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WM 2022: Marokko schreibt mit Viertelfinal-Sieg gegen Portugal Geschichte - erster WM-Halbfinalist aus Afrika
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Publiziert 10/12/2022 um 17:55 GMT+1 Uhr
Marokko hat als erste afrikanische Nation das Halbfinale einer Fußball-WM erreicht. Die Löwen vom Atlas besiegten Portugal im Viertelfinale der WM 2022 in Katar 1:0 (1:0). Youssef En-Nesyri traf per Kopf (42.). Bei den Portugiesen wurde Cristiano Ronaldo in der zweiten Halbzeit eingewechselt (51.), blieb aber blass. Die Seleção verpasste den dritten Halbfinal-Einzug nach 1966 und 2006.
Pepe wettert nach WM-Aus gegen argentinischen Schiedsrichter
Quelle: MagentaTV
Vor 44.198 Zuschauern im Al Thumama Stadium in Doha veränderte Marokko seine Startelf auf zwei Positionen: Bayern-Verteidiger Noussair Mazraoui war aufgrund einer Verletzung zum Zuschauen verdammt, auch Nayef Aguerd von West Ham United musste aufgrund einer Blessur passen.
Portugal wechselte im Vergleich zum 6:1-Sieg gegen die Schweiz einmal und brachte Ruben Neves von Beginn an für William Carvalho. Cristiano Ronaldo blieb erneut zunächst nur der Platz auf der Bank.
Die Iberer starteten mit viel Power und kamen direkt zur ersten Möglichkeit. Eine Flanke von halbrechts von Bruno Fernandes landete auf dem Kopf von João Félix, Marokko-Torwart Bono wehrte den Versuch aus zehn Metern zur Ecke ab (5.). Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit entwickelte sich ein rassiger Schlagabtausch, ohne die ganz großen Torchancen.
Drei Minuten vor dem Pausenpfiff nutzten die Löwen vom Atlas dann einen dicken Patzer von Diogo Costa zum Führungstreffer: Bei einer Flanke über links von Yahia Attiyat Allah griff der Schlussmann des FC Porto ins Leere, Youssef En-Nesyri köpfte den Ball aus sechs Metern Entfernung ins verwaiste Tor (42.).
Portugal kam immerhin noch zur besten Chance im ersten Abschnitt durch Bruno Fernandes: Eine Mischung aus Schuss und Flanke von der rechten Strafraumkante küsste die marokkanische Querlatte (45.).
Zu Beginn des zweiten Abschnittes verpassten es die Nordafrikaner, direkt nachzulegen. Jawad El Yamiq verlängerte eine Flanke von Hakim Ziyech per Hinterkopf, Costa riss im letzten Moment noch die Arme hoch (49.). Spätestens nach der Einwechslung von Ronaldo (51.) entwickelten auch die Iberer mehr Druck nach vorne. Sturmpartner Gonçalo Ramos setzte einen Kopfball auf Höhe des Elfmeterpunktes nur knapp rechts neben das Tor (58.).
Portugals Druck nahm zu, doch die Löwen vom Atlas blieben weiterhin standhaft. Bis tief in die zweite Halbzeit verteidigte die Elf von Walid Regragui den eigenen Strafraum konsequent.
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Ballack hält flammendes Plädoyer für Ronaldo: "Das ist nicht fair!"
Quelle: MagentaTV
In der Schlussphase überschlugen sich dann fast die Ereignisse. Erst scheiterte Ronaldo aus acht Metern an Bono (90.+1), daraufhin wurde der eingewechselte Walid Cheddira innerhalb von zwei Minuten erst mit Gelb verwarnt (90.+1) und dann mit Gelb-Rot vom Platz geschickt (90.+3).
Schließlich hatte der ebenfalls eingewechselte Zakaria Aboukhlal die Entscheidung auf dem Fuß, sein schwacher Chipball landete aber genau in den Armen von Costa (90.+5). Portugals verzweifelte letzte Angriffe prallten indes alle ab, Marokko überstand die Nachspielzeit schadlos und ließ den Traum vom WM-Halbfinale wahr werden.
Am kommenden Mittwoch trifft man im WM-Halbfinale auf Frankreich (20:00 Uhr im Liveticker), das England 2:1 besiegte. Cristiano Ronaldos Traum vom WM-Titel wird dagegen unerfüllt bleiben - sein 22. WM-Spiel dürfte das letzte gewesen sein, 2026 wäre er 41.
Die Stimmen zum Spiel:
Walid Regragui (Nationaltrainer Marokko): "Wir spielen nicht den schönsten Fußball der Weltmeisterschaft, aber dafür mit umso mehr Herz. Wir haben das Tor gemacht und dann mit ganzem Herzen unser Tor verteidigt. Es ist sehr schwer, uns zu knacken. Die Heimat, die arabische Welt und Afrika geben uns Energie, so viele Menschen stehen hinter uns. Wir haben heute für Afrika Geschichte geschrieben. Als erste afrikanische Mannschaft im Halbfinale zu stehen, ist außergewöhnlich. Wir haben einen Spirit erschaffen, der die Menschen dieses Kontinents glücklich macht. Afrika ist auf der Landkarte des Fußballs. Wir haben unser Kapital genutzt, wir waren ein Team, wir hatten die Mentalität."
Fernando Santos (Nationaltrainer Portugal): "Bei einer WM auszuscheiden, tut immer weh. Wir haben lange gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Wir haben es nicht geschafft. Meine Spieler haben hart gearbeitet. Jetzt sind sie traurig und enttäuscht. Wenn wir zwei Leute rauspicken, die sich am meisten ärgern, sind das Cristiano und ich. Wir haben die Niederlage nicht verdient, aber so ist Fußball. Ich habe bereits mit dem Verbandspräsidenten gesprochen. Wenn wir nach Portugal zurückkehren, werden wir mit Ernsthaftigkeit und aller Ruhe über meinen Vertrag sprechen. Rücktritt gehört nicht zu unserem Vokabular."
Abdelhamid Sabiri (Marokko): "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wir sind im Halbfinale einer Weltmeisterschaft mit Marokko, einem Land, dem das niemand zugetraut hat. Jetzt streben wir nach mehr. Wir sind so weit gekommen und wollten endlich mal den Bock umstoßen als afrikanisches Team, das haben wir heute geschafft und darüber sind wir überaus glücklich. Jedes Spiel bei dieser WM mit den marokkanischen Fans ist gefühlt ein Heimspiel."
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Sabiri erklärt Marokkos historischen Coup: Das war der Schlüssel
Quelle: MagentaTV
Pepe (Portugal): "Wir haben das Spiel eigentlich gut kontrolliert, aber wir haben es nicht geschafft, ein Tor zu schießen. Wir wissen, dass wir jeden Gegner der Welt schlagen können, aber heute hat es nicht geklappt. Es kann nicht sein, dass ein Argentinier unser Spiel pfeift. Das kann nicht der richtige Mann sein. Acht Minuten Nachspielzeit - das war viel zu wenig."
Sofiane Boufal (Marokko): "Alles, was wir erreicht haben, haben wir verdient. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich nur darüber rede. Es ist wirklich erstaunlich. Viel Glück an Frankreich, ich hoffe wir treffen auf sie im Halbfinale. Das wäre wirklich fantastisch."
Rúben Dias (Portugal): "Wir haben alles gegeben. In solchen Momenten ist es vor allem wichtig, weitere Erfahrungen zu sammeln. Wir haben eine junge Generation an Spielern mit viel Qualität. Wir müssen Vertrauen haben, nichts davon wird verloren gehen."
Der Tweet zum Spiel:
Noch nie zuvor konnte ein Vertreter des afrikanischen Kontinents das Halbfinale bei einer Weltmeisterschaft erreichen. Zuvor waren Kamerun (1990), der Senegal (2002) und Ghana (2010) im Viertelfinale gescheitert.
Das fiel auf: Schiedsrichter Facundo Tello mit langer Leine
Nach 98 spannenden Minuten wurde Marokkos Traum vom Halbfinale endlich wahr. Über die gesamte Spieldauer hatten die Nordafrikaner einen beeindruckenden Fight hingelegt. Zur umkämpften Partie passte auch die sehr gute Schiedsrichterleistung vom Argentinier Facundo Tello. Bis zur 70. Minute kam der Referee gänzlich ohne Verwarnung aus, ließ die Spieler an der langen Leine. Das sorgte für einen hohen Spielfluss und viel Tempo. Die kritischen Szenen im Strafraum bewertete er zügig und korrekt. Auch die etwas dämliche Gelb-Rote Karte von Walid Cheddira ging in Ordnung - auch wenn sich die Portugiesen hinterher über seine Spielführung aufregten.
Die Statistik: 3
Yassine "Bono" Bounou spielte als erster afrikanischer Torhüter in der Geschichte zum dritten Mal zu Null bei einer Weltmeisterschaft. Bisher hat Marokko nur ein Gegentor in fünf Spielen kassiert (beim 2:1 gegen Kanada).
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