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Olympia 2024 Paris - IOC-Präsident Thomas Bach wegen Russland-Frage in Erklärungsnot: "Wie können Sie damit schlafen?"
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Publiziert 23/03/2023 um 17:17 GMT+1 Uhr
Die Entscheidung in der Russland-Frage soll in der kommenden Woche fallen. Präsident Thomas Bach verteidigte die IOC-Linie - und stieß auf heftigen Widerstand. "Wie können Sie damit schlafen?", fragte etwa der polnische Generalkonsul Jakub Wawrzyniak in Richtung Bach. Keine Frage, die Debatte um die Rückkehr russischer und belarussischer Athlet/innen spaltet längst nicht mehr nur die Sportwelt.
IOC-Präsident Thomas Bach
Fotocredit: Getty Images
Thomas Bach hatte genug vom Frage-und-Antwort-Spiel, bei dem er nur noch verlieren konnte. "Ich weiß nicht, ob wir das künstlich verlängern müssen", sagte der IOC-Präsident, fand aber kein Gehör.
Sein Gastgeber in der Essener Philharmonie ließ drei weitere Einlassungen zu, auch die des polnischen Generalkonsuls Jakub Wawrzyniak, der Bach angesichts der sportpolitischen Dimension des Krieges in der Ukraine fragte: "Wie können Sie damit schlafen?"
Die Debatte um die Rückkehr russischer und belarussischer Athletinnen und Athleten in die olympische Familie spaltet längst nicht mehr nur die Sportwelt. Sie ist zu einem Politikum geworden und wird nicht nur im Ruhrgebiet hochemotional geführt.
Immerhin kündigte Bach, der am Mittwochabend in Essen von 150 Demonstrierenden unfreundlich empfangen wurde, eine Entscheidung des IOC bei der kommenden Exekutivsitzung an.
Bach warnte vor dem "Zerfall des internationalen Sportsystems"
"Warten Sie bis Mitte nächster Woche. Ich bin zuversichtlich, dass wir dann mit entsprechenden Leitlinien kommen werden", sagte er und versicherte, wie schwer sich das IOC die Arbeit mache. Dies sei "keine beneidenswerte Aufgabe", denn: Bei allem Verständnis für das "unfassbare Leid" durch die "menschenverachtenden Verbrechen" kennt Bachs viel beschworene Solidarität mit der Ukraine Grenzen.
Von seiner Argumentationslinie rückte Bach nicht ab: Weder die UN- noch die olympische Charta ließen Diskriminierung von Athletinnen und Athleten aufgrund ihrer Herkunft zu. Bach warnte vor dem "Zerfall des internationalen Sportsystems", er verwies auf die weltweite Mehrheit für die Wiedereingliederung mit Blick auf die Spiele 2024 in Paris. Und überhaupt: Im Tennis funktioniere die friedliche Ko-Existenz zwischen Ukrainern, Russen und Belarussen doch ganz hervorragend.
Das mag Bach in der Olympia-Zentrale in Lausanne so zugetragen werden, die Realität jedoch sieht anders aus: Die Ukrainerin Marta Kostyuk brach nach einem Match gegen eine Russin, das Bach auch in Essen als leuchtendes Beispiel verkaufte, weinend zusammen und verweigerte den Handschlag, ihre Landsfrau Lesia Tsurenko trat gegen Aryna Sabalenka gar nicht erst an. Eine Panikattacke habe sie kaum noch atmen lassen.
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IOC-Präsident Thomas Bach
Fotocredit: Getty Images
Tennis-Szene wegen Russland-Frage in Aufruhr
Sabalenka selbst, Gewinnerin der Australian Open und als Belarussin wie vom IOC gewünscht neutralisiert, spricht von "Hass". Die Russin Anastasia Potapova provozierte im Trikot des Fußballklubs Spartak Moskau. Branchenführerin Iga Swiatek aus Polen beklagte die mangelnde Unterstützung der ukrainischen Spielerinnen. Die Szene ist in Aufruhr. Und Bachs Argumentation bröckelt.
Ein vom DOSB in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zur Frage der Diskriminierung zieht die IOC-Behauptung der Alternativlosigkeit in Zweifel. Rechtsprofessorin Patricia Wiater von der Universität Erlangen-Nürnberg sieht mehrere "legitime Gründe" für einen Ausschluss - auch "friedenspolitische", indem "einer kriegspropagandistischen Instrumentalisierung von Sportereignissen" entgegengewirkt wird.
"Das IOC nimmt die Position des DOSB zur Kenntnis", sagte ein Sprecher der Ringe-Organisation dem "SID". Nur: "Was die Auslegung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen betrifft, so vertraut das IOC auf die Interpretation durch die dafür eigens bestellten UN-Sonderberichterstatterinnen." Diskussion beendet.
Rückkehr russischer und belarussischer Athlet/innen: Es bleiben Fragen offen
Der Weg ist bereitet, die Frage ist nicht mehr, ob Russen und Belarussen während der Angriffe ihres Regimes auf die Zivilbevölkerung in der Ukraine auf die Sportbühne zurückkehren, sondern nur noch: wie? Strenge Neutralität, keine aktive Unterstützung des Krieges und die Einhaltung des Anti-Doping-Codes sind Bachs Schlagworte. Ob und wie das alles kontrolliert werden kann? Unklar bis undenkbar.
Auch für Christian Keller, Bronzemedaillengewinner im Schwimmen bei den Sommerspielen 1996 und Essener Urgestein. Keller konfrontierte Bach direkt: "Würden Sie es akzeptieren, dass die Ukraine die Spiele 2024 boykottiert und neutrale Athleten aus Russland zugelassen sind?"
Bach wich der Frage aus, seine Antwort hätte Keller und vielen der Zuhörer in Essen nicht gefallen.
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(SID)
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