WM - Drei offene Fragen bei der deutschen Nationalmannschaft nach Gruppensieg: Muss Joshua Kimmich zurück ins Zentrum?

Die deutsche Nationalmannschaft steht bei der WM nach zwei Siegen und dem vorzeitigen Gruppensieg perfekt da - und doch bleiben vor der K.o.-Phase einige Fragezeichen. Besonders die Rolle von Kapitän Joshua Kimmich sorgt für Diskussionen. Auch im Mittelfeld und in der Offensive drängen sich dank Super-Joker Deniz Undav personelle Entscheidungen auf. Diese drei Fragen beschäftigen die DFB-Auswahl.

Amiri feiert Matchwinner Undav: "Killer vorm Tor"

Quelle: Perform

Einzig die Hiobsbotschaft um die Verletzung und das WM-Aus von Nico Schlotterbeck trübt die Stimmung im deutschen Lager ein Stück weit. Aus sportlicher Sicht läuft es derweil weiterhin nahezu perfekt.
Zwei Siege in zwei WM-Spielen, Nehmerqualitäten bewiesen und den Gruppensieg vorzeitig unter Dach und Fach gebracht - langsam rollt die schwarz-rot-goldene Euphoriewelle an.
"Wir sind alle wie auf einem fliegenden Teppich", schwärmte "MagentaTV"-Experte Jürgen Klopp nach dem emotionalen 2:1-Sieg am späten Samstagabend gegen die Elfenbeinküste.
Selbst Uli Hoeneß, als langjähriger Kritiker von Julian Nagelsmann bekannt, ließ es sich nicht nehmen, dem Bundestrainer und seiner Mannschaft ein Extralob auszusprechen.
"Man muss festhalten, dass Deutschland kämpferisch Unglaubliches geleistet hat", sagte Bayern Münchens Ehrenpräsident bei "MagentaTV", betonte jedoch: "Es sind aber noch schwere Brocken bis zum Titel."
Eine treffende Einschätzung - zumal beim DFB-Team trotz des punktetechnisch perfekten WM-Starts noch nicht alles Gold ist, was glänzt.
Diese drei Fragen beschäftigen die Nationalmannschaft vor der K.o.-Runde.
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Quelle: MagentaTV

Muss Kimmich zurück ins Zentrum?

Nagelsmann redete gar nicht erst um den heißen Brei herum.
"Wir müssen einfach früher verteidigen", sagte der Bundestrainer, angesprochen auf das Gegentor gegen die Elfenbeinküste. "Wir machen es eigentlich super, weil wir nur eine Seite zu verteidigen haben. Leider attackieren wir ein bisschen zu spät. Und dann wird es schwer, wenn er (Yan Diomande; Anm. d. Red.) ins Laufen kommt."
Obwohl er ihn nicht namentlich erwähnte, dürfte sich vor allem DFB-Kapitän Joshua Kimmich angesprochen gefühlt haben. Der Rechtsverteidiger hatte gegen den schnellen Diomande einen schweren Stand und wurde in der ersten Halbzeit ein ums andere Mal vom 19-Jährigen überlaufen. Erst im zweiten Durchgang stabilisierte sich der 31-Jährige.
"Wenn er (Kimmich; Anm. d. Red.) nicht die Schnelligkeit hat, muss er schon näher an der Grundlinie stehen", mahnte Ex-Freiburg-Trainer Christian Streich im "ZDF".
Auch wenn Kimmichs Stellungsfehler aufgrund des Doppelpacks von Deniz Undav nicht entscheidend ins Gewicht fiel, stellt sich dennoch die Frage, was passieren würde, wenn er Topstars wie Vinícius Júnior oder Désiré Doué regelmäßig gegenübersteht. Schließlich reicht seine Erfahrung gegen absolute Topgeschwindigkeiten nicht immer aus, um seine Tempodefizite zu kaschieren.
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Der pfeilschnelle Yan Diomande (r./Elfenbeinküste) bereitete DFB-Kapitän Joshua Kimmich Probleme

Fotocredit: Getty Images

Gerade gegen spielstärkere Gegner könnte Nagelsmann darüber nachdenken, Kimmich wieder auf seiner angestammten Position im zentralen Mittelfeld einzusetzen.
Eine mögliche Alternative wäre, den flinken Nathaniel Brown von der linken Seite auf die rechte Seite zu ziehen. Genau diese Rolle bekleidete er in der abgelaufenen Saison bei Eintracht Frankfurt bereits vereinzelt. An Browns Stelle würde David Raum auf der linken Abwehrseite nachrücken.
Im Test gegen die USA (2:1) sowie im ersten Gruppenspiel gegen Curaçao (7:1) testete Nagelsmann zudem Waldemar Anton für insgesamt 36 Minuten als Rechtsverteidiger. Allerdings bringt auch er, ähnlich wie Kimmich, im Vergleich zu Brown deutliche Tempodefizite mit und hat darüber hinaus beim BVB keine Partie über die volle Distanz als Rechtsverteidiger bestritten.
Die Kimmich-Frage dürfte weiter ein heißes Thema bleiben, schließlich werden auf die deutsche Nationalmannschaft, wie auch Nagelsmann weiß, früher oder später stärkere Gegner zukommen.

Muss Pavlovic für Goretzka weichen?

Was sich in Teilen gegen Curaçao angedeutet hat, wurde auch gegen die Elfenbeinküste noch einmal deutlich: Das DFB-Team bekommt das Zentrum nicht richtig geschlossen.
"Wir haben ganz viel Spielraum für Verbesserungen gelassen. Diese Umschaltmomente auf Defensive zum Beispiel", analysierte Klopp treffend.
Bereits im ersten Gruppenspiel gegen Curaçao wurden Schwächen in der Rückwärtsbewegung offengelegt, woraus das zwischenzeitliche 1:1 resultierte.
Gegen die Elfenbeinküste schafften es Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha beim Gegentor erneut nicht schnell genug, das Zentrum zu schließen und sich den zweiten Ball zu sichern.
Ein Stück weit liegt das in der Natur der Sache: Sowohl Pavlovic als auch Nmecha, der abgesehen davon erneut ein herausragendes Spiel zeigte, sind eher Achter als Sechser und suchen eher den Weg nach vorne, anstatt Räume konsequent abzudecken.
Besonders der Münchner Pavlovic tat sich am Samstag gegen den körperlich sehr robusten Gegner schwer und bekam das Spiel in der Zentrale nicht in den Griff.
Neben dem gesetzten Nmecha könnte es daher durchaus Bewegung auf der Doppelsechs geben. Neben einer Rückkehr von Kimmich ins Zentrum wäre auch die Hereinnahme von Leon Goretzka denkbar.
Der 31-Jährige, der nach seinem Aus beim FC Bayern auf der Suche nach einem neuen Verein ist, bekam gegen die Elfenbeinküste erneut Minuten und sorgte mit einer Rettungstat in der 88. Minute beim Stand von 1:1 für Begeisterung.
"Er hat kein Spiel gespielt, das in seine persönliche Historie eingehen wird. Er hatte keine 20 Aktionen gehabt. Aber wenn er bei der größten Chance der Elfenbeinküste nicht da ist, ist eigentlich alles verloren. Das war wirklich herausragend", schwärmte Klopp anschließend.
Gut möglich also, dass auf Goretzka schon bald eine größere Rolle zukommen könnte.
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DFB-Retter: Leon Goretzka (l.) stoppte Simon Adingra (r./Elfenbeinküste) in der Schlussphase entscheidend

Fotocredit: Getty Images

Müssen die Super-Joker von Beginn an ran?

Nagelsmann wusste bereits nach Abpfiff, was nach dem Doppelpack von Matchwinner Undav auf ihn zukommen wird. "Jetzt beginnen wieder die Fragen, ob er von Beginn an spielt", prophezeite der 38-Jährige.
Es ist das Dauerthema, das Fußball-Deutschland aktuell in Atem hält: Darf der Torjäger vom Dienst nach seinen fünf Scorerpunkten (drei Tore, zwei Vorlagen) in 56 WM-Minuten endlich von Beginn an ran oder muss er weiter die Jokerrolle bekleiden?
Während sich die Experten der Szene munter den Kopf darüber zerbrechen, wie man den Stuttgarter am besten einsetzen kann, gab sich Nagelsmann diesbezüglich diplomatisch. Es sei "nicht ausgeschlossen", dass Undav im Gruppenfinale gegen Ecuador (Donnerstag, 22:00 Uhr live im Ticker) starten wird.
Doch nicht nur der Stuttgarter drängt in die Startelf, auch dessen Teamkollege Jamie Leweling, der am Samstag nach seiner Einwechslung für Schwung sorgte, sowie Nadiem Amiri, der den 1:1-Ausgleich vorbereitete, scharren schon mit den Hufen.
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Jamie Leweling (l.) und Nadiem Amiri sorgten gegen die Elfenbeiküste für die Wende

Fotocredit: Getty Images

"Gegen die Elfenbeinküste war nicht alles perfekt. Der Trainer hat einige Punkte, über die er mit der Mannschaft sprechen muss - auch offensiv", bilanzierte Klopp.
Da wäre zum Beispiel die lange Zeit fehlende Durchschlagskraft der offensiven Dreierreihe um Florian Wirtz, Jamal Musiala und Leroy Sané.
Gerade Letzteren nahm Nagelsmann jedoch einmal mehr in Schutz. "Leroy hat wieder viel probiert, viel gemacht. Man muss immer den Spielertypen in Verbindung mit dem Rasen sehen", sagte er und betonte: "Immer ins Eins-gegen-eins zu gehen, ist schwierig auf dem trockenen Platz."
Fakt ist aber auch, dass jenes Trio nur an zwei der insgesamt neun DFB-Toren direkt beteiligt war und Leweling und Amiri eine Extra-Portion Power auf den Platz brachten, die zuvor etwas gefehlt hatte.
Das aus deutscher Sicht glanzlose Gruppenspiel gegen Ecuador zum Abschluss gibt also viel Raum für Experimente.
Möglicherweise mit positiven Erkenntnissen, sodass die schwarz-rot-goldene Euphoriewelle anhält.
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Klopp voll des Lobes für Undav: "Das hat perfekt funktioniert"

Quelle: MagentaTV


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