Jürgen Klopp war am vergangenen Sonntagabend bester Laune. Nach dem Spiel bei Crystal Palace stapfte der Reds-Trainer die wenigen Stufen des Mannschaftsbusses herunter und versorgte einige der wartenden Liverpool-Fans mit Bier. Diese untermalten die lässige Geste des ehemaligen Dortmunders mit Gesängen und Jubel.
Klopps Heiterkeit war freilich eng damit verbunden, dass sein Team kurz zuvor 3:1 gegen die Eagles gewonnen und somit den überraschenden Patzer von Manchester City tags zuvor in Southampton (1:1) eiskalt genutzt hatte. Die Reds, die derzeit eine Liga-Partie weniger bestritten haben als der himmelblaue Konkurrent, rangieren nun "nur" noch neun Punkte hinter Pep Guardiolas Überfliegern auf Platz zwei.
Aus sportlicher Sicht war es um Liverpool in der jüngeren Vergangenheit etwas ruhiger geworden. ManCity avancierte zum Maß aller Dinge, während der Traditionsklub von der Mersey ein Schattendasein fristete. Besonders zwischen dem 19. Dezember und dem 2. Januar gewann Liverpool keine seiner drei Premier-League-Begegnungen (zwei Remis, eine Niederlage) und ließ somit auf die Citizens, die ihrerseits von Sieg zu Sieg eilten, abreißen.
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Nach dem 0:1 bei Leicester City zum Jahresabschluss hakte Klopp die Meisterschaft quasi ab. "Wenn wir so spielen wie heute, dann müssen wir gar nicht daran denken, Man City einzuholen", sagte der 54-Jährige.

Vermeintliche Corona-Welle legt Liverpool lahm

Erschwerend hinzu kam, dass der LFC in jener Zeit von einer vermeintlichen Corona-Welle heimgesucht wurde. Nachdem das Virus bei Klopp und einigen Spielern festgestellt worden war, musste sich auch Co-Trainer Pep Lijnders in Quarantäne begeben. Das Halbfinal-Hinspiel im Ligapokal gegen den FC Arsenal (0:0), das eigentlich für den 6. Januar anberaumt worden war, wurde infolge der etlichen Positivfälle verschoben.
Später stellte sich heraus, dass es sich bei einer großen Anzahl der Tests um falsch-positive Ergebnisse gehandelt hatte. Klopp, ebenfalls von einem falsch-positiven Test betroffen, sorgte bei einer Pressekonferenz für Klarheit.
"Wir hatten in der letzten Woche einen großen Corona-Ausbruch. Doch es zeigte sich jetzt, dass wir viele falsche positive Ergebnisse hatten." Einzig Trent Alexander-Arnolds positives Testergebnis sei korrekt gewesen.

Keine Ermittlungen gegen Liverpool

Bei den anderen Vereinen sorgte Klopps Geständnis offenbar für Irritationen, "The Athletic" berichtete seinerzeit, dass Liverpool möglicherweise frühzeitig über die falsch-positiven Tests informiert gewesen sei und dementsprechend gegen Arsenal hätte antreten können.
Sogar von Ermittlungen seitens der englischen Fußballliga und einer möglichen Strafe wurde geschrieben.
Kurz darauf gab die EFL bekannt, dass sie keinen Regelverstoß festgestellt habe.

Salah und Mané fehlen, Reservisten springen in die Bresche

Inmitten der prekären, teils unübersichtlichen Lage, wurde Klopp mit einer weiteren Problematik konfrontiert, die zwar abzusehen war, aber auf die fußballerische Qualität seiner Mannschaft einprasselte: Die beiden Superstars Mohamed Salah (Ägypten) und Sadio Mané (Senegal) mussten aufgrund des Afrika-Cups abgestellt werden, das Offensiv-Duo reiste zum Kontinental-Turnier nach Kamerun.
Doch Klopp, der die Terminierung des Afrika-Cups und die daraus resultierende Abstinenz von Salah und Mané schon vor Monaten angeprangert hatte und von einer "Katastrophe" sprach, trotzte sämtlichen Widrigkeiten. In der dritten Runde des FA Cups konnte er sich auf seine Reservisten verlassen, die den unterklassigen Klub Shrewsbury Town 4:1 abfertigten, im nachgeholten Ligapokal-Hinspiel sprang gegen die Gunners immerhin ein torloses Remis heraus.

Alex Oxlade-Chamberlain

Fotocredit: Getty Images

Beim 3:0 in der Premier League über Brentford sprangen die Salah- und Mané-Vertreter Alex Oxlade-Chamberlain sowie Takumi Minamino in die Bresche, das Ligapokal-Rückspiel gewannen Klopps Mannen 2:0 und machten somit den Finaleinzug perfekt, ehe das bereits skizzierte 3:1 gegen Crystal Palace folgte.
Sprich: Seit der kleinen Sieglos-Serie hat Liverpool zurück in die Spur gefunden, die letzten fünf Pflichtspiele nicht verloren. Obwohl der Rückstand in der englischen Beletage auf ManCity bereits enorm ist, dürfen sich die Reds nach wie vor Hoffnungen machen, dass das letzte Wort im Meisterrennen noch nicht gesprochen ist. Die Skyblues sind nämlich ganz offensichtlich auch nicht gänzlich unfehlbar, wie das 1:1 am vergangenen Wochenende gegen Southampton gezeigt hat.

Liverpool voll im Soll

Grundsätzlich spielt Liverpool eine bislang mehr als ordentliche Saison und ist bezüglich seiner Ziele voll im Soll. Neben dem Ligapokal-Finale steht die Mannschaft planmäßig in der vierten Runde des FA Cups, darüber hinaus stand in der Champions-League-Gruppenphase, in der man sich mit Atlético Madrid, Milan und dem FC Porto namhafter Gegner ausgesetzt sah, die Maximal-Punkteausbeute von 18 Zählern und somit der souveräne Einzug ins Achtelfinale zu Buche.
Dennoch scheint der Klopp-Hype auf der Insel, der zwischenzeitlich im Königsklassen-Triumph 2019 gipfelte und ein Jahr später mit dem Gewinn der englischen Meisterschaft seinen bisherigen Höhepunkt fand, etwas abgeflaut zu sein.
Eine Aufholjagd in der heimischen Liga könnte den Zug wieder ins Rollen bringen. Klopp würde sich in diesem Fall wohl nur allzu gerne wieder als Bier-Verteiler hergeben.
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