Marco Rose war merklich darum bemüht, Ursachenforschung zu betreiben. Das zu erklären, was eigentlich kaum zu erklären war: Den uninspirierten, biederen und fehlerbehafteten Auftritt seiner Mannschaft, die kurz zuvor eines der priorisierten Saisonziele, nämlich das Überwintern in der Champions League, selbstverschuldet ad acta gelegt hatte.
Die umfangreiche Analyse des Dortmunder Trainers hatte letztlich nur eine Quintessenz: "Wir müssen besser werden!" Wie das Team ebenjenen Appell umsetzen soll, ließ er offen. Vielleicht auch, weil eine Verbesserung nur dann vorstellbar ist, wenn Erling Haaland zurückkehrt.
Beim 1:3 gegen Sporting hatte sich schließlich einmal mehr offenbart, wie abhängig der BVB von seinem Torjäger ist – und dass ein Plan B, der die Absenz des Norwegers einkalkuliert, schlicht fehlt.
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Selbstverständlich ist Haaland nicht zu ersetzen, mit seiner individuellen Klasse, dem Torriecher, der Schnelligkeit und körperlichen Präsenz sucht der 21-Jährige nicht bloß beim BVB, sondern europaweit seinesgleichen. Er ist der Unterschiedsspieler, die Lebensversicherung. Wenn es einmal nicht läuft, dann ist er allein stets in der Lage, ein Spiel zugunsten der Dortmunder zu drehen.

Ein Schema, null Ideen

Allerdings muss Dortmund nun bereits seit Wochen ohne ihn auskommen, sollte sich langsam einigermaßen darauf eingestellt haben. Mit Donyell Malen muss aktuell ein komplett anderer Spielertyp an vorderster Front kämpfen. Der Niederländer, der nach seinem Wechsel von der PSV Eindhoven nur gemächlich in die Spur findet, hat seine Vorzüge im Bereich Tempodribbling.
Im Gegensatz zu Haaland, der wegen seiner Größe prädestiniert ist, auch hohe Bälle zu verarbeiten, kann der wuselige, deutlich kleinere Malen seine Stärken eher am Boden ausspielen. Gerne weicht Malen auf die Außenbahn aus, um von seiner Schnelligkeit zu profitieren, in Lissabon ließ er sich auch häufig ins Mittelfeld zurückfallen. Das Resultat: Der gegnerische Strafraum wurde kaum besetzt, das Zentrum war zumeist verwaist.

Donyell Malen am Boden - Sporting CP vs. Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Dennoch suchten die Dortmunder ihr Heil regelmäßig in Flanken – entweder aus dem Halbfeld oder von der Grundlinie. 21 Hereingaben zählten die Statistiker nach 90 Minuten plus Nachspielzeit. Ein Abnehmer wurde fast nie gefunden. Das immergleiche Schema trotz mäßiger Erfolgaussicht, keinerlei Kreativität, nicht existente Lösungsansätze. Diesbezüglich gilt es auch, Spieler wie Marco Reus oder Julian Brandt in die Pflicht zu nehmen.

Brandt als Mitläufer, Reus taucht unter

Wer, wenn nicht die Offensivspieler, die mittlerweile über ausreichend Champions-League-Erfahrung verfügen, soll bei einer derartigen Spielentwicklung in die Bresche springen? Anstatt Auswege aus der misslichen Lage, alternative Ansätze zu finden, reihten sich die beiden deutschen Nationalspieler in ein fragiles, verunsichertes Konstrukt ein.
Brandt, der seit seinem Wechsel aus Leverkusen 2019 auf ständiger Suche nach Konstanz ist, nur dann funktioniert, wenn die gesamte Mannschaft überzeugt, fiel erneut durch eine Mitläufer-Attitüde auf. Am Ende standen satte 25 Ballverluste bei Brandt zu Buche. Kapitän Reus, von dem die Fans erwarten könnten, dass er vorangeht, die Ärmel metaphorisch hochkrempelt, tauchte weitestgehend unter.
Nach Abpfiff stand er immerhin den anwesenden Reportern von "DAZN" Rede und Antwort. "Wir diskutieren in der Saison öfter über die gleichen Fehler. Irgendwann ist es auch schwer immer wieder zurückzukommen."

Kontrolle ja, Durchschlagskraft nein

Reus nahm damit Bezug auf die zahlreichen individuellen Fehler in der Hintermannschaft, Nico Schulz‘ Querschläger, der zum 0:1 (30.) führte und Dan-Axel Zagadous ungeschicktes Einsteigen, welches einen Elfmeter zur Folge hatte (80.).
Bis zu besagtem Rückstand habe Dortmund "alles unter Kontrolle" gehabt, ärgerte sich Reus, ohne darauf einzugehen, dass auch in der ersten halben Stunde nicht viel Nennenswertes nach vorne zustande gebracht wurde.
Sicherlich gehört zur Wahrheit auch, dass Dortmund neben Haaland weitere Leistungsträger ersetzen musste, selbstverständlich sind die Ausfälle von Raphael Guerreiro, der kurz vor Spielbeginn von muskulären Problemen geplagt wurde, Mats Hummels (Rotsperre) oder Thorgan Hazard (Corona) nur schwer zu kompensieren, allerdings sollte der BVB selbst mit ausgedünntem Kader in der Lage sein, eine Mannschaft wie Sporting zu bezwingen.
Haaland, der vor dem TV mitfieberte, wird nicht entgangen sein, dass er die Last der Mannschaft quasi auf seinen Schultern trägt. Ohne ihn bewegt sich Dortmund auf einem Niveau, das für die Königsklasse schlicht nicht genügt. Nicht nur die Verantwortlichen hatten ein Weiterkommen fest eingeplant, vor allem Haaland besitzt berechtigterweise den Anspruch, sich mit den Besten zu messen, in Europas Beletage für Furore zu sorgen.

Haalands neue Realität: Europa League

Die Möglichkeit, sich auf der ganz großen Bühne zu zeigen, wurde dem anspruchsvollen Knipser genommen. Die neue Realität heißt Europa League. Laut "Sky" sind die Bosse darum bemüht, Haaland mit einem Rekordgehalt zum Bleiben zu bewegen.
Dass dies gelingt, ist nach den neuerlichen Entwicklungen ein unwahrscheinliches Szenario. Schließlich geht das Aus in der Champions League auch ins Portemonnaie. Dortmund gehen rund zehn Millionen Euro durch die Lappen – und damit wohl auch seine Lebensversicherung.
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