Tour de France 2025 - drei Dinge, die auffielen: Florian Lipowitz spielt seine Karten in den Pyrenäen perfekt aus
Florian Lipowitz hat auf der 14. Etappe der Tour de France seine famose Form unter Beweis gestellt und sich bei der Pyrenäen-Königsetappe auf Rang drei in der Gesamtwertung geschoben. Jonas Vingegaard und seine Teamkollegen bei Visma-Lease a Bike mussten derweil erkennen, dass die Mittel fehlen, um UAE-Superstar Tadej Pogacar in Bedrängnis zu bringen. Drei Dinge, die auf der Bergetappe auffielen.
Highlights: Großartiger Lipowitz nutzt Evenepoel-Drama
Quelle: Eurosport
Die Qual hat sich gelohnt für Florian Lipowitz - und das aus gleich drei Gründen. Der Profi von der Schwäbischen Alb meisterte die 4950 Höhenmeter, die auf dem Teilstück von Pau nach Luchon-Superbagnères anstanden und unter anderem den berühmten Tourmalet beinhalteten, meisterhaft.
Lipowitz eroberte das Weiße Trikot des besten Jungprofis, setzte sich im Gesamtklassement hinter die beiden "Außerirdischen" Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard auf Platz drei.
Und nicht zu unterschätzen: Als Tagesfünfter knöpfte der 24-Jährige seinem Red-Bull-Teamkollegen Primoz Roglic 1:21 min ab, was sein Standing innerhalb der Équipe festigte.
Mann des Tages aber war Thymen Arensman. Der Niederländer von Ineos Grenadiers erlebte den bislang größten Moment seiner Karriere. Gedämpft ist die Stimmung indes bei Visma-Lease a Bike. Auf der letzten Pyrenäen-Etappe schlugen alle Versuche fehl, Pogacar in Verlegenheit zu bringen.
- Drei Dinge, die auf der 14. Etappe auffielen:
1. Lipowitz ist die klare Nummer drei im Peloton
Florian Lipowitz konnte sich vor Lob kaum retten. "Es war super, dass er bei Vingegaards Attacke mitgegangen ist. Die war, glaube ich, nicht mit 100 Prozent - das hat er sehr gut eingeschätzt und entschieden mitzugehen. Das Risiko war an dieser Stelle überschaubar und er hat das klasse gemacht - so wie bisher alles bei dieser Tour", zeigte sich Red-Bull-Sportchef Rolf Aldag im Gespräch mit "radsport-news.com" begeistert. Lipowitz sei "wirklich super drauf" und natürlich "werde ich ihn unterstützen", unterstrich Roglic in der "ARD".
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Florian Lipowitz bei der Tour de France 2025
Fotocredit: Imago
Tatsächlich hatte der Laichinger "eigentlich alles richtig gemacht", wie Eurosport-Experte und Ex-Profi Robert Bengsch befand. Besonders beim Schlussanstieg hinauf ins 1804 Meter hoch gelegene Superbagnères demonstrierte Lipowitz Klasse, Cleverness und eine exzellente Einschätzung der Rennsituation. Bei aller Euphorie war ihm klar, dass seine Gegner (noch) nicht Pogacar und Vingegaard heißen. Entsprechend versuchte er ganz am Ende auch nicht, mitzugehen. "Florian wusste, dass die Chance da war, Weiß zu übernehmen. Dennoch ist er in seinem Rhythmus gefahren, hat nicht überzogen", betonte Bengsch.
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Erster Deutscher seit zwölf Jahren: Lipowitz bekommt Weißes Trikot
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Er habe sich "sehr gut gefühlt", sagte Lipowitz selbst, was fast wie eine Untertreibung klingt. Zwar profitierte er beim Sprung auf Rang drei des Classement Général von der Aufgabe des bisherigen Dritten Remco Evenepoel, doch drängte sich der Eindruck auf: Lipowitz hätte ob seiner Topverfassung den nur sechssekündigen Rückstand auf den Belgier auch so wettgemacht. "Ich genieße das alles hier wie verrückt, so viele Leute sind an der Strecke. Da versucht man einfach, immer schneller zu fahren", so Lipowitz.
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Lipowitz holt Weiß: "Er hat alles richtig gemacht - unglaublich!"
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Der seit Tagen medial schwelenden Debatte, ob es denn nicht an der Zeit sei, den 24-Jährigen zum eindeutigen Kapitän zu erklären, gab das Team keine Nahrung. "Noch ist es eine Woche und wir wollen smart fahren und auch Primoz vorne halten. Wir werden das von Fall zu Fall und hoffentlich intelligent entscheiden", wiegelte Teamchef Ralph Denk bei "radsport-news.com" ab.
Das letzte Worte in der Sache habe dann Aldag. Eine Situation auf der 14. Etappe aber sorgte für Stirnrunzeln. Als es am Berg regnerisch wurde, musste Lipowitz sich seine Regenjacke selbst am Teamauto abholen. Diesen Job müsse ihm einer im Team abnehmen, forderte Bengsch. Lipowitz könne so Kräfte sparen. Vielleicht denkt die Mannschaft diesbezüglich auf den letzten sieben Etappen um. Ansonsten bleibt festzuhalten: Lipowitz hat seine Karten bislang perfekt ausgespielt.
2. Attacke? Visma fehlen die Mittel
Der Angriff auf Pogacar? Ging ins Leere. Die Hoffnungen auf den Etappensieg? Zerschlugen sich. Der Rennverlauf? Nicht im Sinne von Visma-Lease a Bike. Und doch war man bei der niederländischen Auswahl bemüht, Optimismus zu verbreiten. "Visma-Lease a Bike hat auf der 14. Etappe seine Stärke unter Beweis gestellt. Simon Yates und Sepp Kuss setzten sich früh vom Feld ab, während Jonas Vingegaard am Schlussanstieg seine Beine testete", war auf der Team-Homepage zu lesen.
Man habe "versucht, aus der Ausreißergruppe heraus zu gewinnen. Mit Sepp und Simon waren wir in einer guten Position, aber leider trafen sie auf einen sehr starken Arensman", räumte derweil Teamchef Grischa Niermann ein.
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Vingegaard erklärt Visma-Taktik: "Wollten den Tagessieg"
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Trotz allem wurde "Selbstvertrauen auf einer zermürbenden Pyrenäen-Etappe gewonnen", teilte das Team mit. Es ist natürlich richtig und nachvollziehbar, dass das Geschehen beim Pyrenäen-Finale eine positive Deutung erfuhr.
Genauso offensichtlich wurde aber auch: Aktuell ist kein Kraut gewachsen gegen Pogacar, auch wenn Vingegaard es kurz vor dem Ziel versuchte. "Ich war auf Tadejs Angriff vorbereitet, aber ich fühlte mich so gut, dass ich beschloss, selbst zu fahren. Meine Beine fühlten sich stark an und ich hatte noch etwas im Tank. Pogacar konnte folgen, war heute mindestens so stark wie ich, vielleicht sogar stärker", analysierte der Däne. Es sei allerdings "ermutigend, dass ich am Ende noch etwas versuchen konnte".
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Gereicht hat es nicht. Noch schlimmer erging es aber Vingegaards Kollegen Matteo Jorgenson. Der US-Amerikaner kassierte fast 18 (!) Minuten und fiel aus den Top 10 der Gesamtwertung heraus. Als 15. hat der 26-Jährige bereits einen Rückstand von 34:09 Minuten auf die Spitze. Ein satter Tiefschlag, auch wenn Vingegaard das Teilstück über die Cols Tourmalet, d'Aspin und Peyresourde "vielleicht eine der härtesten Etappen war, die ich je gefahren bin".
3. Arensman fliegt über die Pyrenäen-Berge
Wenn bei Ineos Grenadiers sogar der Sportliche Leiter (Zak Dempster) von "einem meiner schönsten Momente im Sport" spricht, muss etwas ganz Besonderes passiert sein. Genau so war es. 37 Kilometer vor dem Ziel ging Thymen Arensman all in. Heißt: Der 25-Jährige attackierte, setzte sich ab, gab den Solisten. Es war beeindruckend, wie Arensman seinen Vorsprung verteidigte, am Ende distanzierte er Pogacar und Co. um eine Minute und acht Sekunden.
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Arensman verteidigt ersten Ineos-Sieg – Pogacar gnadenlos
Quelle: Eurosport
Er könne es "nicht glauben. Ich war schon beim Giro und wurde danach krank. Trotzdem hatte ich eine ganz gute Vorbereitung und wollte bei meiner ersten Tour einfach alle möglichen Erfahrungen sammeln", strahlte der Niederländer im Ziel. Die Erfahrung, als erster über die Ziellinie zu rollen, hat er zuvor nur dreimal gemacht. In der Saison 2022 holte Arensman Etappensiege bei der Vuelta a España und der Polen-Rundfahrt, in diesem Jahr gewann er einen Abschnitt der Tour of the Alps. Der Coup bei der Tour aber schlägt alles.
Wichtig war der Erfolg freilich nicht nur für den Fahrer, sondern für die gesamte Mannschaft. Endlich wieder eine positive Schlagzeile. Arensman habe "in den vergangenen Jahren so viele Schritte nach vorne gemacht, aber im Sport geht es sich nicht immer so aus, wie man sich das vorstellt", sagte Dempster im Eurosport-Interview. Positiver Nebeneffekt: Durch seinen mutigen Solo-Ritt über die Pyrenäen kletterte Arensman in der Bergwertung mit nunmehr 48 Zählern auf Rang drei hinter Lenny Martinez (60) von Bahrain Victorious und Pogacar (52) - derzeit die einzige Podestplatzierung für Ineos Grenadiers in den Tour-Wertungen.
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Lipowitz: "Die dritte Woche wird die entscheidende sein"
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