Paris - Roubaix: Van der Poel wird zum Monument-Monster und hat Sieg bei Lüttich - Bastogne - Lüttich schon im Visier
Mathieu van der Poel ist bei seiner Jagd nach Klassiker-Siegen schier unaufhaltsam. Nach dem Triumph bei Paris - Roubaix lockt nun auch ein Coup in den Ardennen. Neben der Dominanz des Weltmeisters bei den Kopfsteinpflaster-Monumenten beeindruckte bei der Königin der Klassiker auch sein Team Alpecin-Deceuninck in herausragender Weise und schrieb Geschichte. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights des Klassikers: Van der Poel dominiert Rekordrennen
Quelle: Eurosport
Fünf Renntage, drei Siege, davon zwei bei Monumenten des Radsports: Viel souveräner als Mathieu van der Poel kann man nicht in eine Saison starten. Der Niederländer vom Team Alpecin-Deceuninck knüpft auf der Straße fast nahtlos an seine Dominant aus dem Cross-Winter an.
Dabei besticht vor allem die Fahrweise, mir der er seine Siege holt: Wie zuvor bei der Flandern-Rundfahrt und dem GP E3 in Harelbeke dominierte er auch bei Paris - Roubaix mit einem Extrem-Solo, dem keiner etwas entgegenzusetzen hatte und das mit einem Rekord endete.
Das verspricht Unterhaltung für die nun anstehenden Eintagesrennen auf hügeligerem Terrain in den Ardennen, denn dort kommen neue, kletterstärkere Gegner ins Spiel. Doch auch diese muss der Enkel von Radsport-Ikone Raymond Poulidor nicht fürchten.
Drei Dinge, die uns bei Paris - Roubaix auffielen:
1.) Dieser van der Poel kann auch Lüttich gewinnen
Die erste Hälfte der Frühjahrs-Klassiker hat Mathieu van der Poel inzwischen durchgespielt. Von Mailand - Sanremo bis zum Amstel Gold Race steht fast jedes Rennen von Rang und Namen schon in seiner Siegesliste, gerne auch mehrfach. Deshalb hat sich der Überflieger vor dieser Saison neue Ziele gesteckt und auch das vierte Monument der ersten Jahreshälfte mit ins Visier genommen.
Erstmals verlängert er seine erste Rennphase bis Ende April und zu Lüttich - Bastogne - Lüttich, wie er in Roubaix nochmals unterstrich: "Ich werde jetzt erstmal diesen Sieg feiern, aber dann dort am Start stehen."
Dass er mehr will, als nur Kilometer sammeln, ist klar, spätestens seit seinen beiden letzten Auftritten muss man van der Poel zum engen Favoritenkreis zählen, auch über die längeren Anstiege der Doyenne.
"Dieser van der Poel kann auch dort gewinnen", brachte es Ex-Weltmeister Johan Museeuw auf den Punkt, an dessen Fachkenntnis trotz seiner fragwürdigen Methoden kein Zweifel besteht.
Zumal nicht vergessen werden darf, dass "MVDP" schon einmal Sechster in Lüttich war, keine 15 Sekunden hinter dem Sieger: 2020 beim Rennen über 257 Kilometer mit über 4800 Höhenmetern, als der Klassiker wegen der Corona-Pandemie Anfang Oktober ausgetragen wurde und Primoz Roglic vom Jubel-Fail eines Weltmeisters profitierte.
Rivalen fürchtet der sechsfache Cross-Weltmeister dort nicht, im Gegenteil: "Ich bedaure, dass etliche Gegner nicht dabei sein werden können", meinte er mit Blick auf die Sturzopfer aus der Baskenland-Rundfahrt wie Titelverteidiger Remco Evenepoel. "Das wird nicht einfach, aber ich will mich daran versuchen", so seine Zielvorgabe.
Doch ihn zu schlagen, dürfte umgekehrt für die Herausforderer die größere Aufgabe sein.
2.) Alpecin ist mehr als nur van der Poel
Die Triumphe des Anführers von Alpecin-Deceuninck sorgen für Superlative und Schlagzeilen, doch sie drohen auch die enorme Teamleistung des belgischen Rennstalls zu verdecken.
Während van der Poel in aller Munde ist, geht fast unter, dass Jasper Philipsen nicht nur in Roubaix wie im Vorjahr für einen Doppelsieg der Mannschaft sorgte, sondern selbst beim Monument in Sanremo die Vorarbeit des Kapitäns vollendete: Erst hielt er am Poggio Anschluss an die anderen Sprinter, dann schlug er Mads Pedersen, Michael Matthews und auch Tadej Pogacar auf der Zielgeraden.
Ganz nebenbei sammelte der Seriensieger der letzten Tour de France in den letzten Wochen zwei weitere hochkarätige Siege und fünf Top-5-Platzierungen ein. Damit liegt der Belgier in der Weltrangliste als Vierter sogar noch vor seinem umjubelten Teamkollegen. "Das war echte Teamarbeit, die Mathieu dann vollendet hat", erklärte Philipsen am Eurosport-Mikrofon. "Unsere Klassiker-Kampagne war herausragend und wieder einen Doppelsieg in Roubaix zu feiern ist ziemlich besonders", bilanzierte er.
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Foto-Finish! Philipsen sprintet zum Sieg bei Mailand-Sanremo
Quelle: Eurosport
Wie stark Alpecin gerade bei Paris - Roubaix war, darf vom Solo des Spitzenfahrers nicht verdeckt werden: Seine Helfer kontrollieren vom Start weg das Rennen, sorgten auf der Windkante für eine Vorentscheidung und rieben sich in der Tempoarbeit bedingungslos auf.
Mehr noch: Routinier Gianni Vermeersch setzte zusammen mit Nils Politt und Stefan Küng zwischenzeitlich eine starke Attacke. Am Ende wurde der Belgier mit Rang sechs belohnt: Kein anderes Team brachte drei Fahrer in die Top 20.
Noch nie in der über hundertjährigen Geschichte der Radsport-Monumente gewann eine Mannschaft die ersten drei dieser Rennen in einer Saison: Deutlicher kann die Qualität der aus bescheidenen Anfängen zu einer Supermacht bei den Sprints und Klassikern aufgestiegenen Truppe der Roodhooft-Brüder nicht herausgestellt werden.
Im Schatten der Klassiker-Spezialisten darf zudem nicht untergehen, dass ganz nebenbei auch weitere Fahrer der Equipe in diesem Frühjahr mit Siegen in der WorldTour aufwarten konnten: Der Belgier Quinten Hermans gewann eine Etappe bei der Baskenland-Rundfahrt, während das französische Toptalent Axel Laurance einen Tagessieg bei Tirreno - Adriatico einfuhr.
3.) Politt und Degenkolb sind noch lange nicht fertig
"Ich freue mich schon jetzt auf 2025!" Kaum dass John Degenkolb im Velodrom die ersten Schmerzen überwunden und seiner Familie in die Arme gefallen war, gab er schon eine Kampfansage aus. "Ich bin mit Paris - Roubaix noch nicht fertig", betonte der 35-Jährige, "ich habe es noch immer in mir!"
Dabei warfen den Sieger von 2015 gleich mehrfach Defekte zurück, doch der Routinier kämpfte sich mit aller Erfahrung und vollem Einsatz wieder ran - am Ende fehlte ihm als Elftem nur sehr wenig zu einem weiteren Top-Ten-Ergebnis bei seinem zwölften Auftritt in Nordfrankreich.
Der Routinier von Team dsm bewies damit eindrucksvoll, dass er noch immer ein Podiumskandidat bei seinem Lieblingsrennen sein kann, wenn er eine bessere Vorbereitung und weniger Pannenpech hat. Im Vorjahr hatte er das bis zum verhängnisvollen Crash mit van der Poel auch schon gezeigt.
Bei der 121. Austragung erwischte es Degenkolb, der schon am Freitag bei der Besichtigung gestürzt war, mit einem Reifenschaden an der denkbar ungünstigsten Stelle. "Ich bin den ganzen Wald von Arenberg mit einem platten Vorderrad gefahren, keine Ahnung wie ich das geschafft habe", sagte er am Eurosport-Mikrofon.
Dass er am Ende dennoch so weit vorne landete, machte ihn glücklich und stolz - und heiß auf den nächsten April.
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Degenkolb voller Emotionen: "Weiß nicht, was ich fühlen soll"
Quelle: Eurosport
Noch weiter vorne reihte sich Nils Politt ein, der dem dritten Platz in Flandern nun Rang vier in Roubaix folgen ließ - zwei überragende Ergebnisse angesichts der Dominanz des Siegers und der Härte der Rennen. Kein Fahrer neben van der Poel kam bei beiden Monumenten in die Top Ten - außer Politt.
Der 30-Jährige bewies, dass er wieder auf dem Niveau ist, dass ihn 2019 gegen Philippe Gilbert auf der Radrennbahn um den Sieg kämpfen ließ (2.).
Sein Pech war diesmal, dass er in der falschen Begleitung ins Velodrom kam: "Meine Beine waren gut. Leider hatte ich zwei sehr schnelle Fahrer an meiner Seite", sagte der Deutsche vom UAE Team Emirates im Eurosport-Interview.
Gegen zwei der besten Sprinter des Feldes den Kürzeren zu ziehen, war in diesem Fall keine Schande. Wie außergewöhnlich ein so knapp verpasster Podestplatz in Roubaix ist, zeigt ein Blick auf die Statistik: In 121 Auflagen standen neben den beiden Siegern Degenkolb und Premierensieger Josef Fischer (1896) sowie Politt nur sieben weitere Deutsche je auf dem Podium.
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Politt zieht Roubaix-Bilanz: "Leider zwei schnelle Jungs gegen mich"
Quelle: Eurosport
"Wir können mit der Bilanz bei den Klassikern zufrieden sein", so Politts Fazit, der als Zweiter beim Omloop und Siebter beim E3 Classic weitere Spitzenergebnisse vorzuweisen hat. Und eine Chance bleibt ihm noch: Schon am Mittwoch geht es für ihn beim Pfeil von Brabant weiter (live im TV bei Eurosport und im Livestream bei discovery+).
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Tratnik mit besseren Beinen: Politt verpasst Sieg knapp
Quelle: Eurosport
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