Es gab Freudentränen, Jubelschreie, Umarmungen und Huldigungen am Donnerstagabend nach dem 4:1 von Borussia Dortmund im DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig. Schwarz-gelbe Euphorie um Wahnsinnstyp Erling Haaland, Legende Lukasz Piszczek und mittendrin: Edin Terzic. Der 38-Jährige, der laut BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke als Trainer eine "halbtote Mannschaft wieder zum Leben erweckt hat".
Am Ende des Abends und auch am Tag danach steht eine Erkenntnis im Vordergrund: Das war eine Riesenleistung.
Natürlich kamen die Fragen nach der Zukunft von Terzic sofort und mischten sich immer wieder in die Feierstimmung hinein. Klar, die Zukunft scheint aus aktueller Sicht tatsächlich ungewiss. Formal ist sie es vielleicht nicht, Terzic besitzt in Dortmund einen langfristigen Vertrag, doch realistisch irgendwie auch nicht. Der Titel-Trainer soll wirklich zurück ins zweite Glied als Assistent von Marco Rose, der im Sommer aber auch noch zwei Assistenten mitbringen wird? Hmm.
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Terzic selbst und die BVB-Bosse versuchten das Thema erstmal wegzuschieben. Auf negative Schwingungen hatte von ihnen verständlicherweise keiner Lust, und in der Bundesliga wartet mit der Mission "Champions League Qualifikation" schließlich noch eine Herausforderung, die keine Störfeuer verträgt.

Terzic schiebt Zukunftsthema weg

"Wir als Trainerteam, alle die mitgearbeitet haben, dass wir wieder in die Spur kommen, haben uns das verdient, diesen Abend zu genießen", sagte Terzic in der "ARD". "Ich bitte euch: Das ist ein Tagesgeschäft, wir bekommen ständig auf die Fresse, wenn es nicht läuft, jetzt gönnt uns doch einfach den Abend, um das zu genießen."

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Terzic und seine Mannschaft - es war gegen Leipzig deutlich erkennbar, dass daraus eine echte Liebe beziehungsweise Einheit geworden ist. "Wir haben ihm immer unterstützt", merkte BVB-Kapitän Marco Reus an. Daran, dass das überhaupt möglich ist, hatte es nach Niederlagen gegen Union und Freiburg in der Liga reichlich Zweifel gegeben. Verteidiger Mats Hummels wurde ausgelacht, als der danach sagte, das Team sei auf einem guten Weg. Jetzt wird klar: Er hatte recht. Zum Saisonende ist der BVB physisch robust, psychisch voll auf der Höhe. Es wäre keine Überraschung, wenn die CL-Quali nun auch noch gelänge.
"Der Knackpunkt war das Spiel in Sevilla. Da haben wir gesehen, zu was wir als Mannschaft in der Lage sind, wenn wir den Gegner stressen und hart verteidigen", blickte Terzic zurück. Es ist seine Handschrift, seine Philosophie. Für diese steht er mit seinen Namen nun. Das werden auch andere Vereine registriert haben.
Wenn Rose im Sommer kommt, trägt er ohnehin eine schwere Bürde. Als Ur-Borusse ist Terzic bei den Fans sowieso beliebt. Nach dem Pokalgewinn ist sein Ansehen noch einmal stark angestiegen. Ein schwacher Start unter Rose in die neue Saison, schon würde eine Diskussion aufkommen, ob es nicht doch besser gewesen wäre, Terzic als Cheftrainer zu behalten.

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Watzke steht weiter zu Rose

Watzke baute schon einmal vor und verteidigte die Entscheidung für Rose: "Wir sind von Marco Rose total überzeugt. Das war von vornherein mit Edin abgesprochen, da gibt es überhaupt keine Probleme." Gleichzeitig würde er Terzic bei einem Wechselwunsch keine Steine in den Weg legen. Terzic habe bezüglich seiner Zukunft "den Schlüssel in der Hand", betonte Watzke weiter. "Wenn der Edin was anderes machen will, dann reden wir mit ihm." Das klingt nicht danach, dass er auf einen Verbleib pocht. Auch die Aussage von Sportdirektor Michael Zorc dazu klang eher weich: "Es ist geplant, dass er weiter zum Trainerteam gehört und ich gehe davon aus, dass es auch so kommt."
Wovon sicher auch alle ausgehen: Terzic wird sich die bereits vorliegenden Anfragen anderer Klubs sicher anhören. Vermutlich macht eine Trennung am Saisonende für alle Beteiligten am meisten Sinn. Denn am Ende des denkwürdigen Pokalabends war nach der Erkenntnis im Vorder- auch eine im Hintergrund versteckt: Terzic ist kein Assistenztrainer mehr und wird es auch nicht mehr werden.
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