WM 2026 - Schiedsrichter-Problem bei der FIFA? Die Weltmeisterschaft und das Referee-Thema: "Einfach nicht gut genug"
Update 09/07/2026 um 10:28 GMT+2 Uhr
Nicht nur spektakuläre Spiele oder Überraschungen sorgen bei der WM 2026 für Gesprächsstoff, auch die Schiedsrichter stehen regelmäßig nach den K.-o.-Spielen im Mittelpunkt. Fragwürdige VAR-Eingriffe, fehlende Konsequenz und harsche Kritik von Experten und Trainern werfen die Frage auf, ob die FIFA trotz ihres aufwendigen Auswahlverfahrens ein Problem mit der Qualität und Linie ihrer Referees hat.
Ägypten-Trainer nach Aus: "Uns ist Unrecht widerfahren"
Quelle: Perform
Jonathan Tah jubelte bereits. Deutschland glaubte im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay an den späten Siegtreffer in der Verlängerung, ehe Schiedsrichter Jalal Jayed den Treffer nach einem VAR-Eingriff wieder einkassierte.
Sekunden später standen nicht mehr das Tor oder die deutsche Leistung im Mittelpunkt, sondern die Entscheidung des Schiedsrichtergespanns. "Für mich orientieren sich beide zum Ball", erklärte der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Lutz Wagner in der "ARD" über die Szene: "Eher macht der Torwart Orlando Gill eine Bewegung zu Waldemar Anton."
Es war eine Szene, die sinnbildlich für diese Weltmeisterschaft steht. Denn längst sind es nicht mehr nur einzelne Pfiffe, die für Diskussionen sorgen.
Kaum eine K.-o.-Partie vergeht, ohne dass Schiedsrichter oder Videoassistenten im Mittelpunkt stehen. Mal geht es um fragwürdige VAR-Eingriffe, mal um eine fehlende Linie oder – wie zuletzt mehrfach – um den Vorwurf, die Kontrolle über ein Spiel verloren zu haben.
WM 2026: Schiedsrichter werden zum Dauerthema
Natürlich gehören Fehlentscheidungen zum Fußball. Auch der VAR wird nie jede Situation zweifelsfrei auflösen können. Auffällig ist bei dieser Weltmeisterschaft jedoch etwas anderes: Die Kritik richtet sich längst nicht mehr gegen einzelne Entscheidungen, sondern gegen die Konstanz der Spielleitungen insgesamt.
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Ilgiz Tantashev wurde von Experte Patrick Ittrich scharf kritisiert
Fotocredit: Getty Images
Das zeigte sich eindrucksvoll im Achtelfinale zwischen Paraguay und Frankreich. Dort rückte erneut Paraguay in den Mittelpunkt – diesmal allerdings wegen zahlreicher Unsportlichkeiten, die weitgehend ungeahndet blieben.
Immer wieder provozierten die Südamerikaner ihre Gegenspieler, reklamierten lautstark und überschritten mehrfach die Grenze des Erlaubten. Selbst ein offensichtlicher Faustschlag gegen Kylian Mbappé blieb ohne Platzverweis.
Für den früheren Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich war das Urteil eindeutig. Der Usbeke Ilgiz Tantashev habe einen "kompletten Kontrollverlust" erlitten, das Spielmanagement sei "komplett in die Hose gegangen". Es sei "die schlechteste Schiedsrichterleistung dieser WM" gewesen.
Tuchel wütet: "Schiedsrichter sind einfach nicht gut genug"
Die Kritik kommt dabei längst nicht nur von Schiedsrichterexperten. Auch Trainer äußern inzwischen öffentlich Zweifel an der Qualität der Spielleitungen. Nach Englands 3:2-Erfolg über Mexiko im Achtelfinale fand Thomas Tuchel deutliche Worte.
"Die Schiedsrichter sind einfach nicht gut genug, die vierten Offiziellen sind einfach nicht gut genug. Das ist das Fazit", polterte Englands Nationaltrainer bei der "BBC". Vor allem die Rote Karte gegen Jarell Quansah sorgte für Diskussionen. Tuchel störte sich insbesondere daran, wie der VAR zum Einsatz kam. "Ich hoffe wirklich, sie haben die Rote Karte nicht aufgrund eines Standbildes gegeben", sagte der 52-Jährige.
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Thomas Tuchel beschwerte sich nach dem Achtelfinale über den Schiedsrichter
Fotocredit: Getty Images
Dabei betreibt die FIFA bei der Auswahl ihrer Schiedsrichter eigentlich einen enormen Aufwand. In den Statuten ist fest verankert, dass Referees keinerlei Verbindung zu den beteiligten Nationen oder Verbänden haben dürfen.
Darüber hinaus setzt der Weltverband auf sein Qualitätsprinzip "Quality First". FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina und Schiedsrichterdirektor Massimo Busacca stellen den WM-Kader über einen Zeitraum von rund drei Jahren zusammen.
Auch bei Argentinien-Spiel Schiedsrichter im Zentrum
Die Referees werden in nationalen und internationalen Wettbewerben kontinuierlich beobachtet, regelmäßig geschult sowie medizinisch und athletisch überprüft. Voraussetzung für eine WM-Nominierung ist zudem mehrjährige Erfahrung auf höchstem nationalen Niveau.
Wie emotional die Debatte inzwischen geführt wird, zeigte schließlich auch das Achtelfinale zwischen Argentinien und Ägypten.
Nach einer 2:0-Führung verloren die Nordafrikaner noch mit 2:3 – Trainer Hossam Hassan sprach anschließend sogar von einem "manipulierten Spiel" und wütete, man habe Weltmeister Argentinien bewusst im Wettbewerb halten wollen.
Collina weist Vorwürfe zurück
Mehrere Entscheidungen von Schiedsrichter François Letexier wurden kontrovers diskutiert. Vor allem unmittelbar vor dem argentinischen Siegtreffer fühlten sich die Ägypter benachteiligt. Sie reklamierten ein Trikotziehen an Hamdy Fathy und damit einen fälligen Strafstoß. Patrick Ittrich teilte diese Einschätzung bei "MagentaTV": "Man sieht, wie am Trikot gezogen wird. Für mich ist das ein Strafstoß."
FIFA-Schiedsrichterboss Pierluigi Collina wies die Vorwürfe aus Ägypten indes zurück. "Unbegründete Anschuldigungen haben in unserem Sport keinen Platz", sagte der Italiener: "Niemand kann behaupten, dass Schiedsrichterentscheidungen von irgendjemandem beeinflusst werden können, nicht einmal vom FIFA-Präsidenten."
Öffentlich schmähende Kritik an den Schiedsrichtern verurteilte er. Diese könne "Reaktionen hervorrufen, die zu Drohungen gegen sie und ihre Familien führen. Das ist nicht richtig", sagte er.
Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch. Klar ist: Die FIFA wird Fehlentscheidungen niemals vollständig verhindern können. Genau dafür wurde der VAR schließlich eingeführt. Doch wenn bei einer Weltmeisterschaft weniger über Tore, Taktik und große Momente als über Pfiffe, Eingriffe und Regelauslegungen gesprochen wird, sollte das dem Weltverband zu denken geben. Denn die besten Schiedsrichter sind am Ende jene, über die nach dem Abpfiff niemand spricht.
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Quelle: Perform
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