FC Bayern lehrt Europa das Fürchten: Die perfekte Gruppenphase und Julian Nagelsmanns Rekord
18 Punkte aus sechs Spielen – mehr ist aus einer Gruppenphase in der Champions League nicht herauszuholen. Dem FC Bayern gelang das Kunststück, alle Partien für sich zu entscheiden zum wiederholten Male, Julian Nagelsmann egalisierte nebenbei einen Rekord von Louis van Gaal. Der beeindruckende Marsch durch die wohl namhafteste aller Gruppen düfte die Konkurrenz zittern lassen. Zurecht.
Der FC Bayern spielte die perfekte Gruppenphase
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Aus der Allianz Arena berichtet Dennis Melzer
Was sagt Europa wohl zur Leistung des FC Bayern in der Champions League? Mit dieser Frage sah sich am späten Dienstagabend Sadio Mané konfrontiert, der als letzter Bayern-Profi durch die Mixed Zone der Allianz Arena schritt.
"Das weiß ich nicht", sagte der stets freundliche und zuvorkommende Senegalese und schob mit breitem Grinsen nach: "Das müsste man Europa fragen." Genauer gesagt, die Verantwortlichen und Spieler der europäischen Top-Teams.
Eines davon, namentlich Inter Mailand, hatten die Münchner, die aufgrund der Tatsache, dass sie seit dem 3:0-Sieg in Barcelona vor knapp einer Woche bereits als Gruppensieger feststanden mit einer besseren B-Elf aufgelaufen waren, 2:0 bezwungen.
Ein Sieg, der die Gruppenphase der aktuellen Saison abrundete. Mit der Maximal-Punkteausbeute von 18 Zählern schlossen die Bayern die Vorrunde ab, in sechs Partien musste der deutsche Rekordmeister lediglich zwei Gegentreffer hinnehmen (beim 4:2 in Pilsen). Beeindruckend, vor allem mit Blick auf die – mit Ausnahme von Pilsen - namhaften Kontrahenten.
"Ein supergeiler Wettbewerb"
"Es war hervorragend, wie wir uns präsentiert haben", freute sich Sportvorstand Hasan Salihamidzic im Anschluss an die Partie. Er führte aus: "Wir haben nur zwei Gegentore bekommen, ansonsten haben wir das in einer schwierigen Gruppe super gemacht. Es wäre schön, wenn wir das in die Rückrunde mitnehmen könnten."
Eric Maxim Choupo-Moting, der mit einem herrlichen Fernschuss für das 2:0 verantwortlich gezeichnet hatte, pflichtete seinem Boss im Gespräch mit "Amazon Prime" bei: "Es ist ein supergeiler Wettbewerb. Wir wissen, dass es etwas Besonderes ist, in einer solchen Gruppe sechs Siege zu holen"
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Eric Maxim Choupo-Moting (l.) jubelt mit Alphonso Davies - FC Bayern München vs. Inter Mailand
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Torhüter Sven Ulreich, erneut Vertreter des verletzten Kapitäns Manuel Neuer, ergänzte: "Wir haben eine hervorragende Gruppenphase gespielt und waren vom ersten Spieltag an konzentriert. Das hat sich die Mannschaft erarbeitet, es ist super, wenn man mit 18 Punkten weiterkommt."
Zum dritten Mal die perfekte Gruppenphase
Alle sechs Spiele zu gewinnen, ist für die Bayern indes kein Novum. Bereits in der Saison 2019/20 und der vergangenen Spielzeit war dem Klub ebenjenes Kunststück gelungen. 2020 stand am Ende unter Coach Hansi Flick der Champions-League-Triumph zu Buche, im Vorjahr war nach zwei schwachen Auftritten im Viertelfinale gegen den FC Villarreal Schluss.
Dass der Rückenwind aus der Gruppenphase diesmal besser konserviert werden sollte, ist Nagelsmann klar: "Wir haben auch letztes Jahr eine sehr gute Gruppenphase gespielt, dann aber keine gute K.o-Runde. Also müssen wir einige Schritte anders gehen", sagte der 35-Jährige, der dank des Erfolgs über die Nerazzurri einen Champions-League-Rekord eingestellt hatte.
Nagelsmann zieht mit van Gaal gleich
Es war der 14. Gruppenspielsieg in Folge (zwei mit RB Leipzig, 12 mit Bayern). Eine solch lange Siegesserie hatte bis dato nur Louis van Gaal (zwischen 1999 und 2009 mit Barcelona und Bayern) aufgewiesen. "Gewinnen ist immer schön, deshalb interessiert es mich schon", antwortete Nagelsmann auf die Nachfrage, ob der neue Bestwert ihm etwas bedeute.
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Julian Nagelsmann
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Letztlich nackte Zahlen. Doch vor allem die Art und Weise, wie sie zustande gekommen waren, dürften bei der Konkurrenz für Angst und Schrecken sorgen. Während es bei den Bayern in der Bundesliga zwischenzeitlich gekriselt hatte, war im prestigeträchtigsten aller Wettbewerbe keine Spur von Verunsicherung zu spüren.
Selbst im Duell mit Inter, in dem es wegen der schon skizzierten Konstellation einzig ums Ansehen ging, agierten die Münchner mit enormer Souveränität und einem beachtlichen Selbstverständnis. "Wenn man sieht, dass wir selbst in einem bedeutungslosen Spiel wie heute mit einer solchen Entschlossenheit und Energie agieren, ist das wunderbar", lobte Ulreich.
Auch der zweite Anzug passt
Nagelsmann, der die Rotationsmaschine angeworfen hatte und etliche Dauerreservisten von der Leine ließ, zeigte sich ob des passenden zweiten Anzugs zufrieden: "Es war sehr erwachsen von allen. Auch die Spieler, die sonst nicht so viel spielen, haben das gut gemacht. Es ist immer ein gutes Gefühl für einen Trainer, wenn man weiß, dass man wechseln kann und keinen Qualitätsverlust hat." Ein nicht zu unterschätzender Aspekt in einer langen Saison.
Deutschlands Nationalspieler und Inter-Profi Robin Gosens machte im Nachgang in der Mixed Zone keinen Hehl aus seiner Wertschätzung für den Gegner. "Wir haben es gar nicht so schlecht gemacht, aber das Ergebnis war in Ordnung", sagte der Italien-Legionär. "Die Bayern spielen aktuell auf absolutem Top-Niveau, mit einer wahnsinnigen Intensität. Solche Umschaltaktionen kennen wir aus der Serie A nicht."
Mögliches Duell mit dem FC Liverpool
Ein ehrliches Eingeständnis, dass die Bayern derzeit schlicht auf einem höheren Niveau agieren. Entsprechend dürfte am kommenden Montagmittag (12 Uhr) auch das große Bangen bei der Konkurrenz einsetzen. Dann steigt in Nyon die Auslosung der Achtelfinal-Paarungen. Ein mögliches Aufeinandertreffen mit dem FC Liverpool (zweiter Platz in Gruppe A) rückt dabei besonders in den Fokus.
Da mit Inter (Gruppengegner) Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt (beide bereits qualifiziert) und womöglich RB Leipzig (derzeit Gruppenzweiter, Weiterkommen entscheidet sich am Mittwoch) drei beziehungsweise vier Teams nicht als Achtelfinalgegner infrage kommen, ist die Chance auf eine Begegnung mit den Reds und Trainer Jürgen Klopp in der Runde der letzten 16 relativ groß.
"Wir werden es sehen. Ich würde sagen, das wäre ein spezielles Los", sagte Mané zu einem potenziellen Wiedersehen mit seinem ehemaligen Arbeitgeber. Ein spezielles Los für Mané, ein Horror-Los für Klopp. Die Bayern haben Europa mit ihren Darbietungen das Fürchten gelehrt.
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Quelle: Perform
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