Wer keine Probleme hat, der schafft sich welche.
Die Redewendung passt, zumindest auf den ersten Blick, zur aktuellen Lage beim FC Bayern.
Der Motor läuft wieder auf Hochtouren, die vergangen fünf Pflichtspiele in Königsklasse und Bundesliga wurden allesamt gewonnen, bei einem Torverhältnis von 18:6.
Champions League
Flick erklärt Transferdisput: "Das weiß Brazzo genauso"
17/03/2021 AM 20:00
Trainer Hans-Dieter Flick nimmt mit seiner Mannschaft Kurs aufs "große Double". Nur die Meinungsverschiedenheiten mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic störten zuletzt das Bild.

Kimmich: Keinen Zündstoff nach außen geben

So sehr, dass selbst Joshua Kimmich öffentlich monierte, dass es doch "schon schöner" sei, "wenn bei dem Erfolg, der gerade da ist, Ruhe wäre und wir nicht noch Zündstoff von innen nach außen geben". Die "Bild" will überdies erfahren haben, dass es während einer Busfahrt gekracht haben soll und der Trainer den Sportvorstand mit derben Worten dazu aufgefordert habe, ruhig zu sein.
Flick bemühte sich indes, den Konflikt am Rande des 2:1-Erfolgs im Achtelfinal-Rückspiel gegen Lazio Rom zumindest medial herunterzufahren.
"Wir sind beide aufeinander zugegangen und haben das aus der Welt geschafft - ganz im Sinne des Vereins", stellte der Coach bei "Sky" klar. Es sei "ein kurzes Gespräch" gewesen, in dem es gelang, "die Dinge aus der Welt zu schaffen", wie Flick ausführte.

Wie lange hält die Harmonie?

Die spannende Frage ist nun, ob es auch intern harmonisch weitergeht. Das eigentliche Problem dürfte nämlich weiterhin bestehen. Im Kader hat sich in eine Dreiklassengesellschaft gebildet. Spieler wie Manuel Neuer, Robert Lewandowski, David Alaba, Thomas Müller, Jérôme Boateng, Niklas Süle oder Kimmich sind quasi unantastbar, spielen fast immer.
Dahinter folgt die Kategorie der Joker, der Corentin Tolisso, Jamal Musiala und Eric Maxim Choupo-Moting zuzurechnen sind.

Flick "erleichtert" nach Aussprache mit Salihamidzic

Die Neuzugänge Alexander Nübel, Bouna Sarr, Tanguy Nianzou Kouassi und Marc Roca finden unter Flick dagegen kaum Verwendung. Das Quartett, das im vergangenen Jahr unter der Ägide von Salihamidzic an die Säbener Straße geholt wurde, kommt zusammengenommen auf mickrige 26 Pflichtspieleinsätze.

Fall Nübel schlägt Wellen

Vor allem die Situation von Torhüter Nübel, der nur dreimal zwischen den Pfosten stand und in der Liga noch auf sein Debüt wartet, schlug Wellen. Der 24-Jährige, so die Spekulationen, soll vom Sportvorstand eine Garantie für eine Mindestzahl an Einsätzen bekommen haben. Danach sieht es allerdings nicht aus.

Bayern-Keeper Alexander Nübel (li.) und Manuel Neuer (re.)

Fotocredit: Imago

Nübels Berater Stefan Backs versuchte daher Anfang März den Verein im Interview mit dem "kicker" unter Druck zu setzen. "Diese Situation ist unbefriedigend. Man muss im Sommer über eine Ausleihe nachdenken, wenn Alex nicht mehr zum Spielen kommt." Flicks Antwort? "Alexander Nübel ist geholt worden vor meiner Zeit, als ich Interimstrainer war, deswegen habe ich die Details nie gewusst."
Gegenüber der "Bild" schob er nach, dass er "keine Klauseln kenne, die Spieler in ihren Verträgen haben. Ich kenne die Verträge der Spieler nicht. Es ist auch so, dass ich dafür da bin, um Entscheidungen zu treffen, wer spielt, wer nicht spielt. Das ist meine Aufgabe und da lasse ich mir auch nicht reinreden." Rumms, das saß.
Nun liegt es natürlich in der alleinigen Verantwortung des Trainers, die Mannschaft aufzustellen. Salihamidzic soll trotzdem wenig begeistert sein von Flicks Vorgehen - zumal es weitere Reibungspunkte gibt. Die gescheiterten Transfers von Chelsea-Profi Callum Hudson-Odoi und Sergiño Dest, der stattdessen von Ajax zum FC Barcelona wechselte, sollen dazugehört haben.

Sané, Werner oder Havertz? Flick macht Ansage

Eine Darstellung, der Flick nun widersprach. "Hudson-Odoi und Dest waren nicht meine Wunschspieler, sondern unsere Wunschspieler", erläuterte der 56-Jährige.
Ebenso missfiel Flick die Debatte um Leroy Sané. Der Neuzugang von Manchester City gilt in erster Linie als Salihamidzic-Spieler. "Es ist zu lesen, dass Leroy nicht mein Wunschspieler gewesen sein soll, dass ich eher Havertz und Werner haben wollte", griff Flick das Thema nun erneut auf.

Bayern-Trainer Hansi Flick (rechts) mit Leroy Sané

Fotocredit: Getty Images

Das darauffolgende Dementi lässt allerdings Raum für Interpretationen. "Ich hätte am liebsten alle drei, das weiß Brazzo genauso", so Flick. Und: "Wir haben uns alle auch für Leroy entschieden."
Die Intention, nach außen als Einheit aufzutreten, ist dem Coach deutlich anzumerken - und tatsächlich hat er Sané zur festen Größe gemacht. Der Nationalspieler stand 34 Mal im Kader und kam dabei 33 Mal zum Einsatz.
Trotz allem können die Bayern nur schlecht verbergen, dass es rumort hinter den Kulissen an der Säbener Straße. Vielleicht sind die Münchner aber auch gar nicht daran interessiert, alle Schwierigkeiten abzustellen - frei nach dem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe: "Jede Lösung eines Problems ist ein neues Problem."
Das könnte Dich auch interessieren:FC Bayern - Alaba stellt sich ins Schaufenster

FC Bayern und BVB buhlen um PSG-Youngster

Bundesliga
Haaland und der FC Bayern? Lewandowski spricht über BVB-Star
17/03/2021 AM 08:04
Bundesliga
"Das stört mich": Süle wehrt sich gegen Rummenigge-Kritik
16/03/2021 AM 18:26