Diese Nachricht in der Nacht von Sonntag auf Montag löste in der Fußball-Welt ein regelrechtes Beben aus. Nach jahrelangen Spekulationen und Gerüchten um die Einführung einer sogenannten "Super League" haben zwölf europäische Top-Klubs nun tatsächlich ernst gemacht und in einem gemeinsamen und zeitgleich veröffentlichten Statement die Einführung eines solchen Wettbewerbs offiziell angekündigt.
Bereits im kommenden August solle es losgehen. Damit gehen die Vereine auf Konfrontationskurs mit der UEFA, die derzeit die europäischen Klubwettbewerbe Champions League und Europa League sowie ab der Saison 2021/22 auch die UEFA Europa Conference League organisiert.
Die beteiligten Vereine stellen die derzeitige europäische Wettbewerbsstruktur komplett auf den Kopf. Zwar würden die zwölf Teams gerne weiter in den nationalen Ligen partizipieren, "um den traditionellen nationalen Spielkalender zu erhalten, der weiterhin das Herzstück des Klubfußballs darstellt". Inwiefern das jedoch möglich ist, erscheint derzeit völlig unklar. Die UEFA hat in Absprache mit den nationalen Verbänden bereits mit einem "Bann" der beteiligten Teams für nationale und internationale Wettbewerbe gedroht. Aus Kreisen des europäischen Fußball-Verbandes ist von "Bürgerkrieg" die Rede.
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Was erhoffen sich die zwölf Teams von einer Super League? Wer finanziert das Mammutprojekt? Und was ist mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund?
Eurosport.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer ist dabei?

"AC Mailand, FC Arsenal, Atletico Madrid, FC Chelsea, FC Barcelona, Inter Mailand, Juventus Turin, FC Liverpool, Manchester City, Manchester United, Real Madrid und Tottenham Hotspur sind der Super League als Gründungsmitglieder beigetreten", heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung der Beteiligten. Der Beitritt von drei weiteren Teams, die mit den zwölf genannten als ständige Teilnehmer fungieren sollen, werde noch vor Beginn der ersten Saison erwartet.
Der FC Bayern München, Borussia Dortmund und PSG sind (noch) nicht Teil der Super League.

In welchem Modus soll gespielt werden?

20 Klubs sollen teilnehmen, darunter 15 Gründungsmitglieder und fünf weitere Klubs, die jede Saison die Chance haben, sich zu qualifizieren. Grundlage für die Qualifikation sind die Ergebnisse aus der jeweils vorangegangenen Spielzeit.
In der "regulären Saison" sollen jeweils zehn Teams in zwei Gruppen Hin- und Rückspiele austragen. "Die besten drei je Gruppe qualifizieren sich automatisch für das Viertelfinale. Die Teams auf Position vier und fünf konkurrieren in jeder Gruppe in einem Play-off mit zwei Spielen um die restlichen Viertelfinalplätze", heißt es im Statement. Die Runde der letzten Acht soll dann im aktuellen Champions-League-K.o.-Modus mit Hin-und Rückspiel ausgetragen, das Finale Ende Mai an einem neutralen Ort gespielt werden.
Die Spiele (außer das Finale) sollen unter der Woche stattfinden, um eine Teilnahme an den nationalen Ligawettbewerben zu ermöglichen.
WAS HALTET IHR VON DER GRÜNDUNG EINER NEUEN SUPER LEAGUE?

Was erhoffen sich die Teams durch die Super League?

Größere finanzielle Mittel, mehr Macht und Einfluss – und zwar ohne die Gefahr (zumindest für die 15 Gründerklubs), in einem Jahr die Qualifikation für die Super League zu verpassen. In Zukunft werden sie sich durch die irrwitzigen Einnahmen noch weiter von den kleineren nationalen Klubs absetzen. Die Super League wird für die von der Corona-Pandemie gebeutelten und mit hohen Schulden sowie Spielergehältern kämpfenden Klubs finanziell deutlich mehr abwerfen als die Königsklasse.
Zudem bekommen die Vereine durch die Super League die Chance, sich und die Fernseh- und Übertragungsrechte selbst zu vermarkten, was gerade auf dem asiatischen und amerikanischen Markt, wo die Vereine eine große Fangemeinde haben, deutlich höhere Erlöse einbringen könnte.
"Die Pandemie hat gezeigt, dass eine strategische Vision und ein nachhaltiger kommerzieller Ansatz erforderlich sind, um den Wert und die Unterstützung zum Nutzen der gesamten europäischen Fußball-Pyramide zu steigern", erklären die Klubs in der Mitteilung.
3,5 Milliarden Euro winken den Gründungsmitgliedern allein als Startprämie.
Zudem wollen die Vereine "Solidaritätszahlungen" an UEFA, FIFA und nationale Ligen entrichten. Die "werden deutlich höher ausfallen als die Zahlungen aus den laufenden europäischen Wettbewerben", heißt es weiter. "Während der anfänglichen Verpflichtungsperiode der Vereine dürften diese über 10 Milliarden Euro betragen."
Laut eines Berichts der "Marca" könnte der Sieger der jährlich stattfindenden Super League bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr einnehmen. Aktuell kassiert der Champions-League-Sieger ungefähr 120 Millionen.

Wer finanziert das Projekt?

Die US-amerikanische Investmentbank JPMorgan steht als Geldgeber hinter der neu geschaffenen Super League. Das bestätigte das Unternehmen mit Sitz in New York am Montag. "Ich kann bestätigen, dass wir den Deal finanzieren", sagte ein Sprecher der Bank der französischen Nachrichtenagentur "AFP", ohne Details des aufsehenerregenden Geschäfts zu nennen.

Wie konkret sind die Pläne?

Sehr konkret. Laut unterschiedlichen Medienberichten gibt es im Vorhaben der Klubs kein Zurück mehr. Noch in der Nacht zog sich Juve-Boss Andrea Agnelli als Vorsitzender der ECA, der European Club Association, zurück. Die Vertreter der anderen elf Vereine folgten.
Eine eigene Website wurde bereits gelauncht.
Die UEFA war den Top-Klubs auf Druck sogar mit einem Reformprojekt der Champions League, das am Montag bei der jährlichen Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees im Schweizer Kurort Montreux verabschiedet wurde, entgegengekommen. Doch das reichte den zwölf Teams offenbar nicht.

Warum fehlen der FC Bayern und Borussia Dortmund?

Neben dem französischen Meister PSG sind auch die beiden deutschen Top-Vereine FC Bayern München und Borussia Dortmund aktuell (noch) nicht Teil der Super League.
Laut "Sky"-Informationen seien die beiden Bundesligisten überrascht vom vehementen Vorpreschen der anderen Top-Klubs gewesen.
Hans-Joachim Watzke sprach sich am Montagvormittag klar gegen eine Teilnahme an der Super League aus. "Die Mitglieder des Boards der European Club Association (ECA) haben sich am Sonntagabend zu einer virtuellen Konferenz zusammengeschlossen und bekräftigt, dass der Board-Beschluss vom vergangenen Freitag nach wie vor Gültigkeit hat", so der BVB-Boss. Dieser Beschluss besage, "dass die Klubs die geplante Reform der Champions League umsetzen wollen. Es war die klare Meinung der Mitglieder des ECA-Boards, dass man die Pläne zur Gründung einer Super League ablehnt".
Watzke betonte in einer Stellungnahme auf der BVB-Homepage, dies gelte auch für den FC Bayern München, was Karl-Heinz Rummenigge wenige Stunden später bestätigte. "Der FC Bayern hat sich an den Planungen einer Super League nicht beteiligt. Wir sind davon überzeugt, dass die aktuelle Statik im Fußball eine seriöse Basis garantiert", wird der Vorstandschef in einer Pressemitteilung zitiert.

Hans-Joachim Watzke ist Geschäftsführer bei Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Geschäftsführer Rudi Völler von Bayer Leverkusen sprach in der "Bild"-Zeitung von einem "Verbrechen am Fußball".
Die UEFA bedankte sich explizit bei den deutschen und französischen Klubs, dass sie es abgelehnt haben, ein solches Projekt zu unterschreiben.
Fest steht allerdings auch, dass sich FCB und BVB dann damit abfinden müssten, sowohl finanziell als auch sportlich nicht mehr in der obersten Riege der europäischen Top-Klubs mitspielen zu können.
Angeblich soll auch Manchester City zunächst Zweifel am Vorgehen der anderen Premier-League-Klubs gehabt haben, sich aber aufgrund der dann fehlenden sportlichen Perspektive in anderen Wettbewerben umentschieden haben.

Wie reagieren die Verbände und Ligen?

Die Reaktionen sind heftig. UEFA-Boss Aleksander Ceferin will die abtrünnigen Klubs und ihre Spieler von "all unseren Wettbewerben" ausschließen.
Zudem sollen die Profis nicht mehr für ihre Nationalmannschaften auflaufen dürfen. Ob dies schon bei der EM im Sommer gelten werde, konnte er noch nicht sagen. Allerdings hält der Slowene den Rebellen die Tür für eine Rückkehr offen.
Der Weltverband FIFA sagte, er könne "nur seine Missbilligung" über einen Wettbewerb "außerhalb der internationalen Fußballstrukturen" ausdrücken.
Selbst die Spitze der EU-Kommission und der britische Premierminister Boris Johnson übten harsche Kritik an den Plänen.

Was sagen die Fans?

Die Anhänger reagierten empört. In England sprachen etwa die Fans von Chelsea und Tottenham von "Verrat", die der Gunners vom "Tod von Arsenal als Sportinstitution" und Anhänger von Jürgen Klopps FC Liverpool waren "entsetzt". Für das deutsche Bündnis ProFans ist es "eine Horrorvision".
Die zwölf Großklubs behaupten, den Interessen von vier Milliarden Fans zu folgen.

Was sind die nächsten Schritte?

Angesichts des hartnäckigen Widerstands steht die Super League vor einigen hohen Hürden. Nach der offiziellen Erklärung könnte eine Klagewelle anrollen. Nach "SID"-Informationen plant die UEFA, rechtlich gegen die entsprechenden Klubs vorzugehen. Demnach müssten die Klubs zumindest für die nächste Rechteperiode bis 2024 dabei sein.
Die wiederum wappnen sich bereits mit rechtlichen Schritte gegen eine Einmischung. Die UEFA prüft derzeit zudem die Möglichkeit, die zwölf Super-League-Abtrünnigen bereits aus den laufenden Europacup-Wettbewerben auszuschließen.
Auch TV-Rechteinhaber wie Amazon dürften sich gegen die Pläne stellen, schließlich erwarb etwa der Versandriese die Rechte am Produkt mit allen Vereinen.
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(mit SID)

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