Ein Sieg ist immer wichtig. Insbesondere wenn am Ende des olympischen Fußballturniers eine Medaille herausspringen soll. Doch dieser 3:2-Erfolg gegen Saudi-Arabien am Sonntag war für das deutsche Team von Trainer Stefan Kuntz schon mal Gold wert.
Er lieferte die wichtigste Erkenntnis überhaupt und brachte einen Hoffnungsschimmer, an dem sich Deutschland nun orientieren kann.
"Das Positive ist, dass die Mannschaft das letzte Korn hergibt, bevor sie aufgibt", sagte der zuständige Bundestrainer, der sein DFB-Team nun auf ein Gruppen-"Endspiel" gegen die Elfenbeinküste (Mittwoch, 10:00 Uhr im Liveticker) vorbereiten muss. Siegen ist Pflicht. Die Deutschen sind aktuell mit drei Punkten Dritter und stehen damit hinter Brasilien und der Elfenbeinküste, die jeweils vier Zähler aufweisen.
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Kuntz fügte an: "Man hat gesehen, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollten. Es hat immer noch nicht alles funktioniert, aber die wichtigste deutsche Eigenschaft hat gestimmt, die Leidenschaft war da. Wir haben gekämpft bis zum Umfallen, einige waren wirklich kurz davor. Jeder hat alles gegeben, das war ein Willenssieg."

Personalprobleme bei Deutschland noch verschärft

Erst Felix Uduokhai (75.) hatte in einer hektischen Schlussphase für den ersehnten ersten Sieg gesorgt. Vor allem die nicht eingespielte Abwehr offenbarte zuvor ungeahnte Löcher. Auch die zweimalige Führung durch Nadiem Amiri (11.) und Ragnar Ache (43.), die schon drei Tage zuvor beim 2:4 gegen Brasilien getroffen hatten, brachte keine Ruhe. Zu allem Überfluss hatte Amos Pieper (67.) noch die Rote Karte wegen einer Notbremse gesehen.

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Piepers Platzverweis vergrößert die ohnehin schon großen Personalsorgen. Auch gegen die Ivorer, die Topfavorit Brasilien am Sonntag ein 0:0 abtrotzten, stehen Kuntz nur 14 (!) Feldspieler zur Verfügung - höchstens. Gegen Saudi-Arabien musste Marco Richter am Schluss angeschlagen auf den Rasen, Torhüter Svend Brodersen machte sich für einen Einsatz als Feldspieler warm. Zustände wie auf einem Sommerturnier eines Kreisligisten.
"Für den Notfall wären wir gerüstet gewesen. Auch im dritten Spiel werde ich nicht alle Auswechslungen nutzen können", kündigte Kuntz bereits an, der bekanntlich nur 18 statt der erlaubten 22 Spieler mit nach Tokio nehmen konnte - mehr fanden sich nicht.
Selbst DFB-Direktor Oliver Bierhoff bedauerte die mangelnde Bereitschaft von Spielern und Vereinen. "Ich hätte mir mehr Unterstützung für Stefan und sein Team gewünscht. Wir vertreten bei Olympia unser Land und den deutschen Fußball, und das Turnier kann für die Persönlichkeitsentwicklung der Spieler viel bedeuten", sagte er der "Welt am Sonntag".

Elfenbeinküste wird zum Charaktertest

Schon das Duell mit der Elfenbeinküste wird nun zu einem solchen Charaktertest, für den sich immerhin Torschütze Amiri sich und seine Kollegen gewappnet sieht: "Wenn du so Spiele wie gegen Saudi-Arabien gewinnst, gibt dir das mehr Kraft als ein 3:0 oder 4:0."
Hoffnung ruht auch weiterhin auf Max Kruse. Der Routinier in der Offensive, der am TV-Mikro mit einem Heiratsantrag für seine Freundin überraschte, hat noch viel Luft nach oben. Möglich, dass ihm das "Ja-Wort" darauf noch einen Push gibt.
Auch wenn die Vorzeichen schlecht stehen: Der Glaube an den Erfolg, an die Mannschaft, an eine Medaille, besteht noch.
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