Mit 2:3 verlor der FC Bayern Teil eins der Neuauflage des Champions-League-Finals aus der Vorsaison gegen Paris Saint-Germain. Doch so bitter wie diese Niederlage daherkam, so spektakulär wie das Spiel war, gesprochen wurde rund um die Partie in der Allianz Arena in erster Linie über ein anderes Thema.
Bleibt Erfolgscoach Hansi Flick auch über die Saison hinaus Trainer beim deutschen Rekordmeister, oder geht er als Nachfolger von Joachim Löw zum DFB und übernimmt die Nationalmannschaft?
Sportvorstand Hasan Salihamidzic wollte oder konnte auch am Mittwochabend kein Licht ins Dunkel bringen. Einmal mehr blieb er in seinen Aussagen sehr nebulös, wich klaren "Ja oder Nein"-Fragen am "Sky"-Mikrofon aus. "Die Vertragslaufzeiten sind bekannt", sagte er schlicht.
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Ohnehin wisse doch jeder, "dass Hansi Flick und ich sehr gut zusammenarbeiten und dass wir für den Erfolg der Mannschaft alles tun", schob er nach.
Doch weil eben genau das kaum jemand mehr glaubt, setzt sich nicht nur bei Lothar Matthäus langsam aber sicher die Überzeugung durch, Flick sei die längste Zeit Bayern-Trainer gewesen, darauf jedenfalls legte sich der "Sky"-Experte fest.

FC Bayern: Flick will sich erneut nicht äußern

"Wenn man bleiben will, kann man das ja auch sagen. Er hat noch einen Vertrag bis 2023. Wenn er nichts über die Saison hinaus sagen will, dann hat er doch was anderes im Kopf", vermutete der ehemalige Bayern-Kapitän und forderte Flick dazu auf, einmal klar Stellung zu beziehen: "Dann haben sie die Themen vom Tisch."
Sonst, so der 60-Jährige, würden die Fragen automatisch immer wieder gestellt werden. Dieses journalistische Grundgesetz greift auch, weil Flick rund um das Paris-Spiel schon wieder keine Auskunft zu seiner eigenen Zukunft geben wollte.
"Ich habe dazu alles gesagt. Mein Fokus ist, dass wir erfolgreich Fußball spielen. Alles andere ist aktuell nicht mein Thema", meinte Flick, wie er das immer so sagt. Wie immer schloss er aber auch nicht aus, dass all dies zum Thema werden kann. Oder eben längst ist.

Hansi Flick (links) und Robert Lewandowski - FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Lewandowski baut auf Verbleib von Flick

Denn auch die Spieler des Rekordmeisters müssen sich mitten in der entscheidenden Saisonphase zur Causa Flick äußern.
"Ich habe zu Hansi gesagt, solange ich bei Bayern spiele und er Trainer ist, dass wir gut zusammenarbeiten und Erfolg haben können. Die Spekulationen um Hansi sind da, aber ich denke, in Zukunft werden wir weiter zusammenarbeiten", meinte etwa der gerade verletzte Robert Lewandowski.
Der Tenor der Mannschaft dürfte klar sein: Der Großteil des Teams will mit dem Erfolgscoach weiterarbeiten. Und auch Flick genießt die Arbeit mit den Stars.
Doch diese Argumente scheinen nicht wirklich den Ausschlag zu geben. Viel schwerer wiegen andere Dinge.

FC Bayern: Trainer Hans-Dieter Flick (li.) und Sportvorstand Hasan Salihamidzic (re.)

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Bayern-Trainer Flick: Dissonanzen mit Salihamidzic

Zum Beispiel der immer klarer sichtbar werdende Graben zwischen Flick und Salihamidzic. Der Trainer und der Sportvorstand arbeiten nämlich ganz und gar nicht so "sehr, sehr gut" zusammen, wie "Brazzo" dies immer wieder erklärt.
Flicks Beschreibung der Beziehung der beiden Alpha-Tiere ("professionell") kommt dem tatsächlichen Status schon näher - trifft ihn aber auch noch nicht komplett.
Das neuste Beispiel zeigt, wie tief die Kluft ist. "Diese Frage beantworte ich nicht. Ich muss hier professionell den Fragen antworten. Alles muss ich aber nicht beantworten, weil ich es auch nicht möchte. Ich muss da ein bisschen schauspielern auch. Gehört dazu zum Trainerjob", sagte Flick am Mittwochabend auf der Pressekonferenz nach der Niederlage gegen PSG.
Zuvor hatte Salihamidzic endgültig erklärt, Jerome Boateng - einer der Lieblingsspieler des Trainers - werde keinen neuen Vertrag bekommen. "Eine gemeinsame Entscheidung der Vereinsführung" sei das. Und überhaupt war "der Trainer eingebunden" gewesen. Rumms.
Nach David Alaba lässt man in Boateng einen zweiten Basisstein der Flick'schen Sextuple-Abwehr ablösefrei gehen. Der Coach hat die Signale längst empfangen. Seit Monaten fordert er mehr Mitspracherecht bei Transfers ein. Geändert hat sich nichts.

FC Bayern: Flick hat nichts mehr zu gewinnen

Man lehnt sich mit der Behauptung nicht zu weit aus dem Fenster, dass dieser Konflikt früher oder später erneut eskalieren wird. Die Führungsetage der Bayern befindet sich im Umbruch, findet sich neu.
Wer da nicht zwischen die Fronten geraten will, sucht lieber das Weite. Gerade wenn er nichts mehr zu gewinnen hat. So wie Flick. Der nämlich hat dem Verein in seinem ersten Jahr am Ruder bereits die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte beschert.
Die aktuelle Saison wird - und das steht auch ohne Betrachtung des Hinspiels gegen Paris längst durch das Aus im DFB-Pokal fest - titelmäßig ein Rückschritt.

Jogi Löw (rechts) und Hansi Flick wurden zusammen 2014 mit Deutschland Weltmeister

Fotocredit: SID

Im Sommer ist der perfekte Moment zum Absprung

Im Sommer wird die Nationalmannschaft frei. Beim DFB würden sie ihn mit Kusshand nehmen und obendrein mit einer für Bundesligavereine ungewöhnlichen Planungssicherheit für die kommenden Jahre ausstatten.
Die Heim-EM im Jahr 2024 wäre das Zielturnier für einen Bundestrainer Flick - eine lohnende Aufgabe.
"Ich habe mit ihm nicht über das Thema gesprochen. Das muss er selber entscheiden, ob er das machen möchte. Er hat bei den Bayern einen Vertrag, ich weiß nicht, wie seine Gedanken sind", sagte der scheidende DFB-Coach Löw in der Halbzeit des Champions-League-Spiels über seinen ehemaligen Co-Trainer.
Flick wird sich früher oder später erklären müssen.
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