BVB erinnert im DFB-Pokal an den FC Bayern München: Immer Glück ist Können

Normale Siege macht Borussia Dortmund im DFB-Pokal nicht mehr. Sowohl gegen Greuther Fürth als auch Union Berlin muss Marco Reus den BVB in der 120. Minute vorm Elfmeterschießen retten. Überhaupt ist die Liste an Spielen, die Dortmund durch späte oder sehr späte Tore in richtige Bahnen lenkte, bereits beträchtlich lang. Nur Glück? Gewiss nicht. Der BVB nähert sich dem FC Bayern München an.

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Da stand er nun, Hände in den Hüften, leichter Ausfallschritt, 72.732 Augenpaare und jene von Rafal Gikiewicz auf sich zentriert. 190 Zentimeter Lebensgröße als Duellant in der Nachspielzeit der Verlängerung im DFB-Pokal, ein Elfmeter vor dem Elfmeterschießen, das lässt auch Berufsfußballer nicht unberührt.
Marco Reus schnaufte durch.
Und dann knallte er den Ball halt rein.
"Es ist eine schöne Situation, vor allem zu Hause, den Elfmeter zu schießen", sagte der Kapitän von Borussia Dortmund nach dem 3:2 (2:2, 1:0) über Union Berlin, das eine sonderbare Dortmunder Duplizität der Ereignisse beschwor: Schon in der ersten Pokalrunde hatte Reus in der 120. Minute zum BVB-Sieg getroffen, bei Greuther Fürth damals, 2:1.
Sie sollten ihr Glück besser nicht überstrapazieren. "Es war nicht unser bestes Spiel", sagte Reus über Union, das sich als ausgesprochen unbequemer Widerpart entpuppte. "Es war sehr schwer gegen diese Mannschaft", seufzte Lucien Favre.

Leverkusen, Augsburg, Brügge, Fürth, Union…

Sieben Neue hatte der BVB-Trainer in die Startelf berufen, in Zeiten der Dauerbelastung reguliert Favre seine Ressourcen. Zumindest beabsichtigte er das; dann aber erzwang Union durch Sebastian Polter (63./88.) die Verlängerung, Christian Pulisic (40.) und Maximilian Philipp (73.) waren für Dortmund erfolgreich. Die eingewechselten Reus, Axel Witsel und Jadon Sancho halfen, eine Lotterie unter freiem Himmel zu verhindern. "Am Ende sind wir durch, nur das zählt", sagte Favre.
Und, übrigens: Mit dem Glück ist das so eine Sache.
Marwin Hitz lobte den BVB für Coolness, die in der Bundesliga gegen Hertha BSC (2:2) noch vermisst wurde. "Wie die Mannschaft ruhig geblieben ist, zeigt ihre Klasse", fand Hitz, der Roman Bürki im Tor vertreten durfte. Julian Weigl, ein weiterer Rotationsprofiteur, bilanzierte Borussias Situation:
Die Liste an Spielen, die Dortmund durch Comeback-Mentalität, Willen und, ja, Fortunas Gnaden in richtige Bahnen lenkte, ist bereits beträchtlich. 4:2 nach 0:2-Rückstand gegen Leverkusen, 4:3 gegen Augsburg in der 96. Minute, Ausgleich gegen Hoffenheim in der 84. Minute, Siegtor in Brügge fünf Minuten vor Schluss; dazu Fürth und Union, zwei Last-Second-Entscheider.
Sowas erinnert verdächtig an den FC Bayern, der es über Jahrzehnte zu einer Art patentierten Merkmalsausprägung erhob, immer dann zuzuschlagen, wenn sich der Rivale nicht mehr rühren kann. Sprich: sehr spät. Es passt, dass Bayern-Unikum Hermann Gerland das Ganze mal auf einen netten Nenner komprimierte: "Immer Glück ist Können."

BVB bringt sich für Gipfel gegen Bayern in Stellung

Insofern nähert sich Dortmund den Bayern an, sonst sind beide Teams aktuell schwer zu vergleichen - was freilich eher am Tiefdruckgebiet aus München liegt. Am 10. November steigt das ewig attraktive Gipfeltreffen, FCB bei BVB, vorher warten Wolfsburg (Samstag) und Atlético (Dienstag) auf Dortmund.
Noch immer sind die Schwarz-Gelben unter Favre ungeschlagen, 14 Pflichtspiele jetzt, Vereinsrekord von Thomas Tuchel eingestellt. "Wir müssen uns daran gewöhnen, gegen solche Mannschaften zu spielen und bessere Lösungen finden", sagte Favre zum Union-Kraftakt. "Wir haben manchmal zu kompliziert gespielt. Aber insgesamt war es in Ordnung."
Und ein bisschen glücklich.
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