FC Bayern scheitert im Halbfinale der Champions League gegen PSG: War das die letzte Chance für Kane, Kimmich & Co.?

Das bittere Ausscheiden im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain wirft beim FC Bayern München zwangsläufig Fragen auf: Haben die Führungsspieler um Harry Kane noch eine weitere, starke Saison im Tank? Auf welche Verstärkungen sollte Trainer Vincent Kompany für seine dritte Saison in München setzen? Und hat der Belgier selbst weiter das Feuer? Eine Einordnung.

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Quelle: Eurosport

Harry Kane hatte feuchte Augen, zog sich das Trikot übers Gesicht, um seine Enttäuschung zu verbergen. Um dem Moment der Leere zu entfliehen, der Aussichtslosigkeit nach dem verpassten Finaleinzug.
Wie seine Mitspieler stand der Mittelstürmer einige Minuten regungslos vor der Südkurve, während die treuesten Fans zur Aufmunterung die Vereinshymne sangen "Immer vorwärts, FC Bayern!"
Just in dem Moment, als die Welt stillstand für Kane & Co. Der Traum vom Henkelpott ist nach dem 1:1 gegen Paris Saint-Germain für die Münchner ein weiteres Mal ausgeträumt.
Das Sehnsuchtsziel Champions-League-Sieg erschien vor dem Halbfinal-Rückspiel so nah - und ist nun doch wieder so fern. Ab September erst - mit dem ersten Spieltag der Gruppenphase - kann man den nächsten Angriff auf die Trophäe der Königsklasse starten. Harry Kane ist dann 33 Jahre alt.

Ist diese Bayern-Mannschaft bald überreif, sprich zu alt?

Hat der Brite noch ein weiteres, so starkes Jahr im Tank? Der (zu späte) Ausgleich gegen PSG war Kane 55. Tor im 48. Pflichtspiel der Saison. Der Torjäger ist nicht der einzige Profi im Kader von Trainer Vincent Kompany, der als Ü30-Spieler demnächst an die Weggabelung seiner Karriere kommt. In diesem Halbfinale waren die Bayern noch nicht reif genug für die abgezockte Gewinner-Truppe von PSG, den Titelverteidiger.
Aber ist diese Bayern-Mannschaft auch bald überreif? Also: Über ihrem Zenit? Die Führungsspieler kommen in ein betagtes Alter. Neben Kane, dessen Vertrag im Sommer 2027 ausläuft und mit dem die Bosse unbedingt verlängern wollen, sind auch Joshua Kimmich (31), Jonathan Tah (30) und der in den Halbfinals nach seiner Verletzung schmerzlich vermisste Serge Gnabry (30) nicht mehr die Jüngsten.
Ganz zu schweigen von Kapitän Manuel Neuer (40), der bei einer seiner vielen Glanzparaden der letzten Wochen wohl in einen Jungbrunnen gestürzt ist. Der Torhüter wird wohl noch eine weitere Saison dranhängen.
Für Neuer wäre es dann definitiv die letzte Chance auf den Gewinn der Champions League. Für die Generation um Kane, Kimmich & Co. auch? Bleiben sie weiter so gierig, so hungrig wie in dieser Saison der (Tor-)Rekorde in der Bundesliga? Kann Kompany auch in seinem dritten Jahr an der Säbener Straße noch dieses Feuer entfachen?
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Quelle: Perform

Gewinn des Doubles wäre ein hübsches Trostpflaster

Die Bundesliga haben die Münchner überlegen dominiert. Am 23. Mai in Berlin können sie mit dem Gewinn des DFB-Pokals gegen den VfB Stuttgart aus dem Meistertitel noch das Double machen - ein Trostpflaster. In der Champions League konnte man die Pariser beim 4:5 Hinspiel in eine atemberaubende, intensive wie offene Feldschlacht locken.
Doch im Rückspiel diktierten die Franzosen nach der frühen Führung das Tempo. Diese defensiv zu schwachen oder auch zu mutig nach vorne verteidigenden Bayern prallten an der Cleverness und Spielstärke von PSG ab, kamen an ihre Grenzen. Und dennoch ist man in München zufrieden mit der Saison, es herrscht keine Weltuntergangsstimmung wie sonst oft nach geplatzten Europapokal-Träumen.
"In elf Jahren Bayern war das aus meiner Sicht bisher die stärkste Saison", sagte Vize-Kapitän Kimmich, der 2015 gekommen war und ergänzte: "Sogar stärker als die Triple-Saison damals (2020, d. Red.). Solche eine Konstanz und solch eine Truppe in der Kabine habe ich selten erlebt."
Der Mittelfeld-Chef zog bereits ein Fazit, sagte: "Wir haben in dieser Saison drei Niederlagen kassiert. Es zeigt, dass wir sehr konstant auf einem guten Niveau unterwegs waren." Neben dem Ausrutscher in der Liga gegen Augsburg (1:2) verloren die Münchner in der Champions League lediglich gegen die beiden Finalisten. In der Gruppenphase mit 1:3 beim FC Arsenal und nun das spektakuläre Halbfinal-Hinspiel (4:5) bei PSG.
Kimmichs Hoffnung: ”Ich glaube nicht, dass uns das umwerfen oder vom Weg abbringen wird. Ich sitze in der Kabine und habe das Gefühl, dass wir mit dieser Mannschaft die Champions League gewinnen können."

Pavlovic, Bischof & Karl sind Trümpfe für die Zukunft

Mit welchem Kader? Da sind einerseits die jungen Wilden, die Hoffnungsträger um Aleksandar Pavlovic (22), Torhüter und Neuer-Kronprinz Jonas Urbig (22), Tom Bischof (20) und vor allem die Saison-Entdeckung, Teenager Lennart Karl (18). Auch Jamal Musiala, schon recht erfahren, ist erst 23.
Dazu braucht es zwei, drei Transfercoups wie in den letzten Jahren mit Michael Olise, Luis Díaz und Jonathan Tah. Der Wunschspieler für den Angriff heißt Anthony Gordon (25) von Newcastle United, flexibel einsetzbar auf allen Offensiv-Positionen in Kompanys 4-3-3-System. Gordon ist jedoch kein klassischer Mittelstürmer wie Kane.
Da Nicolas Jackson (24) nach der einjährigen Leihe vom FC Chelsea nicht verpflichtet wird, benötigen die Münchner erneut einen Back-up. Schwierig, weil kostspielig. Dazu braucht es viel Überredungskunst. Wer gibt freiwillig den zweiten Mann hinter Kane als Lückenbüßer?
Doch diese Killer-Qualität vor dem Tor, die Neuer beim 1:1 gegen Paris vermisst hat, fehlte den Bayern tatsächlich. Nachlegen von der Bank? War lediglich eingeschränkt möglich.
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Quelle: SNTV

Hakimi anstelle von Laimer wäre ein Transfercoup

Dazu müssen die Außenverteidiger-Positionen auf den Prüfstand gestellt werden. Genügen Josip Stanisic und Konrad Laimer, die rechts wie links agieren können, plus der nach schwerer Verletzung (Kreuzbandriss) zurückgekehrte Alphonso Davies wirklich allerhöchsten internationalen Ansprüchen?
Bei Laimer läuft der Vertrag im Sommer 2027 aus, aktuell stecken die Verhandlungen über eine Fortführung der Zusammenarbeit aufgrund unterschiedlicher Gehaltsvorstellungen in der Sackgasse. Nur nach dieser Saison könnte man eine Ablöse für den Österreicher erzielen.
"Konny ist ein Spieler, den ich sehr schätze. Er ist für die Mannschaft extrem wichtig, genauso für die Außendarstellung des Vereins. Er arbeitet unheimlich viel für das Team", sagte Ehrenpräsident Uli Hoeneß bei "DAZN", ”aber er ist eben nicht Maradona. Und solche Spieler müssen akzeptieren, dass es Grenzen gibt."
Der Königstransfer - und damit viel mehr als ein Ersatz für Laimer - wäre es, Achraf Hakimi (27) von PSG wegzulocken. Den Weltklasse-Rechtsverteidiger mit Offensiv-Drang, eine Autorität für die Kabine, hat Vereinspatron Hoeneß höchstpersönlich (”Den würde ich nehmen, weil er bei uns gut reinpassen würde”) ins Spiel gebracht. Gelingt dieser Deal, wäre es eine symbolträchtige Botschaft an Paris: Wir kriegen Euch. Eines Tages. 

Kompany gibt sich kämpferisch: "Ich bin jetzt schon motiviert"

Doch am Mittwoch, da war es laut Trainer Kompany ”natürlich bitter”. Kompany wäre aber nicht Kompany, wenn er nicht sofort den Blick in die Zukunft richten würde: ”Die Mannschaft kennt mich. Ich kann nicht lange enttäuscht sein, bin jetzt schon motiviert. Es geht weiter. Die Champions League ist jetzt für uns vorbei, aber es kommt wieder ein Moment, es kommt wieder eine Möglichkeit. Ich habe die Hoffnung, dass wir es nächstes Jahr besser machen können. Wir werden es wieder versuchen. Und dann hoffe ich, dass einige der engen Schiedsrichter-Entscheidungen zu unseren Gunsten ausfallen werden."
Ganz ohne Spielglück und dem nötigen Dusel bei Entscheidungen in der Handspiel-Lotterie geht's eben nicht.
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Quelle: SID


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