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Lehren aus dem Argentinien-Spiel: Die Kinderkrankheiten bleiben

Lehren aus dem Argentinien-Spiel: Die Kinderkrankheiten bleiben

10/10/2019 um 12:07Aktualisiert 10/10/2019 um 12:08

Die deutsche Nationalmannschaft feiert angesichts von 13 Ausfällen mit dem 2:2 (2:0) gegen Argentinien einen Achtungserfolg. Bundestrainer Joachim Löw beweist beim Zusammenbasteln seiner Verlegenheitself durchaus Geschick und urteilt danach milde über seine Rasselbande. Dennoch bleibt ein altes Problem, das in der Vergangenheit schon Punkte gekostet hat.

Von der Nationalmannschaft berichtet Patrick Strasser

Fünf Feldspieler hatte die Nationalmannschaft beim Testländerspiel gegen Argentinien auf der Auswechselbank, zwei davon, mit Marco Reus und Ilkay Gündogan, waren angeschlagen, nicht wirklich einsetzbar. Zwei weitere, Nadiem Amiri und Suat Serdar, echte DFB-Greenhorns ohne jegliche Länderspiel-Minute. Zudem Sebastian Rudy, der Rückkehrer in der Not.

Dann saßen da noch die Torhüter Manuel Neuer, der Kapitän im Pause-Modus, und Bernd Leno, die Nummer drei. Alles recht übersichtlich.

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Kein Abend der Notnägel

Ein Abend der Notnägel in Dortmund? Nein, dieses Wort, das zuletzt Thomas Müller aus dem Munde seines Trainers Niko Kovac beim FC Bayern über sich ergehen lassen musste, wollte niemand aussprechen.

"Sehr positiv, wie sich die wenig erfahrenen Spieler gezeigt haben", lobte Löw die insgesamt vier Debütanten Luca Waldschmidt, Robin Koch und die eingewechselten Amiri und Serdar:

"Die Zuschauer haben ein unterhaltsames und schnelles Spiel gesehen. Natürlich ärgert es einen immer, wenn man ein 2:0 noch verspielt."

Wegen zu vieler Ballverluste sei man, so Löw, "ins Schwimmen gekommen". Er habe sich "noch ein bisschen mehr Ruhe gewünscht, aber diesmal muss man das ein wenig nachsehen".

Milde für die Rasselbande, die mit ihrer forschen und frechen Spielweise Erinnerungen weckte an jenes Perspektiv-Team, das 2017 in Russland den Confed Cup gewann.

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Die Kinderkrankheiten bleiben

Nach den sehenswert herausgespielten Toren von Serge Gnabry und Kai Havertz gab man die Führung in der zweiten Halbzeit noch aus der Hand - 2:2. Also doch mangelnde Reife in einer Startelf, die auf 15,5 Nationalelf-Einsätze im Schnitt kam?

"In der zweiten Halbzeit sind wir viel hinterhergelaufen und kriegen hintenraus die Tore", bemängelte Joshua Kimmich, der in seinem 45. Länderspiel erstmals von Beginn an Kapitän sein durfte.

Joshua Kimmich als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft

Joshua Kimmich als Kapitän der deutschen NationalmannschaftGetty Images

Der erfahrenste DFB-Akteur auf dem Platz sprach eine Selbstanklage aus: "Das ist uns jetzt leider schon öfter passiert." Folgenschwer, da mit Punktverlust bestraft in der EM-Qualifikation gegen die Niederlande.

Und dennoch waren viele gute Ansätze zu sehen in Dortmund, das hob der zufrieden gestimmte Bundestrainer gerne hervor:

"In der ersten Halbzeit waren wir sehr mutig, beherzt, haben viel Tempo in den Aktionen gehabt und auch gut verteidigt. Das war richtig gut."

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Gnabry, Waldschmidt, Brandt: Der Sturm überzeugt

Vor allem dank des Dreier-Sturms in nie dagewesener Kombination: Gnabry, Waldschmidt und Julian Brandt. Sie ließen die begeisterten Fans das Fehlen der etablierten Reus, Timo Werner und Leroy Sané vergessen.

Wenn es am Sonntag in Tallinn gegen Estland, das alle seine bisherigen Partien auf dem Weg zur Euro 2020 verloren hat, weitergeht, dürfte Reus zurückkehren, eventuell auch Gündogan und Werner, wenn sie ihre Fitnesstests bestehen. Für die Pflichtaufgabe im Pflichtspiel setzt Löw auf Erfahrung.

Marco Reus im Trikot der DFB-Elf

Marco Reus im Trikot der DFB-ElfGetty Images

Im Tor steht dann wieder Bayerns Neuer, der Kapitän. Für Marc-André ter Stegen, seinen Stellvertreter und Herausforderer, war dessen erster Einsatz im DFB-Trikot über volle 90 Minuten seit 13 Monaten wenig zufriedenstellend. Der Torwart des FC Barcelona konnte sich nicht wirklich auszeichnen, war bei den Gegentoren chancenlos. Ter Stegen:

"Für mich ist wichtig, meine Spiele zu spielen. Wenn du nicht spielst, kannst du dich nicht zeigen."

Womit er das Motto des Abends aussprach.

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