Real Madrid bleibt erneut ohne Titel - Pérez rechnet nach Aus gegen Bayern mit "Versagern" ab: Der Mythos Real wankt
VonThomas Gaber
Update 17/04/2026 um 09:24 GMT+2 Uhr
Zum zweiten Mal hintereinander wird Real Madrid eine Saison ohne Titel beenden. Ein Desaster für den erfolgsverwöhnten Klub, dessen Chef die unbequeme Wahrheit den Spielern bereits mitgeteilt hat. Der Mythos Real gerät mächtig ins Straucheln, in den nächsten Monaten dürfte es ungemütlich werden bei den Königlichen. Trainer, Kader, Strukturen - alles steht auf dem Prüfstand.
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Quelle: Eurosport
Arda Güler wird den Mittwochabend in München nicht so schnell vergessen. Erst erzielte der 20-jährige Türke mit seinem linken Zauberfuß seine ersten beiden Champions-League-Tore. Beide von außerhalb des Strafraums - dies war in der Geschichte des erfolgreichsten Fußballklubs der Welt erst zwei Spielern in einer Königsklassen-Partie gelungen: Roberto Carlos und Cristiano Ronaldo.
Nach Abpfiff kassierte er die Rote Karte, weil er Schiedsrichter Slavko Vinčić verbal attackiert hatte. Und wenig später wurde er von Real-Päsident Florentino Pérez der Kabine verwiesen.
"Du gehst besser raus, damit du nicht bekommst, was hier gleich passieren wird", soll Reals Oberboss laut spanischen Medienberichten zu Güler gesagt haben.
Auf Social-Media-Videos ist zu sehen, wie Güler als einziger Real-Spieler die Kabine vorzeitig verlässt. Er war auch der einzige Real-Spieler, der von Pérez' Generalabrechnung verschont wurde.
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Quelle: Perform
Pérez poltert: "Ihr habt die Verantwortung nicht erfüllt"
Drinnen wurde es nämlich ungemütlich. Pérez legte los. "Ich danke euch für euren Einsatz, aber die Saison ist eine komplette Enttäuschung. Eine Saison ohne Titel ist ein Misserfolg. Zwei Saisons ohne Titel sind unerträglich und nicht zu akzeptieren", soll er gepoltert haben.
Und weiter: "Für Real Madrid zu spielen ist ein Privileg mit vielen Verantwortungen. Viele von euch haben sie nicht erfüllt." Zum Abschluss seines kurzen, aber knackigen Plädoyers soll der Satz gefallen sein: "Beendet wenigstens die Liga mit Würde."
Während die Spieler und Trainer Alvaro Arbeloa Vinčić zum Sündenbock für das Aus im Viertelfinale der Champions League auserkoren, gab der mächtige Pérez ihnen die alleinige Schuld.
Der Präsident war noch nie verlegen, wenn es darum ging, den sportlichen Ist-Zustand von Real Madrid kritisch zu hinterfragen. Pérez' knallhartes Credo lautet: Wer nicht liefert, ist raus. Ob Spieler oder Trainer - alle stehen auf dem Prüfstand.
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Real Madrid keine unerschütterliche Macht mehr
Zum zweiten Mal in Folge findet das Halbfinale der Königsklasse ohne die Königlichen statt - an sich schon ein Debakel. Die hohe Wahrscheinlichkeit, angesichts von neun Punkten Rückstand auf den FC Barcelona in der Liga und dem Pokal-Aus gegen Zweitligist Albacete zum zweiten Mal in Folge eine Saison ohne Titel zu beenden, stürzen den stolzen Klub in eine echte Krise.
"Das Ausscheiden in München mag unglücklich und ungerecht sein. Aber es markiert das Ende einer Horror-Saison für Real Madrid", hieß es in der Zeitung "Marca". "Trotz dreier Führungen und großer individueller Qualität ist die Mannschaft deutlich unter ihrem Potenzial geblieben. Der betriebene Aufwand war nicht groß genug, um die Defizite im Kollektiv zu kompensieren." Die "AS" lobte die Widerstandsfähigkeit in München, schränkte aber ein, dass dies "in dieser Saison viel zu selten der Fall war."
Das Aus in München ist das Ergebnis einer Entwicklung, die sich seit geraumer Zeit abzeichnet. Real Madrid wirkt nicht mehr wie jene unerschütterliche Macht, die Europa über Jahre dominiert hat.
Die Defensive ist anfällig, das Mittelfeld verliert zu oft die Ordnung und die Offensive lebt von Einzelaktionen, nicht von einem klaren Plan. Real Madrid hat immer auf Individualisten gesetzt, aber früher waren diese eingebettet in ein funktionierendes System, das aus dem Gleichgewicht geraten ist.
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Ballack über Real: "Nicht mehr das allerhöchste Niveau"
"Mir fehlt das Gefühl, dass Real Madrid jederzeit einen Gang hochschalten und ein Tor machen kann. Das ist nicht mehr das allerhöchste Niveau, andere Mannschaften in Europa sind besser. Real Madrid war immer mehr als nur kompakt stehen und dann schnell umschalten. Real Madrid war Glanz in allen Mannschaftsteilen. Sie brauchen wieder mehr Spielkontrolle, das hat sie immer ausgezeichnet. Aber dafür müssen sie sich verstärken", analysierte "DAZN"-Experte Michael Ballack.
Ein personeller Umbruch im Sommer gilt als sicher, über dessen Ausmaß entscheidet allein Pérez. Mindestens ein halbes Dutzend Spieler soll den Verein verlassen: David Alaba, Dani Carvajal, Rodrygo, Dani Ceballos, Fran Garcia und Ferlan Mendy werden in den Medien am häufigsten erwähnt.
Aller Voraussicht nach sind auch die Tage von Arbeloa gezählt. Der Trainer hat einen angeschlagenen Boxer übernommen, der es aber nicht geschafft hat, sich aus den Seilen zu befreien. "Arbeloa wird sicherlich derjenige sein, der den Preis dafür bezahlen muss", sagte Real-Legende Jorge Valdano.
Pérez träumt nach wie vor von Klopp
In der Mannschaft ist Arbeloa im Gegensatz zu Vorgänger Xabi Alonso anerkannt, das dürfte ihn aber nicht vor einer Entlassung bewahren. "Es geht nicht um mich, sondern um den Verein. Ich werde mit allen Entscheidungen des Vereins umgehen", sagte Arbeloa nach dem Drama von München.
Als Nachfolger soll Pérez in erster Linie mit Jürgen Klopp liebäugeln. Zudem sind Didier Deschamps, der nach der WM 2026 als französischer Nationaltrainer aufhört, und Mauricio Pochettino im Gespräch.
Wer auch immer den Zuschlag erhält - derjenige muss sofort Titel liefern. Nach dem Scheitern von Wunschkandidat Xabi Alonso sollte der nächste Schuss sitzen, sonst droht Real Madrid auf europäischem Terrain temporär etwas den Anschluss zu verlieren.
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