Tour de France 2026 mit doppeltem Alpe d'Huez zum großen Finale: Jens Voigt erwartet eine "Angst-Etappe für jeden"
VonJan Zesewitz
Update 25/10/2025 um 00:26 GMT+2 Uhr
Die Strecke der Tour de France 2026 verlangt den Fahrern mit Höhenmetern ohne Ende alles ab - und zwar von Anfang bis Ende. In den drei Wochen geht es durch Pyrenäen, Zentralmassiv, Jura und Vogesen, bis am Ende steht ein hartes Alpen-Finale mit der Rückkehr nach Alpe d'Huez auf dem Programm steht. Eurosport-Experte Jens Voigt blickt auf die Tour-Strecke und analysiert den Kurs der 21 Etappen.
Zweimal Alpe d'Huez: Die Tour-Strecke 2026 von Barcelona nach Paris
Quelle: Eurosport
Doppelpack in Alpe d'Huez? Das kennt Jens Voigt aus eigener Erfahrung: Bei der Tour de France 2013 musste er sogar zweimal an einem Tag die legendären 21 Kehren erklimmen - während der ersten Überfahrung war er dabei Teil der Spitzengruppe. "Das war auch schon nicht ohne", erinnerte er sich im Interview.
Diesmal ist der Skiort an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Ziel einer Etappe - das gab es zuvor nur 1979 - diesmal auf der 19. und 20. Etappe der Tour, wenn die Fahrer bereits 3000 Kilometer durch Spanien und Frankreich gefahren sind. Der vorletzte Tag weist rekordverdächtige 5600 Höhenmeter auf - "eine Angst-Etappe für jeden", sagte Voigt.
Ein "sanftes" Einrollen gibt es bei der Grand Boucle nicht mehr. Die Klassement-Favoriten um Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard und die Red Bull-Bora-hansgrohe-Kapitäne Florian Lipowitz und Remco Evenepoel müssen vom ersten Tag an wachsam sein und um Sekunden kämpfen. Schon das Mannschaftszeitfahren in Barcelona zum Auftakt könnte ein Fingerzeig Richtung Gesamtwertung sein.
Die Sprinter und auch die "Klassiker-Superstars" um Wout van Aert und Mathieu van der Poel müssen auf ihre Chancen wohl ein paar Tage länger als gewöhnlich warten - der frühen Kletterpartie sei Dank. Gelegenheiten für die Sprinter wird es dennoch reichlich geben, nur nicht in Paris, wo es wieder über den Montmartre-Anstieg geht - obwohl Voigt da auch nicht alle schnellen Männer für chancenlos hält.
Jens Voigt über...
...seine ersten Gedanken bei der Bekanntgabe der Strecke:
"Ohne Krankheit und Sturz sehen wir das gleiche Podium wie in diesem Jahr. Die Strecke ist so schwer, dass es keinen Raum für Überraschungen oder Außenseiter gibt. Man braucht eine sehr starke Mannschaft, weil man viel arbeiten muss. UAE-Emirates-XRG, Red Bull-Bora-hansgrohe und Visma-Lease a Bike - diese drei Teams kamen mir sofort in den Sinn, weil sie die nötige Mannschaftsstärke mitbringen, um das Rennen zu kontrollieren. Schon nach der ersten Woche wird man ein sehr gutes Gefühl dafür haben, wo diese Tour hingeht. Die Etappen sind anspruchsvoll genug, um schon für Abstände zu sorgen. Bemerkenswert ist auch, dass die längste Etappe 'nur' 205 Kilometer lang ist und es auch die einzige Etappe mit mehr als 200 Kilometer Länge ist. Das garantiert mehr oder weniger Vollgas von Start bis Ziel an jedem Tag."
...den Start in Katalonien:
"Der Start ist sehr fahrer- und teamfreundlich. Es gibt keine langen Transfers, die ersten Tage kann man im gleichen Hotel schlafen. Gleichzeitig wird schon der erste Anstieg, der Montjuic, beim Teamzeitfahren und am Ende der zweiten Etappe für eine erste Sortierung sorgen. Es ist wieder eine Tour, bei der die Klassementfahrer vom ersten Tag an auf der Hut sein müssen, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.
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Roglic nutzt Ayusos Schwäche und holt sich den Gesamtsieg
Quelle: Eurosport
...das Mannschaftszeitfahren mit Einzelwertung:
"Abgesehen davon, dass alle gemeinsam losfahren, hat das mit einem Mannschaftszeitfahren ansonsten wenig zu tun. Die Teams können genügend Fahrer 'aufbrauchen', weil am Ende braucht es nur die Zeit von einem Fahrer. Vielleicht ist das ein kleiner Vorteil für Teams mit geringerem Budget, da nicht so viele möglichst gleich starke Zeitfahrer gebraucht werden. Es wird also etwas anderes werden, aber sehr spannend und im Klassement kann man schon mal ein Ausrufezeichen setzen."
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Visma gewinnt Mannschaftszeitfahren auf F1- Kurs und erobert Gelbes Trikot
Quelle: Eurosport
...die Chancen der Sprinter:
"So wenige Gelegenheiten wird es für die Sprinter nicht geben. Etappe drei mit dem Ziel in Les Angles zum Beispiel. Ein Mann wie Mads Pedersen könnte da an der Spitze ankommen, obwohl es einen längeren Anstieg gibt. Es gibt ja auch immer weniger dieser ganz reinrassigen Sprinter, die bei jedem Berg abgehängt werden. Die meisten kriegt man gar nicht mehr so leicht abgehängt. Das könnte sich schon auf der dritten Etappe zeigen. Auch Etappe vier könnte mit einem Sprint mit einem etwas reduzierten Hauptfeld kommen. Dann gibt es Flachetappen nach Pau und - mit einer schweren Pyrenäenetappe dazwischen - in die inoffizielle Sprinterhauptstadt Bordeaux und am Tag darauf bei der achten Etappe. Es gibt also Gelegenheiten für die Sprinter in der ersten Woche. Dadurch, dass es so früh in die Berge geht, dürfte es in den Finals auch weniger Massenstürze geben, weil das Feld schon ein wenig entzerrt ist."
...das furiose Alpen-Finale mit der Doppel-Herausforderung nach Alpe d'Huez:
"An zwei aufeinanderfolgenden Tagen nach Alpe d'Huez, das gab es in dieser Form noch nie. Die 19. Etappe ist erst einmal ganz klassisch - von Gap über die berühmten 21 Kehren zum Ziel. Etappe 20 lässt dann keinen Berg der Region aus, bevor es über den Col de Sarenne aus ungewohnter Richtung und ohne die Serpetinen nach Alpe d'Huez geht. Für die Helfer ist dieses Programm mit vier schwersten Anstiegen der Todesstoß, für die Berg- und Klassementfahrer geht es noch um etwas. Das ist das Besondere an dieser vorletzten Etappe mit mehr als 5500 Höhenmetern: Früher war das Klassement in der Regel schon vorher gesichert. Wenn wir einen Tadej Pogacar erleben, der alles so macht wie immer - dann ist die Etappe nur Kosmetik und Pogacar kann an seiner Etappensieg-Zahl noch schrauben. Wenn es aber nicht so ist, dann kann es noch zu einem Generalangriff kommen und die Etappe könnte schon am Col de la Croix de Fer eskalieren und es gibt keine Kontrolle mehr. Auch um die weiteren Platzierungen hinter dem Gelben Trikot wird an diesem Tag noch gekämpft. Es wird eine unglaublich schwere Etappe, zumal die Fahrer schon 3000 Kilometer in den Beinen haben. Es ist eine Angst-Etappe - für alle. Für die Sprinter, weil sie hoffen müssen, dass sie durchkommen, für die Klassement-Fahrer, weil sich an diesem Tag alles noch einmal auf den Kopf stellen kann."
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Highlights: Schlussetappe gipfelt in Showdown der Superstars
Quelle: Eurosport
...das Finale mit dem Montmartre in Paris:
"Ganz persönlich fand ich diesen Wechsel nicht unbedingt notwendig - die Sprinter haben hart gekämpft, um es bis dahin zu schaffen, lasst ihnen doch diesen Tag. Aber klar: Keine Tradition hält ewig. Die Schlussetappe wurde im vergangenen Jahr durch einen motivierten Pogacar und das Happy End von Van Aert gerettet. Wir hatten Glück - sonst wäre das deutlich weniger spektakulär geworden. Ich verstehe, dass sich die Fans freuen und wenn das Wetter nicht so schlecht ist und die Zeit nicht schon früher genommen wird, dann verändert das auch noch einmal einiges. Der Anstieg ist nicht so schwer, dass man dort Minuten verliert, man kann da bis ins Ziel durchaus eine Lücke wieder schließen. Jemand wie van der Poel oder Pedersen könnten Kandidaten für diese Etappe sein. Es wird eine Etappe sein, bei der die Zuschauer von Anfang bis Ende gefesselt sein werden."
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Pogacar-Gala und Höllenritt auf den Ventoux: Die besten Finishes 2025
Quelle: Eurosport
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