lang lag diese Sensation in der Luft, weil Dortmund nicht ganz unverdient führte. "Wir haben die ersten 15 Minuten ein wenig verschlafen, ein bisschen ängstlich gespielt und uns nicht viel zugetraut, das war offensichtlich", sagte Ilkay Gündogan hinterher selbstkritisch: "Wir hatten vielleicht sogar Angst, was zu verlieren mit einem möglichen Gegentor. Das ist nicht die Art und Weise, wie wir normalerweise Fußballspiele angehen wollen."
Zur Pause hatte Guardiola aber bereits mit einer kleinen taktischen Veränderung die Statik des Spiels zugunsten der Citizens verändert. Mitte der ersten Halbzeit hatte der City-Coach die grundsätzliche Positionierung der eigenen Offensive ein bisschen angepasst und den BVB damit vor immer mehr Probleme gestellt.
"Nach dem Gegentor haben wir vorne etwas geändert, haben die Flügelstürmer weiter innen spielen lassen, damit wir den Ball besser laufen lassen konnten und mehr Pace zwischen den Linien hatten", berichtete Guardiola nach dem Spiel offen. "Wir haben versucht, den Ball mehr zu halten", sagte Gündogan. So habe man "den BVB schon Mitte, Ende der ersten Halbzeit nach hinten gedrängt, in die eigene Tasche".
Vor allem Kevin De Bruyne bekamen die Dortmunder kaum in den Griff. Egal, ob der Belgier die Bälle auf die Außen streute, oder selbst mal zum Tempolauf zwischen die Linien ansetzte – der BVB konnte ihn nie ganz ausschalten. So waren Treffer für die Gäste eigentlich nur eine Frage der Zeit, wenngleich der umstrittene Elfmeter den Citizens natürlich komplett in die Karten spielte.
"Dann haben sie uns mit dem sensationellen Positionsspiel einfach laufen lassen und wir hatten keine Chance mehr, an den Ball zu kommen", musste Marco Reus letztlich eingestehen. Und auch Terzic meinte: "Man muss ManCity fairerweise gratulieren, sie haben hervorragend gespielt und sind verdient in die nächste Runde eingezogen."
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