Olympia 2022: Die Stars der Spiele und die dunkle Seite der Macht - Sigi Heinrichs Blick auf Peking
Publiziert 01/02/2022 um 23:41 GMT+1 Uhr
Olympia 2022 wird zur Bühne für viele Topstars - Sigi Heinrich stellt Euch fünf Athletinnen und Athleten vor, die in Peking die Sportwelt begeistern werden: Die Fans können sich dabei auf ein Wunderkind, ein Traumpaar, einen Gold-Oldie und eine Grenzgängerin freuen. Andere bangen bis zuletzt um ihren Start bei den Winterspielen. Und manche fehlen aus unterschiedlichen, aber stets bitteren Gründen.
Stars der Winterspiele von Peking: Shaun White, Mikaela Shiffrin & Co.
Fotocredit: Eurosport
Die Angst ist jetzt ständiger Begleiter. Nicht jene vor einer Formdelle oder einer Unpässlichkeit anderer Art. Es ist die nackte Furcht vor einem positiven Coronatest. Denn immerhin gibt es trotz Blase bereits über 100 positive Fälle.
Doch auch diese Prozedur findet mal ein Ende und bitte: Was tut man nicht alles für die Olympischen Spiele? Denn es gibt halt doch nichts Größeres als den Kampf um eine Olympiamedaille. Dafür nehmen die Sportlerinnen und Sportler nun wirklich alle Opfer auf sich, um ihre Träume wahr werden zu lassen und um uns zuhause zu beglücken.
Denn ganz ehrlich: Wir stehen ja gerne schon nachts auf für ein Ereignis, das sich trotz aller Bedenken weit über alle Veranstaltungen erhebt. Wir wollen mitgenommen werden auf die olympische Reise bei Eurosport und wir hoffen natürlich auf goldene Momente, auf elektrisierende Augenblicke, auf unvergessliche Darbietungen, die uns den Atem rauben.
Dabei werden wir garantiert nicht enttäuscht werden, wenn wir etwa im Eiskunstlauf verzaubert werden.
Valieva könnte sogar die Männer schlagen
Da gibt es eine 15-jährige Russin aus Moskau. Kamila Valieva läuft nicht etwa einfach so über das Eis. Nein, sie ist viereinhalb Minuten in einem Schwebezustand. Unterbrochen nur von ein paar Sprüngen mit natürlich vierfacher Umdrehung um die Körperlängsachse. Alles Höchstschwierigkeiten, die mit unfassbarer Grazie ihr Programm auf eine neue, bislang noch nie gesehene Ebene heben.
Ich habe sie bei der EM und Grand-Prix-Wettbewerben gesehen. Sie könnte locker mit ihrer Punktzahl bei den Männern mithalten, ja dort sogar gewinnen.
Eine wie Valieva hat es noch nie gegeben. Sie ist ihrer Zeit voraus. Gold scheint ihr sicher zu sein. Und ohne eine Eisprinzessin wären die Spiele nicht komplett. Das war schon immer so. Aber man weiß ja nie.
Die Spannung bleibt auch hier bis zur letzten Pirouette. Doch die Russin könnte, ja sie wird sicher sogar, eine der großen Stars dieser Parade der weltbesten Sportler und Sportlerinnen werden.
Shaun White - der Oldie in der Halfpipe
Andere sind es längst und sind immer noch nicht müde. Ihr Medaillenhunger ist schier unersättlich. Frag nach bei Shaun White, der Snowboardlegende, der ein richtiger Nimmersatt ist. Drei Goldmedaillen hat er in der Halfpipe bereits gewonnen. Er ist mit einem geschätzten Nettovermögen von mehr als 50 Millionen Dollar garantiert der reichste Olympionike in Peking und reiht sich dennoch mit unveränderter Begeisterung brav in das Starterfeld zusammen mit seinen viel jüngeren Gegnern ein.
"Hallo Opa, hast Du Dich verlaufen", könnten sie zum 35jährigen Oldie sagen. Doch sein Auftritt verleiht der Szene eine magische Komponente. White zeigt mit seiner Teilnahme, dass die Olympischen Spiele nach wie vor das Nonplusultra sind - auch in einer Sportart, in der sich die Aktiven die Freiheit des Seins auf ihre Fahnen geschrieben haben und sich dennoch für eine mögliche Medaille in die engen Schranken einer Sportorganisation quetschen lassen. Das ist Olympia. Unwiderruflich.
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White schreibt Geschichte 2018: Mit Mega-Run zum drittem Gold
Quelle: Eurosport
Denn in einer Saison wie dieser mit den Spielen in Peking wissen alle, dass ein Scheitern in China Erfolge vorher im Weltcup oder auch hinterher zur Makulatur werden ließe. Jede Trainingseinheit wurde auf diesen Saisonhöhepunkt ausgerichtet. So mancher hat schon mal ein paar Rennen vorher einfach ausgelassen, weil man einfach auch kein Risiko eingehen wollte.
Wie schnell etwas passieren kann, sahen dann alle bei Sofia Goggia aus Italien, die fast alle Abfahrten dieser Saison dominierte und dann in Cortina d'Ampezzo bei ihrem Heimrennen stürzte. Sie hatte noch Glück im Unglück, weil die Speedrennen relativ spät im Programm stehen. Da bleibt noch etwas Zeit zur Genesung.
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"Um Gottes Willen!" Goggia stürzt schwer - Olympia in Gefahr
Quelle: Eurosport
Allerdings kann sie jetzt nicht wie vorgesehen bei der Eröffnungsfeier die Fahne Italiens ins Vogelnest tragen. Diese Ehre wurde an ihrer Stelle der Snowboardcross-Olympiasiegerin von 2018, Michela Moioli, zuteil.
Nur Kunstschnee für Traumpaar Shiffrin und Kilde
Ein Liebespaar könnte die alpinen Wettbewerbe prägen. Mikaela Shiffrin (USA) und Alexsander Aamodt Kilde aus Norwegen sind das Traumpaar im Schneezirkus. Erfolge indes sind nicht wie etwa bei unserem russischen Eissternchen mehr oder weniger fix gebucht.
Über allem liegt die große Unsicherheit über die Tagesform und das Wissen, dass die Konkurrenz nicht gekommen ist, um den turtelnden Ski-Assen großzügig die Medaillen zu überlassen, damit sie dann aus diesen möglicherweise gar Eheringe schmieden lassen.
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"Was für eine Fahrt!" Kilde triumphiert auf der Streif
Quelle: Eurosport
Petra Vlhova aus Tschechien vermag ebenso gut wie Shiffrin durch die Slalom-Tore fegen. Oder Lena Dürr. Jawohl. Die Deutsche ist im Olympiawinter so gut wie noch nie. Und aufgepasst: Linus Straßer aus München hat die Slalom-Generalprobe in Schladming gewonnen.
Doch, doch. Deutschland wird präsent sein bei diesen Spielen, auch auf dem Siegerpodest und da vor allem auch im neuen Eiskanal, der übrigens schlappe 1,2 Milliarden Dollar gekostet hat. Eine solche Bob und-Rodelbahn ist einzigartig. Die Welt hat darauf gewartet.
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Slalom-Drama in Schladming: So wird Straßer zur Gold-Hoffnung bei Olympia
Quelle: Eurosport
Geplatzte Träume: Zivilcourage wird bestraft
Alle, auch die jetzt im Text nicht Genannten, sind indes erst einmal schon froh, auf dem Planeten Olympia gelandet zu sein. Für manche blieben die Türen versperrt, wie etwa für die Langläuferinnen Darya Dolidovich und Sviatlana Andryiuk aus Belarus. Weil der Papa von Daria, der beide Athletinnen trainiert, die Sportlerproteste gegen Diktator Alexander Lukaschenko vor eineinhalb Jahren unterschrieben hatte, sind beide hoffnungsvollen Talente nicht im Team.
Und auch Alexandra Romanowskaja, schon Olympiateilnehmerin in Südkorea und Weltmeisterin im Freestyle, fehlt. Sie war eine der stimmgewaltigsten Sportlerinnen bei den Protesten und war kurzzeitig sogar im Gefängnis. Zivilcourage wird leider selten belohnt.
Auch eine brasilianische Langläuferin wäre übrigens in Peking dabei gewesen. Bruna Maura, 27 Jahre alt, ist auf dem Weg von Südtirol, wo sie sich vorbereitet hatte, nach München schwer verunglückt. Der Fahrer des Kleinbusses starb an der Unfallstelle. Maura befindet sich mit Brüchen beider Beine und Verletzungen an der Schulter im Krankenhaus in Bozen.
Eileen Gu: Ein US-Girl für China
Und die Gastgeber? Die müssen sich verbiegen, dass vermutlich jede Sehne hinterher jahrelang schmerzt und die Muskeln brennen wie Feuer. Denn die bekannteste, berühmteste und aussichtsreichste Chinesin ist eine US-Amerikanerin.
Kein Witz. Die 18-jährige Eileen Gu, die in der Halfpipe und im Slopestyle teilnimmt, hat Skifahren in Lake Tahoe gelernt. Ihr Papa ist US-Amerikaner, ihre Mama Chinesin. Sie beherrscht den Double Cork 1440. Zwei Salti mit vier Drehungen und ist klar eine Medaillenanwärterin.
"Niemand kann leugnen, dass ich Amerikanerin bin, und niemand kann leugnen, dass ich Chinesin bin", sagt sie selbstbewusst.
Die offizielle Politik Chinas verbietet eigentlich zwei verschiedene Staatsbürgerschaften. Dass eine Sportlerin jetzt einen chinesischen und einen amerikanischen Pass besitzt und für China startet, ist in dieser Welt des gegenseitigen Misstrauens und der dauernden Spannungen zwischen beiden Ländern eine beinahe schon versöhnliche Situation.
Eileen Gu ist ein Bindeglied zwischen zwei so gegenseitigen Welten.
Es geht also doch ... Olympia macht es möglich.
ZUR PERSON SIGI HEINRICH:
Der renommierte Sportjournalist, Buchautor und vielfach ausgezeichnete Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich widmet sind in seinen Blogs der gesamten Vielfalt des Sports inklusive der komplizierten Mechanismen der Sportpolitik. Mal sehr ernsthaft, mal mit einem verschmitzten Augenzwinkern und manchmal auch bewusst provozierend. Es soll ja für alle was dabei sein.
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Olympia 2022: Alle Wettbewerbe live bei Eurosport mit Joyn+
Quelle: Eurosport
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