Englands Experten kannten keine Gnade.
"Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, was ein Spieler zu diesem Zeitpunkt der Saison machen könnte", eröffnete TV-Experte und Liverpool-Ikone Graeme Souness seine Schimpftirade gegen Chelsea-Angreifer Romelu Lukaku. Der Belgier hatte vor wenigen Tagen in einem unautorisierten Interview mit "Sky Sports Italia" öffentliche Kritik an Trainer Thomas Tuchel geübt.
"Er hat diesen Unsinn von sich gegeben. Das ist absolut respektlos. Es schadet Chelsea und dem Trainer. Er hat die Grenze mehr als überschritten. Das ist so, als würde er in die Umkleidekabine kommen und sagen: 'Ich will nicht mehr mit euch zusammen sein.' Ich würde sagen: 'Nun, wenn es dir nicht gefällt, da ist die verdammte Tür. Du kannst gehen'", führte der 68-Jährige gegenüber "Sky Sports" aus.
Premier League
"Absolut respektlos!" England-Legenden gehen auf Lukaku los
03/01/2022 AM 08:41
Obwohl Lukaku beim teils berauschenden Premier-League-Topspiel am Sonntag gegen den FC Liverpool (2:2) gar nicht auf dem Platz stand (Suspendierung), blieb der belgische Angreifer auch im Anschluss das vorherrschende Thema rund um die Stamford Bridge.

Lukaku-Suspendierung: Unterstützung für Tuchel

Zu brisant waren die Aussagen, zu denen sich der 28-Jährige zuletzt hinreißen ließ.
"Mir geht es körperlich gut, aber ich bin nicht zufrieden mit meiner Situation bei Chelsea. Ich denke, der Trainer hat entschieden, mit einem anderen System zu spielen", erklärte Lukaku und brachte gleichzeitig eine Rückkehr zu seinem Ex-Klub Inter Mailand ins Gespräch, von wo er im vergangenen Sommer für die Rekordablöse von 115 Millionen Euro den Weg nach London fand.
Passend dazu entdeckten einige aufmerksame Anhänger, dass auf der Facebook-Seite des Angreifers in dessen Biografie nach wie vor die Beschreibung "Inter Mailand" zu lesen ist.
Wenig überraschend kamen jene verbalen Fehltritte nicht besonders gut bei Tuchel und seinem Trainerteam an ("Brauchen wir nicht"), weshalb der ehemalige BVB-Coach Lukaku für das Topspiel gegen Liverpool suspendierte. Eine durchaus harte Maßnahme, die auf der Insel jedoch durchaus Anklang fand.
"Es ist eine wegweisende Entscheidung von Tuchel, Lukaku aus dem Chelsea-Kader zu streichen. Aber im langfristigen Interesse des Vereins ist es die richtige", schlug sich der ehemalige englische Nationalstürmer Michael Owen auf die Seite des 48-Jährigen.
Kein Spieler sei "wichtiger als der Klub. Wenn man bei jemandem angestellt ist, kann man nicht solche Dinge sagen", ergänzte Owen bei Twitter.

Schock-Wechsel von Lukaku? Chelsea-Star vor Abschied

Chelsea: Sturmflaute ohne Lukaku?

Fakt ist, dass Tuchel seine Macht mit jener mutigen Entscheidung gestärkt hat. Der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund machte damit seinen Schützlingen deutlich, dass ein derartiges Verhalten nicht toleriert und ernste Konsequenzen haben wird.
Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine dauerhafte Nichtberücksichtigung oder gar ein vorzeitiger Abschied Lukakus, der in 18 Saisonspielen sieben Treffer erzielte und mit seiner Urgewalt Platz für sich selbst oder seine Mannschaftskollegen schafft, ein Schlag ins Kontor für die Offensive der Blues wäre.
Zumal sich mit Timo Werner (fünf Tore in 14 Partien) derzeit nur noch ein weiterer nomineller Mittelstürmer im Kader befindet. Bei einem Weggang Lukakus im Winter - trotz Vertrag bis 2026 - müsste Chelsea um Klub-Boss Roman Abramowitsch das Festgeldkonto anzapfen, um einen adäquaten Ersatz an Land zu ziehen.
Der Wunschstürmer scheint - wie von vielen anderen europäischen Topklubs - dem Vernehmen nach Erling Haaland von Borussia Dortmund zu sein. Allzu viel Hoffnung auf eine Verpflichtung sollten sich die Fans des amtierenden Champions-League-Siegers laut Fußball-Experte Pete Sharland von Eurosport in London jedoch nicht machen.
"Sollte der Gehaltspoker in den kommenden Wochen ins Unermessliche steigen, wird sich Chelsea zurückziehen", ist sich der Eurosport-Experte sicher.

Timo Werner - FC Chelsea

Fotocredit: Getty Images

Tuchel glättet Wogen am Sonntag

Mit etwaigen Gedankenspielen wollte sich Tuche nach dem Remis gegen Liverpool jedoch nicht beschäftigen. Im Gegenteil: Der ehemalige Bundesliga-Trainer versuchte gar die Wogen zu glätten: "Er ist unser Spieler, er bleibt unser Spieler, wir werden unseren Spieler immer schützen."
Man müsse erst einmal die Situation bewerten und "verstehen, was er gesagt hat und warum er es gesagt hat", sagte Tuchel. "Ich treffe Entscheidungen nicht in meinem Büro. Ich habe Spieler, die ich anhöre und deren Meinungen ich mir anhöre. Es ist ihr Klub und ihr Team. Ich nehme das nicht persönlich", zeigte sich Tuchel vor dem Gespräch am Montag wenig nachtragend.
Nun stehen die Türen für den Belgier an der Stamford Bridge wieder offen. Am Montag trainierte der Angreifer mit der Mannschaft. Das angekündigte Gespräch mit den Verantwortlichen im Anschluss soll konstruktiv verlaufen sein, wie der "Guardian" berichtet. Tuchel bestätigte auf der Pressekonferenz vor dem Stadtderby: "Lukaku hat sich entschuldigt und ist zurück im Kader."

Neue Chance für Lukaku

Auch am Bekenntnis des belgischen Mittelstürmers zu den Blues habe der 48 Jahre alte Krumbacher "keine Zweifel". Außerdem versuchte Tuchel, das Thema herunterzuspielen: "Es ist nicht so groß, wie manche Menschen es gerne hätten", sagte der Chelsea-Coach auf der Pressekonferenz.
Sowohl Tuchel als auch Lukaku haben augenscheinlich Interesse, die Posse hinter sich zu lassen. Den Informationen des "Guardian" zufolge habe die einflussreiche Sportdirektorin Marina Granovskaia offenbar großen Anteil daran gehabt, die Differenzen auszuräumen.
Nun wird Lukaku bereits am Mittwoch im League-Cup gegen Tottenham Hotspur (20:45 Uhr im Liveticker) in den Kader zurückkehren. Lukaku erhält also die Chance, sportlich zu beweisen, dass sein Wechsel im Sommer kein Fehler war. Weder für ihn, noch für Chelsea.
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