Der Jubel im Mutterland des Fußballs kannte keine Grenzen mehr.
Gerade einmal etwas mehr als drei Monate ist es her, als die Three Lions im EM-Achtelfinale nicht nur die Titelhoffnungen der Deutschen Nationalmannschaft, sondern gleichzeitig auch die Ära Joachim Löw beendeten.
Mitverantwortlich dafür war Raheem Sterling, der England beim späteren 2:0-Erfolg mit seinem Führungstreffer im Wembley-Stadion auf die Siegerstraße brachte. Ausgerechnet Sterling!
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Der 26-Jährige galt lange Zeit auch aufgrund von Falschinformationen - er habe bereits mit 19 Jahren drei oder vier Kinder gehabt, in Wahrheit war es eins - und Hetzkampagnen, auch rassistischer Natur, als das Feindbild der englischen Fans.
Hinzukam, dass der Linksaußen auf Vereinsebene für Manchester City regelmäßig Topleistungen zeigte, wohingegen er im Trikot der Three Lions einiges schuldig blieb. Von 2015 bis 2018 musste "The Hated One", der Gehasste, wie sich Sterling 2016 einst selbst bezeichnete, gar drei Jahre lang auf einen Treffer im Nationaltrikot warten.

Raheem Sterling (England) im EM-Achtelfinale gegen Deutschland

Fotocredit: Getty Images

Sterling bei City plötzlich außen vor

Doch damit sollte bei der EM Schluss sein. Sterling avancierte mit drei Turniertreffern zu einer Art Publikumsliebling und sorgte dafür, dass die Auswahl von Trainer Gareth Southgate bis ins Endspiel (2:3 n.E. gegen Italien) vordrang.
Jenen Aufschwung wollte der Flügelflitzer nun an auch in die kommende Spielzeit bei City mitnehmen - doch plötzlich drehte sich der Wind in Manchester.
Ähnlich wie zum Ende der vergangenen Spielzeit sah sich der gebürtige Jamaikaner auch zu Beginn der neuen Saison größtenteils mit einem Platz auf der Bank konfrontiert. Lediglich in zwei von sieben Ligaspielen kam er von Beginn an zum Einsatz (ein Treffer). Ausgerechnet in jenen beiden Partien bleib City tor- und sieglos - wie beim 0:2 im Champions-League-Topspiel gegen Paris Saint-Germain.
"Sterling ist möglicherweise einer dieser Spieler, die jede Woche spielen müssen, um das Beste aus sich herauszuholen. Guardiolas Faibel für Rotation im Angriff hat jedoch dazu geführt, dass er oftmals nur von der Bank kam und Probleme hatte, Leistungen auf konstant hohem Niveau zu zeigen. Dadurch ist er letztlich in der Hackordnung immer weiter nach unten gerutscht. Es ist fast wie ein Teufelskreis", erklärt Fußball-Experte Ibrahim Mustapha von Eurosport UK in London.

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Sterling: Harte Kritik an Guardiola

Zuletzt bekamen im von Pep Guardiola präferierten 4-3-3-System häufig Ferran Torres, Riyad Mahrez, Gabriel Jesus, Phil Foden oder Neuzugang Jack Grealish in der offensiven Dreierreihe den Vorzug. Besonders Letztgenannter genießt auch aufgrund der Rekordablöse von 120 Millionen Euro eine Art Sonderstatus, wie Mustapha weiter ausführt.
"City und Guardiola werden auch weiterhin den Fokus darauf legen, Grealishs Entwicklung voranzutreiben und ihm so viel Spielzeit wie möglich zu geben. Dies machte es für Sterling nicht leichter, sich in die Startelf zurückzukämpfen", so der Eurosport-Experte.
Guardiola selbst wollte die zuletzt aufkommenden kritischen Stimmen rund um die Personalie Sterling nicht auf sich sitzen lassen und hob zuletzt die Wichtigkeit des Briten hervor. "Raheem hat ein unglaublich hohes Level erreicht und genau das ist das Level, das wir regelmäßig von ihm brauchen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er das hinbekommen wird und ich bin optimistisch, dass er eine gute Saison spielen wird", lautete das Fazit des 50-Jährigen.
Harsche Kritik hagelte es für den ehemaligen Bayern-Trainer dagegen von Rio Ferdinand, der die Degradierung Sterlings bei "FIVE" nicht nachvollziehen konnte: "Auf ihn war in den vergangenen Jahren immer Verlass, wenn City dringend ein Tor brauchte. Plötzlich versauert er auf der Bank. Ich bin einfach verblüfft, ich verstehe es nicht."

Raheem Sterling - Manchester City

Fotocredit: Getty Images

Sterling: Wechsel als Ausweg?

Bleibt Sterling somit nur ein Wechsel als Ausweg, um dem "Teufelskreis" zu entfliehen?
Zuletzt machten Spekulationen die Runde, dass der finanziell angeschlagene FC Barcelona Interesse an einem Leihgeschäft hat. Auch der FC Arsenal soll Medienberichten zufolge einem Transfer nicht abgeneigt sein. "Wenn ein Angebot kommt und Sterling den Verein verlassen möchte, wird City ihm wohl nicht im Weg stehen", kündigt Mustapha an.
Zunächst einmal geht es für den 26-Jährigen, dessen Vertrag noch bis 2023 datiert ist, aber wieder zur Nationalmannschaft, wo die Three Lions am Samstag in der WM-Qualifikation bei Zwergstaat Andorra antreten müssen.
Zweifelsohne eine willkommene Abwechslung für den Linksaußen nach turbulenten ersten Saisonwochen in Manchenster - auch wenn er von etwaigen Glanzmomenten wie im EM-Achtelfinale gegen Deutschland aktuell weit entfernt zu sein scheint.
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