Die Bilder dürften nicht nur Fußballfans noch deutlich vor Augen sein. Als die Pandemie im Frühjahr dieses Jahres in Mitteleuropa heftig wütete, war Italien mit am stärksten betroffen. Besonders der Norden, genauer die Lombardei rund um Bergamo, hatte schwer mit dem Coronavirus zu kämpfen.

Dass im Zuge der Eindämmung der "ersten Welle" auch die Serie A einen Notstopp einlegte, war sowohl folgerichtig, als auch notwendig.

Serie A
Ronaldo positiv getestet: Schwester wittert Verschwörung
15/10/2020 AM 05:52

Und nun scheint alles wieder von vorne los zu gehen. Am 14. Oktober verzeichnete Italien 7332 Neuansteckungen mit dem Virus - so viele wie niemals zuvor. Auch viele Fußballer sind betroffen.

In der höchsten Spielklasse allein wiesen am Donnerstagmorgen über 30 Profis einen positiven Test auf. Darunter auch Superstar Cristiano Ronaldo.

Laientheater bei Juventus gegen Napoli

Politik und Sport sind gefordert. Einigkeit über den Umgang mit dieser beunruhigenden Entwicklung scheint es aber nicht zu geben. Ganz im Gegenteil: Italiens Fußball gibt derzeit ein jämmerliches Bild ab.

Beweisstück A: Als der SSC Neapel am Sonntag vor einer Woche nicht zum Spitzenspiel bei Juventus in Turin erschien, wirkten die Szenen, die sich im Stadion abspielten, wie ein weltfremdes Laientheater.

Die Juve-Profis erschienen in Trainingsanzügen, einige testeten fachmännisch den Rasen auch die Aufstellung wurde verkündet. Für ein paar wenige Zuschauer wurde die übliche Stimmungsmusik gespielt - angepfiffen wurde die Partie aber nie. Nach 45 Minuten meldete der Schiedsrichter, dass die Neapel-Spieler nicht eingetroffen seien.

Serie A kennt keine Gnade

Die lokalen Gesundheitsbehörden hatten dem Klub die Abfahrt nach Turin verboten, weil kurz vor der Abreise zwei Spieler aus dem Kader des zweimaligen Meisters positiv auf COVID-19 getestet worden waren. SSC-Klubboss Aurelio De Laurentis hatte eine Verschiebung beantragt. Ohne Erfolg.

Die Liga bestand auf eine Austragung und verwies auf die Statuten. Laut den Protokollen dürfen Spiele erst verlegt werden, wenn einem Klub nach COVID-19-Erkrankungen weniger als 13 Profis zur Verfügung stehen oder zehn Corona-Fälle in einer Woche auftreten. Beides war in Napolis Mannschaft nicht der Fall.

Das Sportgericht wertete die Partie nun mit 3:0 für Juventus und zog dem nicht angereisten Pokalsieger obendrein noch einen seiner sechs bislang gesammelten Punkte ab. "Höhere Gewalt" sei als Begründung nicht zulässig, argumentierte man. Neapel kündigte Berufung an.

Doppelte Aufregung um Quarantäne von Cristiano Ronaldo

Die Frage der Schuld an diesem Chaos soll hier keine Rolle spielen. De Gesundheitsbehörden, die Liga, das Sportgericht, Juventus Turin und der SSC Neapel - alle werden stichhaltige Begründungen dafür finden, richtig gehandelt zu haben. Ein verheerendes Signal ist es trotzdem.

Genau wie all das, was sich in diesen Tagen rund um Superstar Cristiano Ronaldo entspinnt - Beweisstück B. Wieder ist Juventus - das Aushängeschild der Liga - mittendrin.

Vor gut einer Woche wurde nämlich bekannt, dass die Turiner Gesundheitsbehörden bei der Staatsanwaltschaft sieben Profis der Alten Dame gemeldet hatten.

Grund: Bruch der Quarantäneregeln im Anschluss an zwei positive Tests bei Vereinspersonal.

Portugal-Trainer Santos: So geht es Ronaldo

Angeblich hatten Ronaldo, Paulo Dybala, Rodrigo Bentancur, Danilo, Juan Cuadrado, Gianluigi Buffon und Merih Demiral das Hotel verlassen. Die erstgenannten fünf, um sich ihren Nationalmannschaften anzuschließen. Buffon und Demiral fuhren nach Hause.

Bei der Seleção wurde dann auch Ronaldo positiv getestet - allerdings erst nachdem er bereits bei den Länderspielen gegen Spanien (0:0) und Frankreich (0:0) zum Einsatz gekommen war. Trotzdem flog er zurück nach Turin, um die nun erst recht geltende Quarantäne dort zu absolvieren. Ein Vorgang, der Fragen aufwirft, auch wenn Juve mit einem Statement reagierte.

"Cristiano Ronaldo kehrte auf eigenen Wunsch mit einem von den zuständigen Gesundheitsbehörden genehmigten Ambulanz-Flug nach Italien zurück und wird seine Isolation in seinem Haus fortsetzen", erklärte man.

Schwester von Cristiano Ronaldo wittert Corona-Verschwörung

Zu allem Überfluss goss Ronaldos Schwester Katia Aveiro in einem Instagram-Post weiteres Öl ins Feuer.

"Wenn Cristiano Ronaldo derjenige ist, der die Welt aufrütteln muss, dann muss ich sagen, dass dieser Portugiese wirklich von Gott gesandt ist. Danke!", schrieb die 44-Jährige und sprach im Zusammenhang mit der Pandemie vom "größten Betrug, den ich, seitdem ich geboren wurde, gesehen habe".

Konkreter wurde Aveiro nicht.

Liga und Politik sind gefordert

Klar ist derzeit nur: In dieser zunehmend unübersichtlichen Situation müssen die Entscheidungsträger in Politik und Sport Ruhe bewahren. Sie müssen einen Kurs finden, der in weniger Verwirrung und mehr Klarheit resultiert. Dem Fußball kommt hier - wegen seiner Strahlkraft - eine Sonderrolle zu.

Ob der für kommendes Wochenende terminierte Spieltag in der Serie A wie geplant ausgetragen werden kann, steht in den Sternen. Erneut scheinen Härtefälle wie beim SSC Neapel möglich. Die Liga kämpft um Ordnung, scheint im Duell mit der Pandemie aber mehr und mehr den Überblick zu verlieren.

Angesichts des drohenden wirtschaftlichen Schadens ist dies logischerweise eine schwere Aufgabe. Ihre erfolgreiche Bewältigung ist aber elementar. Auch damit sich die Bilder aus dem Frühjahr im Winter nicht wiederholen.

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